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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-03-06 · Heft 10 (6.3.1877) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 10 (6.3.1877)
Date
1877-03-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Em unparteiisches Organ sür alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippso« in Bonn. Verlag von Baumgärtuer's Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit 1 Marl Lv Ps. pro Hundert berechnet. 2n redactionellen «ngeleaenheUm wende man sich an Dr. t. PHUippson in Sonn; hinsichtlich de« Bezug« und der Jnierattan Sa»«g»rtn»r', «nchdaniilll»- «Leipzig. Inserate, welch« bi« vonnrr»- lag emgchen. finden «der rarauffolgenden Nummer Berücksichtigung. , . Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bi« 2'/, Bogen. Prci« Biertüjährig S Marl. Inserate werden 41. Jahrgang. Leipzig, den 6. Marz 1877. JX? 10. Soda». Leitende Artikel: F. v. Hellwald's Culturgeschichte und die Juden. V. — Das Austrittsgesetz. XIV. — Zeitnnasnachrichte«: Deutschland: Leipzig, Bonn, Sachsenh<men (Schaumburg), Berlin, Hamburg. — Oesterreich-Ungarn: Wien. — Serbien: Wien. — Feuilleton: S. H. Mosenthal. — Vermischtes. £etfcende (SLxhkei. Bonn, den 28. Februar. £. v. Hellwald's Culturgeschichte und die Juden. V. (Schluß.) Man konnte fich denken, was Hellwald in den Inden der Neuzeit aus dem Boden erwachsen läßt, den er ihnen im Alterthmne und Mittelalter untergeschoben. Ändeß wird es nicht so arg, wie es, wenn H. irgend eine Folgerichtigkeit besäße, hätte werden müffen. Er beginnt sogar sein Capitel über die Stellung der Inden in der modernen Welt (B. II, S. 730) mit dem Satze: „Nicht ohne ungeheuchelte Bewunderung kann man zu der socialen Höhe emporblicken, welche die jüdische Race in der überraschend kurzen Spanne von etwa 25 Jahren auch außerhalb des Ostens, in den höchst civilisirten Ländern Europa's erklommen hat." Man könnte den großen Culturhistoriker fragen, wie es überhaupt möglich gewesen, daß eine „Race", die nach ihm bereits in Egypten bloße „Pfandleiher" und „Roßkämme" gewesen, während ihres Aufenthalts in Palästina an leiblichen Gebrechen, Familienhader und Todesfurcht gelitten, im ganzen Mittelalter auf die unterste Stufe der Cultur gesunken und überall instinktartig gehaßt und verfolgt worden, daß eine solche Race überhaupt noch existiren könne, und daß sie sich in 25 Jahren zu einer Höhe emporzuschwingen vermochte, zu welcher er, der materialistische und skeptische Culturhistoriker „mit ungehenchelter Bewunderung empotWitft"? Nicht sein historisches Gewissen — denn von einem solchen haben wir bei ihm nichts gemerkt — sondern die einfachste Logik, derer doch selbst ein Philosoph seines Schlages nicht ganz eutrathen sollte, hatte ihm sagen müssen: wenn ich jetzt nach mehr als 3000 Jahren eine „Race" auf einer bewundernswürdigen Höhe erblicke, so müssen die Culturbilder, die ich von ihrer Vergangenheit entworfen, durchaus falsch sein, so müffen in dieser Race Eigenschaften und Kräfte vorhanden gewesen und noch sein, welche sie auch in ihren verflossenen Epochen bewährt haben muß, und die dieses kleine Volk alle Bölkerstürme, alle Culturphasen durchzuleben befähigten, wie es bei keiner anderen Nation der Fall war. Er hätte fich dann an die wirkliche Geschichte dieses Stammes gemacht, und sicher in seiner zweiten Auflage sich selbst vollständig corrigirt. Da er dies nicht gethan, müssen wir schließen, daß er nicht einmal diese einfache Logik besitzt. Uebrigens giebt es auch in diesem Satze Unrichtigkeiten. Die Cultnrbewegung in den Juden ist bereits mehr als ein ganzes Jahrhundert alt, und Mendelssohn traf schon in der Mitte deS vorigen Jahrhunderts kerne ganz geringe Zahl gebildeter Juden in Berlin au, denen gleiche Kreise in allen bedeutenden Hauptstädten Deutschlands sich anschlossen; die sociale Höhe war schon vor 1848 von zahlreichen Juden erklommen, und nicht die Gleichstellungsparagraphen in den verschiedenen neuesten Verfassungen brachten diese Wirkung hervor, da sie doch nichts weiter chaten, als einer kleinen Zahl Inden den Eintritt in Staatsämter und Parlamente zu ermöglichen. Was H. unter „auch außerhalb des Ostens" versteht, wissen wir nicht. Bei seiner, auch von uns

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