Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1877)
- Date
- 1877-04-17
- Page
- Seite 257 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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257 Messias, der von Gott selbst gesegnet und angestellt ist mit Fasten und Gebete und höhere Heiligkeit um höhere Weisheit zu erstehen und ein Segen der Menschheit zu werden, so kann ich nicht einwilligen 24 Stunden arretirt zu sein und Satans Agenten die Gelegenheit zu geben mich meines bischens Eigenthums und Lebens zu berauben, denn das ist alles worauf sie zielen. Und kann auch ich nicht einwilligen, das Geld, das ich mit rem Schweiße meines Angesichtes erworben habe zu benützen, um damit Kosten falscher Anklagen zu bezahlen; Anklagen die vom Satan selbst emanieren. Hochachtungsvoll ergebenst Jacob Zalinger, Gottes-Messias." Heute fand vor dem Appellsenate unter Vorsitz des Landesgerichtsrathes Graf die Appellverhandlung statt. Präs.: Woher sind Sie? — Angekl.: Die ganze Welt ist meine Heimath; ich bin Abgesandter Gottes, ein Prophet, der Messias feines Volkes Israel. Präs.: Seit wie lange halten Sie sich in Wienaus? — Angekl.: Drei Jahre; so wolle es Gott, trotz Verfolgung durch die englische Dame. Präs.: Was ist das für eine englische Dame? — Angekl.: Das ist die Schechina. Sie werden nicht wissen, was die Schechina ist? Die Schechina ist der Geist Gottes, sein besseres, zweites Ich. In Jeremias finden Sie die Andeutung, baß Gott in seiner Allmacht repräsentirt den Mann, sein Volk das Weib. Die Schechina ist die Mittelsperson, die Gott schickt zu seine Auserwählten; so hat er sie geschickt zu Moses, zu die Propheten und jetzt zu mir, ich soll erlösen sein Volk, was Jahrtausende hat geschmachtet und doch ist treu geblieben Gott dem Vater. Ich habe mich vermählt mit der Schechina, ich bin, wiewohl vor den Menschen ledig, doch vor Gott verheirathet mit der Schechina. Ich kann Ihnen von der Schechina Wunder erzählen. Präs, (einfallend): Wir haben inreß genug. — Angekl.: Nie hat der Mensch genug von der Offenbarung. Präs, (einfallend): Wir bleiben jetzt bei der Sache. — Angekl.: Hier befehlen Sie, bei Gott red' ich. Präs.: Warum haben Sie den Wachmann beschimpft? — Angekl.: Ich Hab ihm nichts gethan, er ist als ein Abgesandter des Satans gekommen, ich muß den Satan austreiben. Der Gerichtshof erkennt nach kurzer Berathung, der Angeklagte wird nach § 259, Zahl 3 St. P. O., freigesprochen, weil er in seinen Träumereien von der Anschauung befangen war, Abgesandte des Satans zu sehen. Präs.: Sie sind freigesprochen, aber seien Sie in Hinkunft vorsichtiger. — Angekl.: Gottes Segen wird träufeln auf Ihr Haupt; wer mich beschützt, den beschützt und segnet Gott; wer mich verfolgt, ladet den Zorn Gottes und seiner Propheten auf sich. Vermischtes. Das brasilianische Kaiserpaar in Wien. Gestern um 2 Uhr erschien der Kaiser von Brasilien unangemeldet im israelitischen Blinreninstitute auf der Hohen Warte und wurde von dem Director S. Heller empfangen. Der Kaiser fragte sogleich, wo die Zöglinge jetzt beschäftigt seien, und verfügte sich, von dem Director geleitet, in die Werkstätle, wo der Kaiser mit großem Interesse den verschiedenen Arbeiten folgte und sich lebhaft um die gewerbliche und literarische Ausbildung der Zöglinge erkundigte. Hierauf versammelten sich die Zöglinge im Musiksaale und producirten mehrere Musik- und Gesangsstücke, welchen der Kaiser mit sichtbarer Bewegung folgte und wiederholt seinen Beifall zu erkennen gab. Im Prüfungsfaale hatten die Zöglinge Gelegenheit, ihre Kenntnisse in den verschiedenen Unterrichtsgegenständen zu zeigen. Besonderes Interesse bezeigte der Kaiser für die Art, wie die Blinden die verschiedenen Thiere unterscheiden, und für Vas Hebräisch-Lesen, in welchem Gegenstände der Kaiser einen Zögling selbst prüfte und ihm lächelnd einen Fehler corrigirte. Auch die Modellir-Arbeiten besichtigte der Kaiser mit Befriedigung. Im Betsaal stand er einen Augenblick vor der Bundeslade still, und als der Director dieselbe öffnete, sprach der Kaiser mit Bewegung: „Die Thora'. Die Thora'." Die zweckmäßigen Einrichtungen der Schlafsäle, namentlich des Vollbades und des Turnsaales, bemerkte der Kaiser mit vielem Beifall. Mit dem Ausdrucke der Befriedigung zeichnete der Kaiser, ein großer Freund der Blindenbilvung, der selbst zu Rio de Janeiro ein großes Institut errichtet hat, seinen Namen in das Fremdenbuch und verließ nach einem vollstündigen Aufenthalte mit Zeichen besonderer Freundlichkeit das Institut. Anzeigen. Das Jüdische Kurhospital in Colbergermünde, welches armen kranken Juden aus Deutschland UNentgeltlich Wohnung. Pflege, Bäder (See und Soole-) und Arzneien gewährt, wird am 15. Juni er. eröffnet. — Aufnahmegesuche mü,zen in Gemäßheit des § 10 des Stat. bls zum Io. Mai ... er. eingereicht werden und sind ärztliche Atteste beizufügen. 3244.) Der Vorstand.