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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-09-04 · Heft 36 (4.9.1877) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 36 (4.9.1877)
Date
1877-09-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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'Allgemeine Zeitung -es Iudenlhums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Jntereffe. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 dis 2'/^ Bogen. Preis BierteltLbria 3 Mark. Inserate werden mit 2» Pj. tut die Pctitzeile oder deren Raum berechnet. Alle BuchbMldinngeu. Postämter und ZeitungS-Expeditionen nehmen Bestellungen an. _ Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipp son in Bonn. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. In redactionelle» Angelegen heuen wende man sich an vr. L. Ntzilippsou in Bon»; dinfichllich der Inserate an R. 1 Moffe in Leipzig und dessen Filialen in Berlin, Breslau w. Inserate, welche bis! Donnerstag eingehe». finden ui bet cot* { auffolgenden Nummer Berücksichtigung. Beilagen werden nrit 1 Mark SV Pf. pro Hundert berechnet. 41. Jahrgang. Leipzig, den 4. September 1877. JV 36. Inhalt. Leitende Artikel: lieber Halbwissen und Halbbildung. II. — Die Landesrabbinerschule zu Budapest. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Leipzig» Frankfurt am Main, Hannover. — Türkei: Paris, London. — Rumänien: Czernowitz. — Rußland: Moskau. — Bonn: Notizen, Literarische Notizen. — Feuilleton: Die Juden in Marokko. — Vermischtes. <£eUetu)& CLxhJLdL Bonn, den 29. August. Aeder Halbwissen und Halbbildung. II. Es sind nicht allein die Bildungs-, Handwerker-, Gesellenvereiue u. s. w. und die populären Zeitschriften, von denen die „Nationalzeitung" spricht, welche die schädlichen Wirkungen hervorriefen, die sie auf die Tagesordnung stellt. Wir muffen zuvörderst „die populären Zeitschriften" näher dahin definiren, daß sie die gesammte Tagespreffe mit einschließen; wir müffen daun die ganze Literatur, soweit sie nicht fachwiffenschastlich ist, hinzufügen. Dies öffnet uns den Blick in viel weitere Kreise. Zahllose Männer lesen nichts als ihre Zeitung; welchen Einfluß die Feuilletons, die Romane, die belletristischen Zeitschriften insonders auf die Frauen übe», ist gar nicht zu übersehen. Die Streitschriften über alle möglichen Gegenstände und Fragen, die durch ihre Form zahlreiche Leser anlocken, die Flugblätter, die in reichlichen Massen ausgestreut werden und dann endlich die belehrenden Schriften in populärem Gewände, sie alle sind Faktoren des geistigen Lebens unsrer Zeit und unsres Volkes. Hierzu kommt, daß als ein Bedürfniß, als eine unumgängliche Forderung geltend gemacht wird. Jedermann müffe eine allgemeine Bildung sich erwerben, d. h. aus allen Gebieten des menschlichen Wissens Etwas sich aneianen, auf allen Bescheid wissen, und dies fei auch dem Fachmann uothwendig, um mit dem gesammten Geistesleben und der gesammten Wissenschaft im Zusammenhang zu bleiben. Es tritt daher dieselbe Erscheinung in den höher wie in den weniger gebildeten, ja auch in den gelehrten Claffen auf. Namentlich ist dies bei der Ghmnasialjugeud der Fall, welche darauf angewiesen wird, neben ihren clasfischen Studien Einiges ans allen Fächern sich zu erwerben, um für das allgemeine Leben und für das Specialfach, das sie sich wählen wird, vorbereitet zu sein. Wtt sehe» hieraus, daß die geschilverten Zustände eine viel größere Ausbreitung und viel umfassendere Quellen haben, als die Natioualzeituug in dem angeführten Artikel in's Auge faßte. Es liegt hier eine gewaltige Zeitströmung vor, die selbstverständlich ihre gewisse Berechtigung, eine gewisse Nothwendigkeit in sich ttägt, die aber durch die Uebersteigung ihres Beltes, durch die Ueberschwemmung der Fluren schädlich, ja gefährlich wird, so daß nur die Höhenzüge von ihr verschont bleiben. Ändeß sind es die Popularisirung aller Wissenschaften und die Zurichtung der dem Volke Vorgesetzten geistigen Speise, um seinen Geschmack zu reizen, und die endlich zum Hautgout greift, sie sind es nicht allein, die unsre Zustände verschulden. Es ist eine schon oft gehörte Klage, daß in den einzelnen Wissenschaften sich die Masse des Wissens, des Erforschten, der Beobachtungen so sehr anhäuft, daß jede Wissenschaft sich in Specialfächer theilen muß, daß darüber die Einheit der Wissenschaft gesprengt und der Zusammenhang in allen einzelnen Wissenschaften unv derselben unter einander verloren wird. Das natürliche Gesetz des MenschengeisteS drängt ihn aber ebenso wie nach der Peripherie, so auch nach dem Centrum, d. h. ebenso wie nach der Bereicherung und

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