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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-06-26 · Heft 26 (26.6.1877) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 26 (26.6.1877)
Date
1877-06-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Dirse Zertuna erscheint wöchentlich einmal in 2 ois 2ty2 Bogen. Pr.ick Viertelmhria 3 -Natt. Inserate »verreii mit 2u Pf. kur die Peritzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und HeitnngS- Expeditione» nehmen Bestellung«'« an. Herausgegeben von Rabbiner Di:. Ludwig Philippson in Bonn. Verlag von Baumgiirtner's Buchhandlung in Leipzig. 2u redactioncllen Augelegenheiteik wende man sich -NI Ur. i. Jljilippfon in Bonn; hinsichtlich deck Bezugs nnd der Jnieratean iZanuiaürlnrr'r Suchd-lüLi-ng inLeiv;ig. Znseräle, welche Kö vonr.rr»- tag eingcbcu, jiute« iuderraranffolgenden Nummer Berücksichtigung. Beilagen v: erben mit 1 Marl 5 u P s. pro Hundert berechnet. 41. Jahrgang. Leipzig, den 2b. Juni 1877. JV? 26. Inhalt. Leitende Artikel: Die Aufgabe des Jndenthums in unsrer Zeit. — Rumänien. — Eine Rede eines protestantischen Pfarrers. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Saargemünd (Deutsch-Lothringen). — O eft erreich-Ungarn^ Aus dem südlichen Böhmen. — Fr ankreich: Paris. — I tal ien: Ferrara.— Großbritannien: London. — Türkei: Smyrna.— Feuilleton: Correspondenz: Muhlheim an der Ruhr: Die Lehrereouseren; in Castrop. — Vermischtes. «CdteitOe- (fCx-ti&ef. Bonn, den 20. Juni. Die Aufgabe des Äudenthums in unsrer Zeit. Sich von Zeit zu Zeit das Gesammtbewußtsein auszufrischen und zu befestigen, ist ein Bedürfniß. Mitten im Strome tiefeingreifender Ereignisse, im Gewühle der Interessen, die sich kreuzen und bekämpfen, und ergriffen von all' den zerstreuenden und zersetzenden Elementen der Zeit, verliert der Mensch gar zu leicht die Selbsterkenntnis und noch mehr die Anschauung der Zwecke und Ziele, welche die Gemeinschaft verfolgt, der er angehört. Das Judenthum hatte, wie jede andere Religion, stets seine Bekenner auf seinen Wegen und durch seine Mittel zu Gott und zu einem gottgefälligen Lebenswandel zu führen, oder, wie man jetzt zu sagen pflegt, ihr Seelenheil zu begründen unv zu erwirken. Aber es hatte auch eine Gesammtmission, und zwar, den Völkern der Erde die Lehre des Einzigen Gottes nach ihrem ganzen Inhalte, in allen ihren sittlichen und socialen Consequenzen zu verkünden und zu bezeugen. Dies ist unzweifelhafte Thatsache, die auch immermehr zur Anerkennung kommt, denn die Geschichte Israels wie die der Völker erweist sie so klar wie das Licht des Tages. Aber in den verschiedenen Epochen der menschlichen Entwickelung mußte sich diese Aufgabe und ihre Lösung verschiedenartig gestalten. Anders war sie beschaffen, als die Nation, in ein enges Binnenland eingeschloffen, sich der umwohnenden Völker- 'chaften und ihres wollüstigen und sittenlosen Heidenthums zu erwehren hatte, und ganz anders schon, wenn wir die kargen Berichte aus dem babylonischen Exil schärfer prüfen, wo am Hofe der Herrscher selbst mit wechselndem Einfluß eine jüd. Partei erstanden war, oder in Alexandrien von der griechischen Übersetzung der h. Schrift an bis zu den letzten der sg. sibyllischen Orakel; noch anders, als durch das Christenthum und den Islam die jüdischen Jveen durch Abend- und Morgenland verbreitet unv herrschend, zugleich jedoch in sehr bedeutenden Grundmomenten verändert und mit den Elementen früherer Anschauungsweisen vermischt wurden. Jetzt nun, wo in der civilisirten Welt die Stellung der Juden eine durchaus veränderte geworden, ihr Geistesleben eine völlig andere Richtung und Thätigkeit angenommen, das Judenthum selbst hierdurch eine Umgestaltung an sich vollzieht, zugleich aber mit erneuter Energie in der geistigen Welt der Menschheit auftritt und eine entschiedene Stellung mitten in den abweichenden und entgegengesetzten Ansichten unv Theorien einnimmt — jetzt drängt sich uns die Frage auf: welche ist die Aufgabe des Judenthums in unsrer Zeit auf so völlig verändertem Schauplatz? Die Antwort ist nicht schwer zu finden, sobald man seine Blicke auf die Thatsachen richtet, die ringsum auftreten. Das geklärte Judenthum, das sich von dem abgeschlossenen mittelalterlichen Standpunkte loslöst und mit der fortgeschrittenen Geistescultur erfüllt hat, hat gegen den Aberglauben und ven Unglauben in gleicher Weise Front zu machen. Daß diese beiden in der Gegenwart sich in der Herrschaft der ^ivilisirten Welt fast theilen, ist eine betrübende aber unleugbare

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