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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-09-11 · Heft 37 (11.9.1877) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 37 (11.9.1877)
Date
1877-09-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Judenlhums. Ei» unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. Dies« Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 viS 2'I-, Bogen. Preis Bierteliätzrig »Mark. Inserate werden mir 20 Ps. für die Petitzeile over deren Raum berechnet. Alle Buchbaridiunzen, Postämter und Zeitnugs» Expeditionen nehmen Bestellungen an. -2u redactionellen Anaetegenheiren wende man sich an vr. x. NhitipPsou in Bonn: binfichtlich der Inserate an 4t. Mosse in Leipzig und desscu Filialen in Berlin. BreSlaurc. Inserate, welche bis vonrerftaa eingehcn. finden rnder daranffolgenden Nummer BerüSfichtiguug. — 41. Jahrgang Leipzig, den 11. September 1877. JV? 37. 3uhalt. Leitende Artikel: Der religiöse Fanatismus in Europa. — Die Rabbinerfrage. II- — Offener Protest. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Ans Bayern. Cassel. — Oesterreich-Ungarn: Krakau. — Frankreich: Paris. — Türkei: Konstantinopel. — Rußland: Odessa, Kiew. Petersburg — Bonn: Notizen. Literarische Notizen. — Feuilleton: Aberglaube. — Vermischtes. £eibeiide (SCxhlket. Bonn, den 5. September. Der religiöse Fanatismus in Europa. Man hat gut sagen: es sei überflüssig, gegen den religiösen Fanatismus auzukämpfea, da er mit den Grundsätzen und Einrichtungen des modernen Staates und mit der Gesinnung und Anschauung der Bolksmehrheit nicht mehr vereinbar ist und daher nicht aufkommen könne. Ist doch positiv der Fanatismus noch vorhanden und wo er dies ist, schafft er Kampf und Noch, verdrängt Wahrheit, Recht und Sittlichkeit, führt auch in der Politik irre, und — bei dem noch immer schwankenden Wesen unserer Zeit, bei dem Spiele schroffer Gegensätze und Parteien in der Gegenwart ist man niemals sicher, daß seine Flamme nicht höher anflodere und eine verheerende Feuersbrunst entzünde. Wir wiederholen, daß wir hier keine Politik treiben, und Anderen das Uriheil überlaffen, auf welcher Seite in dem jetzt wütheuden Kriege das Recht oder das Unrecht stehe. Soweit aber religiöse Gefühle, oder, richtiger gesagt, specifisch consessionelle Ansichten bei diesem Kampfe mitspielen und sich die Entscheidung anzueignen suchen, berühren die Vorgänge auch unser Gebiet gar sehr und wir können nicht gleichgültig dabei bleiben. Es ist kein bedeutungsloses Ereigniß, daß der berühmte englische Staatsmann, der Führer der liberalen Partei in England, der mehrmalige engl. Premierminister Gladstone offen ,den Kreuzzug der Christen gegen die Mohammedaner predigt, nnd den modernen Peter von Amiens vorstellt. Immerhin mag er im Unterhause die Stimmen der Opposition gegen die Politik des jetzigen Ministeriums zu dessen Sturz nicht haben vereinigen können; doch hat er bei einem so großen Theile des englischen Volkes mit seinen Reden über die Verbindung aller christlichen Völker zum Kreuzznge gegen den Islam Anklang und Aufregung hervorgerufen, daß die Regierung der traditionellen englischen Politik entsagen und jede Einwirkung zu Gunsten des türk. Reiches aufgeben mußte. Jenes England, welches vor einigen zwanzig Jahren ungeheure Opfer an Menschen und Geld brachte, die Türkei zu reiten, muß jetzt durch die Agitation Gladstone's die Arme kreuzen und geschehen lassen, was geschieht. Derselbe Gladstone hat jetzt wiederholt Schreiben erlassen — im Erlassen von Schreiben ist er unermüdlich — um einflußreiche Griechen zum Kriege gegen die Türkei anfzustacheln, worauf er die Antwort erhielt, daß die'griechischen Interessen mit den slavischen nicht übereinstimmen. Daß Gladstone, nachdem er sich in die christliche Theologie versenkt hat, auch das Judenthum und die Inden bekämpft und gegen sie wiederholt Anklagen geschleudert, weil sie, wie er meint, seinen Fanatismus gegen den Islam nicht theilen, haben wir bereits mehrere Male bemerkt, und doch war derselbe Mann früher ein eifriger Anhänger der Gleichstellung und des confessionslosen Staates! — Würde diese Gesinnung bei den christlichen Völkern Europas Eingang finden, würde in ihnen der Eifer, den Islam als solchen durch die Waffen der das Christenthnm bekennenden Nationen zu vernichten, zum Sturme anwachsen, wie es Gladstone und^seine Anhänger verlangen: welchen fürchterlichen Zusammen-

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