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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-04-17 · Heft 16 (17.4.1877) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 16 (17.4.1877)
Date
1877-04-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dt. Ludwig Philippsou in Bonn. Berlag von Baumgärtuer's Buchhaudlung in Leipzig. Beilage» werden mit l Mart äO Ps. pro Hundert berechnet. Irr redactionellen Angelegenheiten wenve mansch .IN Dr. £. JJljilipyfon in Bonn; diniichtlich dcS Bezugs und der Jmerare au üauingürlarr'« Snchliaiidlang inLeidzig. Inlerätk, welche bis Oonner»- tag eingebe». finden i»derrarausfolga»> de» Äkummer Berücksichtigung. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bis z*/. Bogen. Pr-.iS Bierteliährig 3 Dkcrrk." Inserate werden mit 20 Pf. für die Pctitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen» Poftäuller und ZeitungS » Expeditionen nehmen Bestellungen an. 41. Jahrgang. Leipzig, den 17. April 1877. JSt 16. Inhalt. Leitende Artikel: Eure englische Stimme. — Literarischer Wochenbericht: Brünn. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn» Berlrn» Breslau. Schmiegel «Herzogtum Po-'cn>. — Oesterreich-Ungarn: Pest. Aus Ungarn. Aus Böhmen. Kolm. — Türkei: Konstantmopel. — Rußland: Moskau. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: 8ur Geschichte der'Juden in Polen. - Aus dem Volksleben nnt seinen Licht- und Schattenseiten. III. — Vermischtes. jCelfcew)e <3Cxhkel. Bonn, den 11. April. Eine englische Stimme. Das vielgelesene „Gentlemans Magazine“ enthielt vor Kurzem unter der Ueberschrift „Das moderne Iudenthum, von einem Juden" einen Artikel, der Beachtung genug gefunden hat, um in der „Revue Britannique“ vom Februar 1877 in französischer Sprache wiedergegeben zu werden. Wir können ihm keine große Bedeutung zuschreiben; dennoch verdient er, da er eine Stimme aus dem jüdischen Publikum Englands heraus vernehmen läßt, was selten genug geschieht, einige Aufmerksamkeit unsrerseits. Der Verfasser, der sich N. F. unterzeichnet» spricht zwar vom modernen Judenthume im Allgemeinen, kennzeichnet jedoch, wie wir sehen werden, durchaus nur den englischen Standpunkt, und hat, für die Thätigkeit und die Richtung des deutschen Judenthums gar kein Berstandniß. Er beginnt mit dem Ausruf: „Die Fusion der Racen fangt endlich an vor sich zu gehen! Was weder die Wanderungen uno Niederlassungen des jüdischen Volkes bei den fremden Nationen durch viele Jahrhunderte hindurch, noch die periodischen Verfolgungen, welche es erlitten, bewirken konnten, einige Jahre des Friedens und der Duldung vollbringen es vor unseren Augen." „Jndeß", fügt er im weiteren Verlaufe hinzu, „in der socialen Ordnung sind die alten Schranken noch aufrecht, und ihre Erhaltung kommt zu gleicher Zeit von dem conservativen Geiste der Israeliten und von den religiösen Skrupeln oder dem wenigen Wohlwollen der Christen her." Sehr richtig fahrt er fort: „Der Jude stellt eine sonderbare Mischung von conservativen Instinkten und reformistischen Tendenzen dar, jedes dieser beiden Elemente immer im Kriege mit dem andern." Die Erklärung, die er von dieser Erscheinung giebt, ist aber durchaus einseitig. Er sagt: „Wenn von dar einen Seite die Ueberlieferungen seines Stammes und die geheiligten Riten, die sich an die Vorschriften des Dogma i? > knüpfen, ihn einladen, fest in feinen alten Gebräuchen zu beharren, ziehen ihn von der anderen seine Eigenliebe, sein Durst nach Fortschritt und sein Ehrgeiz zu den Strudeln der Reformen." Dies mag immerhin für dieses und jenes Individuum zutreffend sein, das sich sein Judenthum nach seinen persönlichen Verhältnissen und Neigungen zurecht macht: für das große Ganze ist es durchaus irrig. Die Geschichte zeigt uns, daß die Juden bis zur neuesten Zeit in allen Lebenslagen streng nach den traditionellen Gesetzen lebten, daß die Männer an den Höfen der Fürsten wie die der Wissenschaft, insbesondere der Medicin keinen Schritt davon abwichen. Es muß daher in der modernen Zeit ein ganz anderer allgemeiner Factor vorhanden sein, der weit über die Selbstliebe und den Ehrgeiz Einzelner hinausreicht. Es ist dies die Culturbewegung, welche seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts in die jüdische Masse gekommen, und allmälig immer tiefer in sie eingedrungen ist. Diese Culturbewegung ist ebenso sehr eine Strömung von Innen heraus, als sie durch den Einfluß des entwickelteren Volksgeistes in den europäischen Nationen und durch die bürgerliche Gleichstellung zum rascheren Laufe gebracht worden.

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