Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-07-10 · Heft 28 (10.7.1877) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 28 (10.7.1877)
Date
1877-07-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227123-3227152--35485-3305448
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Allgemeine Zeitung des Iudenthums Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. I Diese 3curats erscheint wöchentlich! einmal in 2 dis 2',. Bozen. Preis I Bierteljäbrig 3 -l>iart. ‘ Inserate werden mit 20 Pf. fair die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs - tixvcditionen 1 nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippen in Bonn. Verlag von Baumgärtuer's Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten wende man stch >in l>r. L. Philippsou in Bonn: dinftchUich der Jioeratc an 2l. Mofse in Leipzig und fceff n Filialen in Berlin. Breslaurc. Inserate, welche bis vaanerkaa cingchen finden in der darauffolgenden 'Jtitmmer Berückstchtigung. Beilagen werden niit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 41. Jahrgang. Leipzig, den 10. Juli 1877. J\? 28. Inhalt. Leitende Artikel: Die sociale Frage und das Judentbum. — Die Gebete der Falaschas. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Königsberg i. Pr.. Naugard. Seesen, Bonn. Stralmnd. — Frankreich: Bonn, Paris. — Rumänien: Wien. Bonn. — Egypten: Alexandrien. — Bonn: Notizen. Literarische Notizen. — Feuilleton: Verklungene Reime und Weisen. Bon vr. B. Placzek in Brünn. SLzkteilte (SCthlkeL Bonn, den 4. Juli. Die sociale Frage andas Äudenthum. Seitdem der Socialismus aus den Stuben der Theoretiker auf die Straße hinabgestiegen, um sich unter den sogenannten arbeitenden Claffen — sogenannt, denn alle Claffen der menschlichen Gesellschaft arbeiten — eine Partei zu bilden, welche zu revolutionärem Umsturz die Fäuste biete, haben sich die Ultramontanen und Pietisten bemüht, diese Partei an sich zu ziehen. In der Theorie suchen sie nachzuweisen, die Ultramontanen, daß die Kirche socialistischer Natur und allein im Stande sei, die sociale Frage zu lösen, die protestantischen Pietisten, daß das neue Testament die zu rechtfertigenden Forderungen der Socialisten bereits enthalte und man sich deshalb nur ganz und gar dem neuen Testamente anzuschließen habe, um die sociale Frage von selbst gelöst zu sehen. Praktisch versuchen es beide, durch „katholische und evangelische Gesellen- und Arbeitervereine" — selbstverständlich, confessionell getrennte — die Masse an sich zu ziehen, und außerdem geschieht es oft genug, daß sie sich bei Wahlkämpfen mit den Socialisten zu vereinigen streben,um den Beiden verhaßten Liberalen entgegenzutreten. Jener Uebergang aus der Theorie in die Praxis fand zuerst in Frankreich 1848 statt und in Deutschland durch Lasalle, und von kirchlicher Seite ging das besprochene Streben dort von Bischof Dnpanloup, hier von Bischof Kettler aus, und wenn wir nicht irren, fand es seitens der Protestanten zuerst durch den bekannten Wagener seinen Ausdruck, wie denn jüngst erst wieder ein Pastor Todt ein dickes Buch darüber veröffentlicht hat (f. Nr. 26, S. 412 d. Ztg.). Aber bereits viel früher, vor dem Auftreten des Socialismus und der sg. socialen Frage, also ganz objectiv aus der Erörterung seiner Prinzipien, Gesetze und Institutionen, hat das Judenthum seine Auffaffung der socialen Berhältniffe dargelegt. Denn schon 1822 und 1828 brachte in der ersten Bearbeitung des mosaischen Gesetzes im modernen Geiste I. Salvador die Standpunkte des Mosaismus für die politische und sociale Verfaffung in der menschlichen Gesellschaft zur Erörterung. Mehr aus der Mitte der geistigen Kämpfe und Bewegung, welche die socialistischen Theorien in den vierziger Jahren hervorgerufen, heraus und mit specieller Berücksichtigung derselben, versuchte Schreiber dieses die politischen und socialen Principien des Mosaismus und des Judenthums in seinen „Vorlesungen über die Entwickelung der religiösen Idee" und „über die Religion der Gesellschaft", die 1846 und 1847 gehalten wurden und in den folgenden Jahren erschienen, festzustellen. Auch diese blieben nicht ohne Anklang, da sie in Frankreich und England übersetzt wurden und ihrer noch jetzt in einschlägigen Publicationen gedacht wird. Es ist nicht unsre Absicht, hier zu untersuchen, in wie weit Kirche und neues Testament das Recht haben, sich dem Socialismus zu amalgamiren und die Lösung der socialen Frage sich zuzuschreiben. Die katholische Kirche mit ihrer scharfen Scheidung des Priester- und des Laienthums, der aufsteigenden Gliederung ihrer Hierarchie und der Anhäufung von Kirchenvermogen mochte dem 'Socialismus schwerlich genügen, wenn sie auch für^denselben

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.