Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-05-15 · Heft 20 (15.5.1877) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 20 (15.5.1877)
Date
1877-05-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3227123-3227144--35349-3305304
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Allgemeine Zeitung -es Judenthums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Verlag von Baumgartner'» Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit t Mark äü Pf. pro Hundert berechnet. 3n cebactioneSen Angelegenheiten wenre man sich an Dr. t. PHUippron in Sonn; binsichrlich deS Bezugs und der JmeraleanLanmgLrrukr'sLuchliauLlLUg inLeipzig. Inserate, welch« dis vonuer»- tag eingeben, finden inderrarauffolgen. den Nummer Berückfichrigung. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bi» 2>/. Bogen. Preis Vierteljährig 3 Diark. Jnfcrale werden mit 2U Pf. für die Pctirzeile oder deren Raum berechnet. Alle Bnchbandlwi^en, Postämter und ZeilnngS » Expeditionen nehmen Bestellungen an. 41. Jahrgang. Leipzig, den 15. Mai 1877. JW 20. Inhalt, beitende SCttifel: Die Seele nach der Bibel. I. — Rumänien. — An die Freunde und Verehrer Johann Jacoby's. — Wochenbericht: Pest. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Breslau, Bonn, Frankfurt am Main, St. Wendel, Karlsruhe (Baden).— O esterreich-Ungarn: Brünn. — Frankreich: Paris. — Marokko: Paris. — Türkei: Konstantinopel. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Der Dialog bei Hiob. — Vermischtes. «CeIbeiide (SLxh&e,f. Bonn, den 9. Mai. Die Seele nach der Sibel. I. Durch die vermeintlichen Fortschritte der Naturwissenschaften auf einem Gebiete, das ihnen nicht gehört und auf dem sie niemals ein entscheidendes Wort werden sprechen können, und durch die Zerfahrenheit in der Philosophie sind in der Gegenwart die Begriffe und Ansichten ganz und gar verworren geworden, nicht allein innerhalb des sg. gebildeten Publikums, sondern in den wiffenschaftlichen Kreisen selbst. Denn wahrend man auf dem Boden der Philosophie einerseits noch stark dem Materialismus, der den Stoff und die diesem inhärirende Kraft als das allein Vorhandene erklärt, und dem Positivismus huldigt, der die Wahrnehmung allein gelten läßt, und selbst der nächsten Schlußfolgerung aus dieser eine Wahrheit nicht zuerkennen will, während andererseits der Monismus Geist und Stoff als identisch darzustellen sucht, und freilich in sich noch den Zwiespalt nicht überwinden kann, ob er den Geist als Product des Stoffes oder den Stoff als Emanation des Geistes betrachten solle, greift man immer mehr und zwar in den echt wiffenschaftlichen Kreisen auf Kant zurück, steht unter der Fahne von Herbarl, oder richtet, wie der jüngere Fichte, die Standarte des Theismus mit großer Krastanstrengung wieder auf. Wie gesagt, ist es bei dieser großen Beweglichkeit nicht zu verwundern, daß die Verwirrung der Begriffe und Ansichten ganz allgemein geworden, noch dazu da die Verbindung zwischen Wiffenschaft und allgemeinem Publikum in unsrer Zeit eine sehr empfindliche ist, so daß jede Zuckung in jener sich weithin durch die Glieder des letzteren verbreitet. Hierdurch ist es dahin gekommen, daß viele, sonst denkende, aber in ihrem Specialfache beschäftigte Männer sich mit jenen höchsten Fragen des Menschen gar nicht mehr befassen «ollen, da ihnen von allen Seiten die entgegengesetztesten Antworten zugeschrieen werden und zwar mit einer Heftigkeit und Anmaßung, die sich als die einzige und sicherste Lösung des Problems auszugeben nicht scheut und dem Gegner Hohn und Verachtung zusprudelt. Da ist denn das sicherste Hülfsmittel, zu dem Ausgangspunkte der ganzen Entwickelung noch einmal zurückzugehen und sich auf den Boden zu stellen, aus welchem die Weltanschauung herausgewachsen, die während des Mittelalters und der neueren Zeit die allgemein herrschende war und im Grunde noch ist. Diese ist aber keine andere als die biblische. Denn wenn auch neben ihr die aristotelische eine große Rolle spielte, so blieb diese roch bei ihrer Verwechselung des Seelischen und des Organischen M 1) Bekanntlich theilt Aristoteles die Vermögen der Seele in fünf: 1) die ernährende Kraft xQtnxixov, 2) die Sinneskraft alod-rtxiy.6v, 3) das Begehrungsvermögen ootxxixov, 4) vie örtlich bewegende xtvrtxixbv xaxu xonov und 5) die Verstandeskraft öiavortxty.6v. Vgl. de anim. II, 3, 1. Eine Vermischung der organischen und der Seelenkräfte ist hierin offenbar. Maimonides folgte ihm hierin, nur daß er statt der örtlichen Bewegungskraft die Einbildungskraft fetzte, welche Aristoteles zum Sinnesvermögen rechnet, wogegen Maimonides die Bewegung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.