Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1877)
- Date
- 1877-05-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung des Audenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsoll in Bonn. Verlag von Baumgartners Buchhaudluug in Leipzig. Beilage« werden mik 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 2» revaclioneUen AugelegerHeilen wende man sich an Dr. £. Philipp lsn in Bonn; biusichNich deS Bezug« und der Inserate an Sa-mo-rlurr', L-chdandlno, inLcitzzig. Znseraie, welch« Li« v»«»er»- l«y eingebe», finde» inderrarausfolgen. de» Nummer Berücksichtigung. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 diS 2>/. Bogen. Preis Vierteljährig 3 Mark. ~ Inserate werden mit 20 Pf. kür die Petirzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitung« - Expeditione» nehme» Bestellungen an. 41. Jahrgang. Leipzigs den 8. Mai 1877. JV 19. Inhalt. Leitende Artikel: Zur Spinozafeicr. (Eine Antwort». — Literarischer Wochenbericht: Bonn. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Leipzig, Frankfurt am Main, Laucnburg jPommcrn), Herlbrorrn, Aus der Provinz Posen.—Oesterreich- Ungarn: Pest. — Rumänien: Bon der Donau, Bukarest. — Bonn: Notizen» Literarische Notizen. — Feuilleton: Die Juden in der Türkei. — Vermischtes. «üelten^e- (OLthJkeX. Bonn, den 2. Mai. Zur Spinozafeier. Eine Antwort. Sie richteten, werther Freund, an mich die Frage: warum die „Allgem. Zeitung des Judenthums" des zweihunderljährigen Todestages Baruch Spinoza's am 21. Febr. dieses Jahres gar keine Erwähnung gethan? Sie glauben, daß dieselbe Frage wohl auch anderen Lesern um so eher auf den Lippen geschwebt, als eine große Anzahl Tagesblätter zum gedachten Tage feiernde Artikel geliefert haben. Sie setzen mit Recht voraus, daß keine Gleichgültigkeit gegen diesen merkwürdigen Sohn unsres Stammes die Triebfeder diese- Stillschweigens gewesen, und noch weniger der fernste Anflug jener Feindseligkeit, welche einst den Jüngling Spinoza aus der Gemeinschaft der Synagoge hinausgestoßen, da er in der eigenthümlichen Entwickelung seines Geistes mit den damals das Judenthum gänzlich beherrschenden Ansichten nicht mehr übereinstimmte und in der Festigkeit seines Charakters und in der echt jüd. Treue für seine Ueberzeugung den Riß zwischen sich und seinen Lehrern nicht heuchlerisch verkleidete, sondern offen bezeugte. Ich fühle mich daher verpflichtet, Ihre Frage zu beantworten, und thue dies mit um so größerer Bereitwilligkeit, als der Zeitpunkt jetzt gekommen, den ich mir für die Besprechung dieses bedeutsamen und schwierigen Gegenstandes im Voraus ungefähr bestimmt hatte. Es war im Jahre 1832, als mir bei meinen Studien aufgestoßen war, daß am 24. Nov. jenes Jahres der zweihundertjährige Geburtstag Spinoza's eintreten werde. Niemand gedachte damals besten, und so fühlte ich mich bewogen, trotz meiner Jugend, die allgemeine Welt darauf aufmerksam z« machen. Ich veröffentlichte die kleine Schrift: „Benedictus Spinoza als Mensch in feinem Leben und Charakter dargestellt, als Rechtfertigung des Verkannten, als Aufforderung zur Feier des 24. Novembers 1532, seines zweihundertsten Geburtstages für gebildete Leser jeden Standes." Das Schriftchen brachte außer einer Einleitung eine Lebensbeschreibung Spinoza's, eine „Würdigung seines Charakters" , um seine Lebensschicksale aus seiner inneren Geistesentfaltung zu erklären, und eine Auswahl seiner Briefe, wie diese mir den Charakter des Mannes besonders zu zeichnen schienen. Ich habe diese Schrift später, etwas überarbeitet im zweiten Bande des „Jahrbuches für die Geschichte der Juden und des Judenthums" (Leipzig, 1861) S. 189 :c. noch einmal abdrucken lassen. Im Jahre 1832 hatte dieses Schriftchen nicht einmal den Erfolg, daß die Welt auf die Bedeutung dieses Tages sich aufmerksam machen ließ. Niemand gedachte des Tages; Niemand hob die Bedeutung desselben hervor; nirgends vereinigte man sich, auch nur ein Wort des Gedenkens auszusprechen. Immerhin mag man zur Erklärung auf die starke politische Aufregung jener Zeit nach der französischen Julirevolution Hinweisen, auch wohl auf die, gegenwärtig kaum verständliche allgemeine Spannung, in welche die Choleraepidemie alle Welt versetzt hatte. Schließlich wird man sich zugestehen müssen, daß die Anerkennung Spinoza's damals noch weit zurück war, und fein Name