Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1877)
- Date
- 1877-06-26
- Page
- Seite 418 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3227123-3227150--35464-3305425- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
418 insolventen MavneS zu befinden. Bei diesem Worte sprang F. von seinem Stuhle auf und schrie: WaS wagen Sie zu sagen? Ich! ein Insolventer! Cohn erwiederte: „Ja, ein Insolventer, renn wenn ein Geschäftsmann oder ein Arbeiter seine Schulden nicht bezahlen kann, so wird er für insolvent erklärt, wohlan. Sie sind von Gott mit einem großen Vermögen belastet mit der Verpflichtung anderen Menschen davon Genuß zukommen zu lafien, den Bedürftigen; Sie haben gleichsam eine Schuld Gott gegenüber auf sich genommen, Sie tilgen diese Schuld nicht. Sie sind demnach insolvent. Aber Gott wird Sie finden. Er wird Ihnen einen schrecklicheren Protest, als der der Gerichtsdiener ist, ausstellen, und es wird zu spät sein; sie werden Millionen zurücklafsen, die Ihnen zu nichts mehr dienen können und unser Richter wird Ihr Verhallen richten." Foulv bleich und entstellt, sagte zu Cohn mit bewegter Stimme: „Kommen Sie in vierzehn Tagen wieder zu mir." Cohn kam wieder und Fould übergab ihm 20,000 Frcs. für das Comite. Bei jedem Familien-, jedem Freudenfest oder jeder Trauerfeierlichkeit schrieb, vermittelte und wirkte Cohn für das „Recht" der Armen. Rumänisches. In einem Theile von Bukarest ist jetzt das Hauptquartier der Lieferanten für das russische Heer aufgeschlageu, die meist russische Juden sind. Es wimmelt da von solche» Lieferanten, oberen, mittleren und unteren Ranges. Die oberen Lieferanten genießen das Vertrauen deS russischen Obercommandos; die kleineren Lieferanten stehen wieder auf bestem Fuße mit allen russischen Soldaten, vor allen mit den Kosaken. Die Russen nehmen ihre Juden kräftig in Schutz. Aus diesem Verhältnisse, erzählt der „P. L.", einerseits und aus der notorischen Abneigung der Pharao-Söhne an den Ufern der Donau ergiebt sich manche amüsante Scene. Da zieht in einer kleinen Straße Einer aus der Schaar Cohan und Horavetz an seinem Karren. Ein Sprößling der Adoptiv - Söhne des alten Roms kann der Versuchung nicht widerstehen, an dem Barte deS Nachkommen Abrahams ein wenig zu zupfen. Der Sohn Judas' läßt seinen Karren stehen und verfolgt den edlen Dacier-Sprößling in die Schänke, in die dieser flüchtet und prügelt ihn dort nach allen Regeln weidlich durch. Die anwesenden Rumänen erholen sich bald von ihrem Enssetzen über die unerhörte Kühnheit des Makkabäers und fallen dann über ihn her. Im Augenblicke der höchsten Gefahr sieht der alte Jude vier Kosaken auf ihren kurzen Pferdchen und mit ihren kurzen Peitschen die Straße einherttollen. Er ruft sie zur Hülfe und augenblicklich steigen die Kosaken von ihren Pferden, binden sie an den Karren, eilen in die Schänke und hauen ihren Juden heraus. Nach wenigen Minuten sind sämmtliche Rumänen theilweise in die Flucht geschlagen, theilweise liegen sie kampfunfähig auf dem Kampfplatze; im Triumph zieht der Jude an der Spitze der Kosaken wieder zu seinem Karren und von der Sache wird weiter nicht gesprochen Man erzählt sich in Bukarest, die rumänische Behörde hätte vertraulich, aber sehr eindringlich dem russischen Obercommando über diese allen rumänischen Anschauungen widersprechende Protection der Semiten durch die soldatischen Freunde und Befreier Vorstellungen gemacht; die Russen aber hätten darauf kurz erwidert, wenn sie christliche Lieferanten hätten, so würden sie von ihnen gewiß über's Ohr gehauen werden und Nichts geliefert erhalten; die jüdischen Lieferanten schonten sie auch nicht, aber sie lieferten doch Etwas, denn sie hätten wenigstens Furcht. Den rumänischen Juden ist es in der That sehr ernst um ihren Pattiotismus. Viele ihrer Häuser haben sich in Werkstätten verwandelt, wo Charpie, Binden, und alles Nöthige für Verwundete bereitet werden. Comit6's jüdischer Damen sammeln derartige Gegenstände, um sie an die Staatsdepots abzuliefern. Andere Cvmite's von Juden sammeln Geld, um jüd. Freiwillige zu equipiren, wenn sie es bedürfen. Die spanische hiesige Gemeinde hat 10,000 Frcs. zu den Kriegskosten gespendet. Der Verein zu zinslosen Darlehen 1500 Frcs. und 500 Frcs. dem rothen Kreuz, und nach diesem Maßstabe alle Vereine. In den öffentlichen Spendenlisten nehmen die Juden nach Zahl und Größe der Spenden den größten Raum ein. Gleiches geschieht in Jassy. Dies verhindert die rumänischen Blätter nicht, den infamsten Lügen über die Juden ihre Spalten zu öffnen. Anzeige«. Lehrer - Bacanz. Wir suchen auf Michaelis oder früher einen seminaristischgebildeten Hauslehrer, der eventuell auch als Gemeindelehrer der Gemeinde Bolzum-Sehnde fungiren kann. Gehalt 6—900 Mark bei freier Station. Gehr. Scfiragenheim, (W. 2420.) Sehnde bei Hannover. Referenz: Herr Landrabbiner Dr. Guttmaim in Hildesheim. Wir suchen auf gleich oder 1. October d. I. einen Lehrer für unsere jüdisch-deutsche Elementarschule, der gleichzeitig daS Amt eines Vorbeters und Schächters mir übernehmen muß. Gehalt 1000—1100 Reichsmark und freie Wohnung. Unverheirathete Reflectanten wollen sich unter Einsendung ihrer Zeugnisse an den Unterzeichneten Vorstand baldigst melden. Hoya o. d. Weser. Der Vorhand.