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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-03-20 · Heft 12 (20.3.1877) · p. Seite 191

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 12 (20.3.1877)
Date
1877-03-20
Page
Seite 191 (sequence 13)
Language
German
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191 Man schreibt uns ans Nürnberg: In der hiesigen prächtigen Synagoge wird ein sehr ansprechender Gottesdienst abgehalten. Dies hätte aber doch nicht verleiten sollen, von der Kanzel herab auszusprechen, daß dies „der erste Cultus der ganzen Welt sei"!! Bei der immer wachsenden Zahl jüd. Gotteshäuser mit wahrhaft erhebendem Gottesdienste, und da der hiesige Cnltus doch nur ein Spätling in der chronologischen Reihe, sein Gebetbuch aus anderen Gebetbüchern zusammengeschrieben ist, so bedeutet diese Phrase doch nur eine Selbstüberhebung. Im Gegentheil können wir anführen, daß seit einiger Zeit hier wieder Brauch geworden, daß die Bar-mizwoh-Knaben den betreffenden Thoraabschnitt „Ableineu" ein Brauch, der schon in der früheren Synagoge beseitigt worden und selbst auf dem Lande ringsumher nicht mehr vorhanden ist, und gar nicht in das System eines geordneten Gottesdienstes paßt und zu den zwecklosen Formalitäten gehört, da er nicht einmal das Berständniß des Abschnittes bei den Knaben voraussetzt und nichts weiter erzielt, als den Gottesdienst zu unterbrechen und die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf ein Kind zu ziehen. Lebendiges Reisegepäck. Von einem Reisenden wird der „Br. Z." folgende ergötzliche Geschichte mitgetheilt. In einem Coupä der 4. Claffe eines Zuges, der am Sonntag Nachmittag von Thorn abgelaffen wurde, hörte der Schaffner, welcher sich zufällig in diesem Coupü befand, die ängstlich ansgestoßenen Worte: „Gott ich sticke, Gott gerechter ich sticke, macht uf den Sack!" Dieselben kamen aus einem Sacke her, der neben einem russischen Juden stand. Der Sack wurde geöffnet, und es entstieg demselben ein zweiter russischer Jude. Auf die Frage des Schaffners, was ries zu bedeuten und wo der letztere das Fahrbillet habe, erklärte der erstere Jude, daß er geglaubt habe, „Aelles was man könn' tragen in einem Sack in's Coup«, sei ftei und braucht nicht bezahlt zu werden. So sei es in Rußland, und in Preußen würde es Loch nicht anders sein. Er wurde eines anderen belehrt und mußte auf der nächsten Station für sein lebendiges Reisegepäck nicht nur ein Reisebillet lösen, sondern auch die übliche Strafe zahlen. Die beiden russischen Juden waren wohlhabende Kaufleute, welche nach Frankfurt am Main zur Messe fuhren. Anzeigen. Knaben-, Unterrichtsu. Erziehungsanstalt von M. Gombrich, Nürnberg. Das Sommersemester beginnt am 9. April. — Gründlicher Unterricht, sorgfältige Pflege, gesunde Localitäten. Schule und Pensionat siehe« unter Inspizier»; hoher Königlicher Negierung. Vorzügliche Referenzen. — Näheres durch den Director. (N. 659.) Höhere Handels-Fach-Schule Erfurt. ,h 5680 > Pensionat u. Erziehungs-Institut. „Die AnstaltI ist zur Ausstellung gültiger Zeugnisse für den ein-I jährig-freiwilligen Militärdienst berechtigt." I Das Sommer-Semester beginnt am 12. April e. Aus-1 führlichen Prospect durch den > Director Ur. tl'ahl. I Am nS d. I. wird unsere Cautoru. Schächterstelle, mit welcher ein jährliches Einkommen von c. 500 Thlr. verbunden ist, vacant. Oualificirte Bewerber wollen sich melden. Reisekosten werden nicht erstattet. Schloppe, im Februar 1877. Der Synagogen Borsiand. Die Stelle eines Cantors, guter und p'z n der auch ama dabei ist, mit einem jährlichen Einkommen von circa 2000 Mark, ist alsbald zu besetzen. Bewerber, möglichst unverheirathet, die sich über Befähigung und Moralität genügend ausweisen können, belieben ihre Offerten mit Zeugni^en eiuzusenden. (F. 2054. Offenbach a/ülain, 6. März 1876. Der Vorstand der israetit. Gemeinde. Ein gebildetes, anständig., junges Mädchen, welches in'der Küche, sowie im Haushalt tüchtig, sucht unter Gehaltsanspruch und Angehörigkeit der Familie in einem noblen Hause f. sofort oder spater Stellung. Adr. Frl. Schiff, im Hause Herren A. Kay SS Co., Nordhausen. Ich suche für meinen Sohn von 14 Jahren zu Ostern oder etwas spater eine paffende Stelle als Lehrling in einem größeren Colonialwaaren-Geschäft. M. Z. Löwenheim, Oranienburg.

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