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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-06-05 · Heft 23 (5.6.1877) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 23 (5.6.1877)
Date
1877-06-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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emeinc Zeitung -es Iu-enthums. Em unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bis Bogen. Preis Vierteljährig » Diark. Inserate werde» mit 20 Pf. für die Pcritzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter unv Zeitungs-Expeditionen nehme» Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Wlippson in Bonn. Verlag von Baumgürtuer's Buchhandlung ür Leipzig. S» rrdactionelle» Angelegenheiten wende man sich an Dr. £. Philipps«» in Bonn; hinsichtlich de» Bezug« und der Inserate an Saiungirtner'» Lnchdandlaug inLeipzig. Inserate, welche bis voaaeritag eingebe», finden inder darauffolgende» Nummer Berücksichtigung. Beilagen werden mit 1 Mark 50 P f. pro Hundert b erechnet. 41. Jahrgang. Leipzig, den 5. Juni 1877. JV? ZA. Inhalt. Leitende Artikel: Die Gladstoneaner und die englischen Juden. — Das englische Blaubuch über die Inden in Rumänien und Serbien. — Zerrungsnachrichten: Deutschland: Leipzig. Dresden, Berlin, Kasiel. — Oesterreich-Ungarn: Bon der Donau, Pest. — Schwerz: Aarau. — Türkei: Konstantinopcl. — Rußland: Aus Russisch-Asien. — Amerika: Washington. — Bonn: Literarische Notizen. — Feuilleton: Zur Geschichte der Juden in Rumänien. — Ein nicht gehaltener Toast. — Die Geschicke der Juden in der Stadt Metz. (Fortsetzung.) — Vermischtes. jCei/teuSe ÖCxhilefL Bonn, den 30. Mai. Die Gla-stoneaner und die englischen Inden. Seitdem der große Oliver Cromwell den Juden den Wiedereintritt in England gestaltete, und diese bald wieder ein jüdisches Bethaus in London errichteten und eine Gemeinde mit strengen Satzungen constituirten, kann man nicht sagen, daß der Judenhaß auf der britischen Insel grassirte. Die ernste Kirchlichkeit der Engländer verhinderte lange Zeit, länger sogar als in Mitteleuropa, die Juden in städtische und Staatsämter, sowie in's Parlament einzutreten. Aber da sie das gleiche Schicksal mit den Katholiken theilten, durften sie sich kaum hierüber beklagen. Auch nach der Emancipation der Katholiken verzögerte die alte Eidesformel auf den christlichen Glauben die völlige Gleichstellung der Juden — bis auch diese Frage der Zeit gelöst ward. Im Gegentheil fand sogar die strenge britische Gläubigkeit Momente der Hochachtung sowohl in dem geheiligten Ursprung des jüdischen Stammes, als auch in deffen Ueberzeugungsireue. So sehr man den Bekehrungseifer unterstützte, und die Gesellschaften zur Verbreitung des Christenthums unter den Juden von England ausgingen und zumeist noch heute von englischem Geld bestehen: so war man doch weit davon entfernt, die Juden gehässig zu behandeln. Nicht wenig trug hierzu die großartige Anschauung bei, welche die Engländer vom Werthe des Handels und der Industrie haben. Die Gewerbe- und Handelsfreiheit bildete die Unterlage für die Größe des englischen Welthandels; der gemeine Krämergeist, die Quelle des Neides und der Mißgunst an so vielen Plätzen des Continents, fand auf der britischen Insel keine Stätte, wo die unbedingte Concurrenz als das unumgängliche Erforderniß für große und kleine Industrie erkannt war. Den Juden ein Verbrechen aus dem Handel zu machen, auf welchen man sie Jahrhunderte lang beschränkt hatte, sie, wenn sie einigen Erfolg hatten, deshalb zu befeinden und als Schädiger des volkswirthschaftlichen Wohles anzuschwarzen, ihrer gewerblichen Thätigkeit Beschränkungen aufzuerlegen, fiel einem Engländer nicht ein, und konnte ihm seinem Geiste nach nicht einfallen. Erhob sich daher auch hier und da eine fanatische Stimme gegen die Juden, so fand sie doch keinen Anklang, und war schnell verhallt. Uebrigens war es auch ein tüchtiger, wenn auch nicht durch Intelligenz besonders hervorragender Schlag von Juden, der sich in Albion ansässig gemacht. Bei strenger Orthodoxie eignete er sich sehr bald englisches Wesen und englischen Charakter an, und war frühzeitig vom Gemeingeist für das öffentliche Leben und englische Institutionen beseelt. In den letzten Jahrzehnten kamen allerdings aus dem östlichen Europa viele Juden hin, welche auf einer niedrigern Culturstufe stehen, und nicht Alle unter ihnen erlangen die Mittel, eine genügende Bildung sich zu erwerben. Der Engländer selbst unterscheidet aber leicht zwischen dem eigentlichen englischen Juden und diesen Ankömmlingen, die erst noch der einen und der anderen Generation bedürfen, um britisch zu werden. Desto mehr werden wir jetzt von einer entgegengesetzten

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