Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1877)
- Date
- 1877-07-17
- Page
- Seite 464 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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464 interessante Notiz aus den „Frankfurter Familienblättern" Nr. 121 ii vom 27. Mai d. I. übersandt. e In den nächsten Tagen steht die Enthüllung des Börne- 3 Denkmals zu erwarten. Möglich wäre es, Laß bei dieser 2 Gelegenheit wieder die falsche Angabe Gutzkow's in seinem Leben 1 Börne's, sowie die Inschrift auf der Marmortafel an Börne's f Geburtshaus in der Judengaffe, die beide Börne am 22. Mai 1786 geboren sein lasten, zu Wort käme. Dem gegenüber wollen t wir auf eine Notiz von H. Elias Ullmann in den Mittheilungen c des Vereins für Geschichte und Alterthumßkunde in Frankfurt $ am Main III. Band 1868 verweisen, worin es heißt: Ich muß i die Richtigkeit des 22. Mai bestreiten und dafür den 6. Mai ( als den Börne'schen Geburtstag angeben. Mein Gewährsmann I ist ein äußerst glaubwürdiger, fr der einzige, welcher, nachdem l authentische Nachweise über Börne's Geburtstag nicht vorhanden j sind, in dieser Angelegenheit Glauben verdient. Bevor ich dies hier ausgesprochen habe, habe ich zunächst Alles geprüft, was > sich hierüber in dem Archive der israelitischen Gemeindeverwaltung ' findet und bin hiernach im Stande das Folgende mitzutheilen: Die einzigen Urkunden über die Geburten hiesiger Israeliten aus früheren Zeiten bestehen in den sogenannten Hebammenbüchern. Es sind dies die Aufzeichnungen, welche die jeweilige Gemeindehebamme bei der Geburt eines Kindes vorgenommen; doch sind diese Aufzeichnungen selbst wieder insofern nicht ausreichend, weil der Name des Kindes nicht angegeben und es nur einfach heißt: dem N. N., Sohn des N. N., wurde an dem und dem Tage ein Sohn oder eine Tochter gegeben. Nur wer daher die ungefähre Geburlszeit kennt, dem ist es möglich, die Jventiat und den genauen Geburtstag festzusetzen. Solcher Hebammenbücher existiren drei. Das älteste umfaßt den Zeitraum vom Jahre 1748—1780, das zweite vom Jahre 1780 bis 1798, das dritte vom Jahre 1798 bis zu Ende des Jahres 1805. Dom Jahre 1806 an sind die Einträge in regelmäßiger Form vorhanden und haben die Aufzeichnungen durch die Hebamme aufgehört. Das Jahr 1786 als bas Geburtsjahr Börne's befindet sich daher in dem zweiten Hebammenbuche. In diesem Buche fehlt indesten ein Foliobogen vier Seiten, den Zeitraum vom 11. April bis zum 13. Juni 1786 umfastend. Da nun ein urkundlicher Beweis nicht beizubringen, auch von mir bei den Verwandten Börne's eingezcgene Erkundigungen einen Erfolg nicht gehabt haben, so darf ich wohl meinem Gewährsmann für den 6. Mai 1786 als den richtigen Geburtstag Glauben schenken. Mein Gewährsmann aber ist Börne selbst. In einem seiner Aufsätze: „Testament der Zeitschwingen", vom Jahre 1819, heißt es u. A.: „Erst gestern sagte ich mit thränenden Augen: ich wollte, ich wäre in meinem 79. Jahre am 6. Mai 1786 sanft gestorben, statt daß ich an diesem Tage erst geboren bin." Nun könnte man vielleicht entgegnen, darauf sei nicht zu gehen, es könne dies eine poetische Fiction sein; aber wenn auch hierzu ein Grund gar nicht vorhanden ist, so bringe ich noch den weiteren Beweis, daß Börne eine Zuschrift, welche er am 18. October 1808 an die Gesellschaft zur ausgehenden Morgenröthe dahier richtete, unterzeichnet hat: Ludwig Baruch, Doctor der Philosophie, geboren zu Frankfurt a. M. den 6. Mai 1786. Hier wird wohl das Datum in keinem Falle als eine poetische Fiction angesehen werden können. So weit die „Fr. Fam." Wir fügen hinzu, daß es nur wenige Gemeinden gegeben haben mag, in welchen solche Hebammenbücher bestanden. An anderen Orten gab es nur für Knaben Aufzeichnungen und zwar in den Büchern der Mohelim und in den sg. Mappen, d. h. den für die Knaben gestifteten Einwickelungsbändern zu den Thorarollen, auf welche der Geburtstag des betr. Knaben geschrieben worden. In unsrer Geburtsstadt Destau z. B., die doch zu den am frühesten gebildeten gehörte, wurden erst im Jahre 1811 ordentliche Civilstandsregister eingefuhrt, und so viel wir uns erinnern, war der Redacteur dieser Zeitung zufällig der erste, desten Geburt eingetragen wurde, nämlich am 27. Dec. des genannten Jahres. Richard Wagner und seine Putzmacherin. In der „N. fr. Pr." wurden vor Kurzem „Briefe an eine Putzmacherin" von Richard Wagner veröffentlicht, welche den Dichtercomponisten in seiner außerordentlichen Putzsucht und Verschwendung kennzeichnen. Die Briefe machten viel Auffehen, weil sie eine Eitelkeit bezeugen, wie sie einem genialen Menschen nicht zuzutrauen ist. Was geschieht nun? Die Wagner- Fanatiker, obschon sie jüdische Narren genug unter sich sehen, schieben die Veröffentlichung dieser Briefe den Juden in die Schuhe und wollen sie als eine Jntrigue der Juden gegen Wagner dem Publikum denunciren. Die „Dresdener Nachrichten" leisten hierin das Aeußerste, und holen das vergessene Pamphlet Wagners „das Judenthum in der Musik" aus der Bergeffenheit hervor, um jene allerdings sehr charakteristischen Briefe zu erklären. Es ist : nicht abzusehen, in welchem Zusammenhänge die Juden und jene Briefe stehen; aber es ist genug, daß die Authenticität dieser Briefe : nicht geleugnet werden kann, um genügend zu erklären, aus welchen - Motiven und Geisteseigenschaften auch jenes Pamphlet hervorgegangen. - } Ein neuer jüdischer Componist. 1 Vor Kurzem wurde in Hannover der ganze Goethe'sche Faust ' an vier aufeinanderfolgenden Abenden mit großem Erfolge zur I Vorstellung gebracht. Die Berichterstatter, z. B. Bodenstedt in - der „A. A. Z." schreiben einen nicht geringen Antheil an dem 1 glücklichen Succeß der Composition aller dazu gehörigen Musik- ' stücke von Lassen, dem großherzogl. waimar'schen Kapellmeister, * zu, und äußern sich darüber, daß einige Piecen geradezu von l überwältigender Wirkung seien. Herr Lasten ist der Sohn des i verst. Präsidenten des israel. Consistoriums Lasten zu Brüstel, r der sich um die Israeliten in Belgien so viele Verdienste erworben.