Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1877)
- Date
- 1877-08-21
- Page
- Seite 534 (sequence 2)
- Language
- German
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534 wird. Auch ist es einsichtlich, daß durch eine solche Conceutrirung aller vorhandenen Kräfte und Mittel sehr bedeutend verstärkte Erfolge erzielt werden müssen. Die gegenseitige Unterstützung und Kräftigung wird für die Masse ein fester Kitt, die mit finanziellen Bortheilen verbundene erhöhte Thätigkeit eine fesselnde Anziehung für zahlreiche Individuen sein, deren Existenz an die Wirksamkeit sich knüpfen wird. Dahingegen kann man auch voraussehen, daß durch alle diese Veranstaltungen der Kreis der ultramontanen Herrschaft sich nicht ausdehnen werde. Durch alle diese Maßnahmen scheidet sich die ultramontane Welt immer mehr und immer schroffer von der gesammten übrigen Menschenwelt, scheidet sich aus allen staatlichen und nationalen Kreisen, stellt sich allen politischen und bürgerlichen Verhältnissen gegenüber, so daß ihr nur noch ihre eigentlich enragirten Anhänger folgen können. Jemehr sie sich als Feindin aller Volksrechte und Bolksfreiheiten herausstellt und bethätigt, wird sie zuletzt die Volksmassen gegen sich aufbringen und die Beispiele liegen nicht fern, wo dies selbst für den Klerus sehr gefährlich ward. Mit aller Anstrengung wird sie das Capital so wenig wie die Intelligenz fesseln, die Presse so wenig erdrücken, wie das gewerbliche Leben in ihre Hand bekommen. Für die großen und schließlichen Erfolge der modernen Gesellschaft brauchen wir daher auch jetzt nichts zu fürchten; aber daß die ebengezeichnete Organisation der gesammten ultramontanen Welt zu einer einzigen Liga noch viele erbitterte Kämpfe, viel Unheil und Schaden Hervorrufen wird, kann nicht verkannt, und darum darf dieses Ereigniß nicht übersehen werden. Der Ultramontanismus ist schlau genug, um gerade die Mittel auszubeuten, welche die liberalen Einrichtungen und Gesetze des Staates bieten, um den Liberalismus zu bekämpfen und zu erdolchen. Allein auch dies hat seine Grenzen, und der Staat kann sich schließlich gezwungen sehen, wo der Krieg offenbar ausgebrochen ist, jene' Mittel zu beschränken. Jedenfalls ist es Sache Aller, welche sich von den Operationen und Erfolgen einer solchen ulttamontanen Weltliga bedroht sehen, die möglichste Vorsicht und Obhut zu üben. Nur die Bemerkung wollen wir noch hinzufügen, daß es zur Methode der Ultramontanen gehört, wenn sie etwas Vorhaben, was der übrigen Welt auffällig ist. Andere vorzuschieben, und zwar zunächst die Juden. Als die moderne Welt, insbesondere das deutsche Reich, sich abermals gegen den Jesuitenorden 'wandte und dessen Moralgrundfatze verurtheilte, schleuderten die ulttamontanen Skribenten ihre verleumderischen Pamphlete gegen den Talmud, und, der allgemeinen Unkenntniß vertrauend, bezüchtigten sie den Talmud einer Moral, die verderblicher sei als die jesuitische. Mit den Absichten einer Weltliga umgehend, war es seit längerer Zeit ihr Bemühen, die Existenz einer jüdischen Verbindung durch die ganze Welt zu denuncireu, von der auch nicht die geringste Spur nachzuweisen ist. Beides ist hinlänglich widerlegt worden — aber der Jesuitenorden und die Organisation der ulttamontanen Weltliga bestehen und machen äch überall fühlbar. Existirt sie ja eigentlich schon lange, wenn sie auch jetzt erst eine so riesige Concentrirung und feste Gliederung erhalten hat. Die Verfolgung des Aeberlritts zum Judenthume in Ungar«. Wir haben in voriger Nummer den zweiten abschließenden Erlaß des Ministers der Cultusangelegenheiten in Ungarn im Vereine mit dem Justizminister mitgetheilt, nach welchem im ungarischen Reiche gesetzlich sowohl die Mischehe zwischen Juden und Christen, als auch der Uebertritt zum Judenthume verboten und falls sie im Auslande vorgenommen werden, rechtsungültig rnd. Insofern kann dem Herrn Minister kein Borwurf gemacht werden, wenn ihm auch das Verdienst zukommt, diese gesetzlichen Verbote aus dem Staube der Vergessenheit hervorgeholt zu haben, in welchem sie seit langer Zeit geruht. Die Mischehen hierbei bei Seite laffend, beschäftigen wir uns mit dem Verbote des Ueberttitts zum Judenthum. An und für sich wunderten wir uns hierüber nicht sehr. Ungarn war ttotz seiner vielen Phrasen über Freiheit und Recht doch der letzte europäische Staat, außer Rußland und Rumänien, welcher die bürgerliche Gleichstellung der Juden gesetzlich anerkannte. Und ebenso wenig gelten die hochtönenden Redensarten, mit welchen im ungarischen Reichstage wiederholt die Religionsfreiheit resolvirt worden, und mit denen der Ministerpräsident Tisza behauptete, daß die Religionsfreiheit in Ungarn bereits vorhanden sei, gar wenig, wenn zugleich die Gesetze gegen den Uebertritt zum Judenthume von demselben Ministerium zur Geltung gebracht werden. Denn Niemand wird es Religionsfreiheit nennen. Niemand Gleichstellung der Culte, wenn es jedem Juden freisteht, zum Christenthume überzugehen, aber keinem Christen zum Judenthume. Ungarn wird also wiederum der letzte europäische Staat sein, der die wirkliche Religionssieiheit gesetzlich anerkennt. Vielleicht findet man aber unsren Ausdruck in der Ueberschrist „Verfolgung des Ueberttitts" zu hart. Doch ist es keine Verfolgung, wenn eine ungarische Katholikin in Wien vor Jahren zum Judenthume übergetteten ist, bona Eile, daß dies auch in Ungarn gültig ist, wenn diese Jüdin mit einem Juden vor Jahren sich verheirathet hat, und zwar auf religiousgefetzlichem Wege, bona fide, daß dies auch in ihrem Vaterlande gültig ist, weil sie zahlreiche Beispiele vor Augen hat, und nun wird sie in Ungarn für eine Concubine erklärt, sie ist ehe- und ehrlos, sie darf den Namen ihres Mannes nicht ttagen, sie hat keine Rechte an ihn und kein Recht auf seine Hinterlassenschaft; und die aus dieser Ehe erzielten Kinder werden ihres JudenthumS und des Namens ihres VaterS beraubt, sie werden für Katholiken und für unehelich erüärt, sie haben kein Recht auf den Namen und die Hinterlassenschaft ihres Vaters!! Sind dies nicht Sttafen der härtesten Art? Werden