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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-05-22 · Heft 21 (22.5.1877) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 21 (22.5.1877)
Date
1877-05-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Judenlhums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipp son in Bonn. Verlag von Bamngärtner'v Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit 1 Mark 50 P f. pro Hundert b erechnet. In rrdactioaellc» Angelegenheiten wende man sich an Dr. t. Nhiiipxson in Bon»; dinsichüich deS Bezugs und der Juierate an LaaingLrtner'i Luchtiandleug inLeipzig. Inserate, welche dis Donnerstag einzehen, finden in der darauffolgenden Nummer Berücksichtigung. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 biS 21/. Bogen. Preis Bierteljähria 3 Mark.' Inserate werde» mit 2» Pf. kür die Pclitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs - Expeditione» nehmen Bestellungen an. 41. Jahrgang. Leipzig, den 22. Mai 1877. J\? 21. Inhalt. Leitende Artikel: Die Seele nach der Bibel. II. — Literarischer Wochenbericht: Vom Rhein. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Frankfurt am Main, Düsseldorf, StraßLurz, Cöln, Aus OLerschlesicn, Fürth. — Italien: Rom. — Schwebcn: Stockholm. — Großbritannien: London. — Rumänien: Aus Ungarn. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: David Haes. — Consessioneller Kindergarten. Siedende, (9Cxti&ef. Bonn, den 16. Mai. Die Seele nach der Sibel. II. Wir ersahen, daß aus dem ursprünglichen Sprachbegriff heraus, der Odem als das belebende Agens in allen Thieren angesehen wurde, wodurch das Thier zum irrt tS35 „belebten Wesen" wird. Darum heißt es 1 Mos. 7, 22: ncs 2= 1382 ö"rt nn riTa-o: „Alles was einen Hauch des Lebensodems in seiner Nase", wo n»w: und rrn zugleich gebraucht sind. In gleicher Weise wird nun der Mensch zum rrn es: dadurch, daß Gott ihm 2'-n nma: „in seine Nase geblasen" (1 Mos. 2, 7). Aber dies geschah bei dem Menschen von Gott selbst, und es wird bei ihm die Bildung aus irdischen Theilen unterschieden von diesem Einhauchen des „Lebensodems" durch Gott. Dieser Lebensodem im Menschen wird jedoch dadurch von vornherein zu einer, von allen Thieren unterschiedenen Existenz, zur menschlichen Seele erhoben, daß sie „im Ebenbilde und nach der Aehnlichkeit Gottes" geschaffen ist» eine Aehnlichkeit, welche 3, 22 besonders in der Erkenntniß des „Guten und Bösen" gefunden wird. Wegen dieser Gottebenbildlichkeit wird 9, 6 die Tödtung eines Menschen der Bestrafung unterzogen, wahrend dies bei Tövtung der Thiere nicht der Fall ist. Hieraus erklärt sich auch, daß 5 Mos. 21, 23 „ein Gehenkter eine Verletzung Gottes" genannt wird. Aus dieser Gottähnlichkeit geht äußerlich die Herrschaft des Menschen über alle Geschöpfe der Erde und diese selbst hervor, die eben nicht in seiner körperlichen Starke, sondern in seiner geistigen Ueberlegenheit beruht (vgl. Pf. 8). Es ergiebt sich hieraus, daß die menschliche Seele nicht als ein Theil des göttlichen Geistes selbst, sondern als eine besondere Schöpfung Gottes in dessen Ebenbildlichkeit angesehen wird, und zwar als ein selbstständiges Wesen, den irdischen Bestandtheilen des Menschen, sowie den Thieren gegenüber, gleich denen er eine Rrn w32, ein belebtes Wesen ist. Wir werden sehen, daß diese Ansicht durch alle Bücher der h. Schrift geht, sowie wir sie einfach in dem Schlußsätze bei Koheleth finden. — Was nun von dieser menschlichen Seele alsbald ausgesagt wird, ist zunächst: Die Freiheit des Willens. Schon 2, 16 ergeht ein Gebot Gottes an den Menschen, daß ihm eine Beschränkung seines Willens als Pflicht auferlegt und bei Verletzung derselben eine Sttafe als Folge androht. Jedes bestimmte Ge- oder Verbot setzt die Freiheit voraus, es zu erfüllen oder nicht, und jede Sttafandrohung setzt die Verantwortlichkeit voraus; diese aber bedingt wiederum die Freiheit. Der weitere Verlauf der Erzählung vom Paradiese bestätigt dies. Das Weib überredet den Mann, beide übettreten aus der in ihnen erwachten Begierde und sich mit Scheingründen täuschend (dessen ist die Schlange das allegorische Bild) das Gebot, beide werden zur Rechenschaft gezogen, vertheidigen sich unzulänglich und erhalten ihre Sttafe. Es kann der Begriff der Willensfreiheit der menschlichen Seele, der Kampf der sinnlichen Begierde mit dem Verstände und dem Pflichtgefühl, der Sieg der ersteren über die

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