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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-06-26 · Heft 26 (26.6.1877) · p. Seite 415

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 26 (26.6.1877)
Date
1877-06-26
Page
Seite 415 (sequence 11)
Language
German
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415 von der Tagesordnung abzusetzen; der andere Referent, Höpter- Mörs, (Ueber die Erziehung des Kindes im alten Judenthum, historisch nachgewiesen), scheint diese Form der höfl. Rücksichtsnahme einer Versammlung gegenüber nicht für nölhig erachtet zu haben. Bei dieser Gelegenheit halten wir die Bemerkung für geboten und berechtigt, daß die Zusage zur Lieferung eines Referates eine Ehrenpflicht ist und nur rann übernommen werden möge, wenn dabei der ernste Wille vorhanden, ein solches auch auszuarbeiten und s. Z. zu liefern. Nachdem vom Vorsitzenden, Blumenau-Bielefelv, mit einigen herzlichen Begrüßungsworten die Sitzung eröffnet worden, erstattete derselbe einen eingehenden Bericht über den Stand der Unterstützungscaffe und hob dabei sowohl die betrübenden als auch die erfreulichen Momente der letzten Zeit hervor. Im verflosienen Jahre hat sich auch nicht ein einziger Lehrer zum Beitritt gemeldet, gewiß eine auffallende Erscheinung. Die Folge dieser unverzeihlichen Gleichgültigkeit — ganz abgesehen von der Gemeinnützigkeit solcher Hülfscaffen — die Sorge für die eigene und die Zukunft der Angehörigen in solch' unverantwortlicher Weise hinlenanzusetzen, hat der verehrte Herr Redacteur d. Z. wiederholt und namentlich in Nr. 18 d. I. in ihrer nackten Wirklichkeit, aber leider nur zu wahr und zutreffend beleuchtet, und sei es uns gestattet, die erste Mahnung an dieser Stelle zu wiederholen: „In jüngster Zeit wurden uns wiederholt mehrere Fälle mitgetheilt, in welchen jüdische Lehrer in bester Manneskraft verstärken, und Wittwen und zahlreiche Waisen im Zustande äußerster Bedürftigkeit zurückließen, während die wenig bemittelten Gemeinden nur Geringes für sie thun konnten. Wir haben schon früher die Gemeinden darauf aufmerksam gemacht, welche dringende Pflicht es wäre, für solche Fälle dadurch zu sorgen, daß sie sich an solchen Versicherungen zu Gunsten ihrer Lehrer betheiligten, was ihnen zuletzt selbst zum Nutzen gereichen würde, va sie doch schließlich die Hinterbliebenen nicht ganz verhungern laffen können. Die Lehrer freilich sind nicht so gestellt, daß sie selbst mäßige Prämien für Lebensversicherungen zahlen können. Andrerseits trifft die Mehrheit der Lehrer, wie wir dies jährlich ein paar Mal aussprechen, der schwerwiegende Vorwurf, auch die vorhandenen, für sie mit geringen Opfern zugänglichen Mittel, für die Ihrigen zu sorgen, mit unbegreiflichem Leichtsinn vernachlässigen. Jeder Lehrer kann durch einen geringen Beitrag an der Achawa, dem Unterstützungsverein jüdischer Lehrer in Deutschland, sich betheiligen; jeder Lehrer in Westfalen und Rheinland an dem Unterstützungsverein. jüdischer Lehrer dieser beiden Provinzen. Wir bringen jährlich Berichte über die segensreiche Wirksamkeit dieser beiden Vereine, über die verhältnißmäßig bedeutenden Unterstützungen, die sie statutengemäß gewähren. Das Publicum hat angefangen, dies zu würdigen und diesen Vereinen Spenden und Legate zuzuwenden. Sieht man aber nun auf die Zahl der Lehrer, welche Mitglieder dieser Vereine sind, so erschrickt man fast über die Leichtfertigkeit, ja wir wagen es zu agen, über die Gewissenlosigkeit, mit welcher sich die Mehrheit der jüdischen Lehrer von diesen, obrigkeitlich bestätigten, bestorganisirten und in treuester Weise verwalteten Vereinen fernhält! Ist dann ein Unglück da, so sind die Folgen traurigster Art. Diese Vereine haben allein den Zweck der Unterstützung; sie sind also in keiner Weise Parteisache. Mögen diese Worte eine nachhaltige Wirkung haben, und Vorsteher und Lehrer veranlassen, diesen Vereinen beizutreten." Diesen eindringlichen, ebenso schönen wie beredten Worten etwas beizufügen, halten wir für überflüssig; nur für den ungläubig Kopfschüttelnden sei eine Thatsache erwähnt, die die Richtigkeit obiger Ausführung vollauf bestätigt. Der Vorstand der jüd. Gemeinde zu Linz a. Rhein richtet an den Vorstand unsrer Unterstützungscasse eie Anfrage, ob der verstorbene Lehrer Goldschmidt daselbst Mitglied der Caffe gewesen ist. Derselbe war noch im vergangenen Jahre dringend zum Beitritt aufgefordert worden; die Verhandlungen wurden aber nicht von Goldschmidt zum Abschluß geführt, durch welches Verschulden der Wittwe nebst den zahlreichen Kindern die namhafte, recht beträchtliche Beihülfe, die solche gegen die dringendste Noch sicher gestellt haben würde, entgeht. Dagegen wurde der Wittwe des vor Kurzem verstorbenen Lehrers Heymann zu Hörde auch noch für dieses Jahr die ganze Unterstützungquote für sich und ihre vielen Kinder vom Vorstande ausgezahlt und diesem seiten der Versammlung anerkennende Zustimmung erlheilt, obgleich nach den Statuten die Wittwe auf die volle jährliche Unterstützung für das laufende Jahr keinen Anspruch hatte. — Mögen diese Beispiele, deren schroffe Gegensätze für sich selbst sprechen, den zahlreichen Collegen beider Provinzen endlich die Augen öffnen und sie zum rechtzeitigen Beitritt anspornen. Oder ist etwa der Gedanke ein so tröstlicher, die hülflos Hinterlaffenen dem öffentlichen m:72m preisgegeben zu wissen? Was hier aber geboten wird, ist kein Almosen, sondern eine berechtigte Forderung. Wir hoffen dies umsomehr, da die Beiträge, welche unsere Caffe von den Mitgliedern verlangt, wahrlich geringfügig sind im Vergleich zu der Unterstützung, welche sie gewährt. Zu ven erfreulichen Mittheilungen übergehend, wollen wir auch einige Fakta anführen, um vielleicht zur Nachahmung zu veranlassen. Herr Elias Merzer zu Aachen, dieser edle Menschenfreund, der sich bisher stets als Gönner und Förderer unserer Caffe erwiesen, übermittelte dem Vorstände 210 M., damit den Hülfsbedürftigen auch für dieses Jahr die ungeschmälerte Ouote ausgezahlt werden könne, wofür ihm von der Versammlung wärmster Dank durch Erheben von ven Sitzen gezollt ward; ein anderer ungenannter Geber daselbst spendete zu demselben Zwecke 35 M. Der sel. H. Rosenberg in Rheda testirte zu Gunsten der Caffe 900 M. und falls einer der Erben vor ihm mit Tode abgehe, so solle dessen Antheil ebenfalls der Caffe zufallen. Da dies in der That eingetreten, so steht derselben noch ein Zuwachs von 20*

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