Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1877)
- Date
- 1877-05-15
- Page
- Seite 321 (sequence 13)
- Language
- German
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321 „Bei dem hauptsächlich durch den Lebkuchenbäcker Bincenz Fetlmilch als Hauptradelsführer, im August 1614, zu Frankfurt am Main gestifteten Aufruhr wurden besonders die Juden auf empörende Weise mißhandelt und aus der Stadt vertrieben, bald darauf aber, nach Niederwerfung des Aufruhrs, Achtung und Hinrichtung des Rädelsführers und seiner Genoffen in feierlichem Aufzuge in die Stadt und in die Jubengaffe zurückgeführt. Bei dieser Gelegenheit dichtete Elkanan Bar Abraham Helen, mit dem Familiennamen Wertheimer, das bereits erwähnte „Binzlied" oder Vinzhanslied" welches zuerst 1648 zu Amsterdam und später 1696 zu Frankfurt am Main (bei Joseph Trier l) gedruckt wurde. Die Melodie der „Schlacht von Pavia" muß schon 1614 durchaus populär gewesen sein, denn sie machte sich sogar auch bei dem feierlichen Wiebereinzuge der Juden, unter dem Geleite von Soldaten mit fliegenden Fahnen und Trommeln und Pfeifen, bemerkbar. So nahm bei diesem Einzuge der Vorfahr der noch heute in Frankfurt angesessenen Familie Adler in seiner übersprudelnden Freude einem Trommelschläger Trommel und Schlägel weg und accompagnirte eigenhändig auf der Trommel die Melodie der „Schlacht bei Pavia" beim Einzuge in die Judengaffe. Mit der merkwürdigen Treue, mit welcher das Judenthum seine Traditionen aufrecht erhält, ist auch die Melodie der „Schlacht 1) Herr EliaS Ullmann ist ein Abkömmling dieses Jos. Trier, welcher der Großvater seines Urgroßvaters war und am 1. Mai 1719 in hohem Alter verstarb. Redaction. bei Pavia" vom Judenthum in Frankfurt aufrecht erhalten worden. Nach der Rückkehr in die alte Frankfurter Heimath, wurde von der dankbaren Gemeinde zur Erinnerung an die schwere Zeit der harten Bedrängniß ein Fasttag angeordnet, welchem sich unmittelbar ein Fest- und Freudentag — Binz-Purim — anschloß. An diesem zweiten Festtage wurde der erste Abschnitt des Morgengebetes nach der Melodie der „Schlacht bei Pavia" gesungen, und dies ist noch bis vor wenigen Jahren geschehen. Wie die Melodien fast aller jüdischen Gottesbienstgesänge erhielt sich auch diese Melodie, durch Tradition ohne Aufzeichnung nach Noten. Vor mehreren Jahren veranlaßte Herr Elias Ullmann nach dem Vortrage eines alten Synagogenvorsängers eine Aufzeichnung der Melodie, welche hier Platz finden mag: Nachträglich noch die Bemerkung, daß beide Feiertage auch jetzt noch im Frankfurter jüdischen Kalender aufgeführt werden und auf Okuli und den folgenden Tag fallen. Nach dem diesjährigen Kalender (A. M. 5637, d. h. 19. September 1876— 7. September 1877) fiel der Fasttag „Binz" auf den 7. März, der Fasttag „Vinz" oder „Purim-Vinz" auf den 5. März 1877. Anzeigen. Cantorstelle. Bei der hiesigen Israelit. Gemeinde ist die Stelle eines Cantors und Schächters bis zum i. Juli d. I. zu besetzen. Fixer Gehalt 1200 Mark und der Schächterdienst trägt circa 800—900 Mark ein. Musikalisch gebildete Bewerber, nicht über 35 Jahre alt, welche die Fähigkeit besitzen, Religionsunterricht zu erlheilen, mit Chor vorzubeten, sowie die Synagogengesänge einzuüben, werden bevorzugt. Reisekosten werden nur Demjenigen vergütet, welchem die Stelle übertragen wird. Emmendingen (Baden), im April 1877. Cantor n. Religionslehrer. Mit dem 1. Juli a. cri. wird bei unserer Gemeinde die Stelle eines ersten Cantors u. Religionslehrers vacant. Musikalisch befähigte und zur Ertheilung des Religionsunterrichtes berechtigte Bewerber, wollen unter Einsendung ihrer Zeugnisse sich baldigst melden. (K- 4158.) Düsseldorf, den 15. April 1877 Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. Jebenhausen (Württemberg), 3. Mai 1877. Die hiesige israelitische Gemeinde sucht einen ledigen Religiorrölehrer, Vorsänger und Schochet, welcher alsbald einzutrelen hätte, gegen einen Jahresgehalt von 650 Mark, freier Wohnung und Ueberlassung der Schächtgebühren. Da rer betteffenbe Lehrer täglich nur einige Stunden Religionsunterricht zu errheilen hat, so kann er den größeren Theil der Arbeitszeit nutzbringend für -sich verwenden. Ausländische Bewerber haben sich über ihren Bildungsgang und ihre Qualification zum Religionslehrer und Vorsänger auszuweisen. Reiseentschadigung wird; nicht gewährt. Portofreie Meldungen mit Zeugnissen belegt, sind in Bälde zu richten an das Königliche Rabbinat Göppingen. i Ein vielfach approbirter Cantor, Schächter und Religionslehrer, wünscht bei höchst bescheidenen Ansprüchen in einer friedliebenden Gemeinde zum sofortigen Antritt dauernde Anstellung. Offerten unter 8. B. 109. besorgt die Exped. d. Ztg. ‘ Lehrlings - Gesuch. Für mein Manufactur- Geschäft wünsche einen mit guten Schulkenntnisien versehenen jungen Mann in die Lehre. Eintritt Juli oder August e. Sonn- und Festtage geschloffen. St. Lemförde (Westphalen). PH. Coblenzer.