Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1877)
- Date
- 1877-02-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Di. Ludwig Philippson m Bonn. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit l Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. Ja redactionellea Angelegenheiten wende man sich an l>r. L. p»iii»pson in Bonn; binftchtUch deS Bezug» und der Inserate an LaumgLrtner'» Lnlhhandinuintzeivzig. Inserate, welch« bi» vounerrlag eingebe», finden inder carauffolgenden Nummer Berücksichtigung. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 biS 2>/, Bogen. Preis BierteljSbrig 3 Mart." Inserate werden mit 20 Pf. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Sille Buchhandlungen, Postämter und Zeitung» - Expeditionen nehmen Bestellungen an. 41. Jahrgang. Leipzig, den 20. Februar 1877. 8. Inhalt. Leitende Artikel: F. v. Hellwald's CulMrgeschichte und die Juden. IN. — Die Dringlichkeit eines jüdischen Lehrerseminar« für die Provin; Posen. — Die neuesten Verfolgungen der Juden in Rumänien. V. — Zeitungsnachrichten: D ent schlaud: Bonn. Breslau. Berlin, Hamburg, Darmstadt. Wronke. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Lemberg. Prag. — Türkei: Konfiantmopel, Bonn, Pera, Paris. — Feuilleton: Corres pondenz: Odessa. j£eiteud& <3ü& i&e£. Bonn, den 14. Februar. F. o Hellwald's Cullurgefchichte an) die Zuden. m. Eia Zerrbild, sagten wir, entwirft Hellwalv von der Eultur der Hebräer, ein Zerrbild, bei dem die Unwissenheit den Stift und die Bosheit den Pinsel führte. Denn weder aus Kenntrriß der Quellen, noch aus irgend einer richtigen Beurtheilung der Zeit, der geographischen Lage und der Verhältnisse hat er, sondern nur aus irgend welchen judengehässigen Pamphleten seine Phrasen zusammengeschrieben. Er beginnt: „Die Juden sind niemals im eigentlichen Sinne des Wortes ein eroberndes Volk gewesen." Dies ist richtig, und wir haben ihnen stets ein besonderes Lob daraus gemacht. Gab und giebt es nicht zahlreiche Nationen, die keine Eroberer gewesen? *) Sind es nicht immer nur einzelne Völker — wenn auch in jedem Zeitalter eines — welche diesen Namen, meist zum Verderben Vieler und auch ihres eigenen Stammes — verdienen? Ist denn aus dem ganzen Lande, das wir jetzt Syrien nennen, ein eroberndes Volk hervorgegangen? Waren doch selbst die Phönizier kein solches. Und 1) Führen wir unter den vielen Beispielen, die sich darbieten, nur eines an: waren die Schweizer jemals ein eroberndes Volk? Wird ihnen dies Jemand zum Tadel machen, und ihre Tapferkeit und ihren Mannesmuth deshalb bezweifeln, Eigenschaften. welche sie in kräftigen Bertheidigungskämpfen so oft bewiesen haben? doch wohnte daselbst ein Gewirre kleiner kriegerischer Völkerschaften, der Kampf horte dort niemals auf, bis sie verschwunden waren. Wir rechnen es den Hebräern gerade zum Ruhme an, daß sie, nachdem sie die Waffen glücklich gegen die kanaanitischen Stämme geführt hatten, sie nicht zur Verbreitung des monotheistischen Glaubens erobernd weiter geführt, sondern sie fortan nur zur Bertheidigung und Abwehr erhoben. Es ist dies auch erklärlich, weil sie, Gott als Weltschcpfer und Weltherrfcher begreifend. diesen Glauben doch nur als national ansahen und der Religionskrieg überhaupt erst mit dem Christenthum und dem Islam in die Welt kam. — Aber wozu verwendet H. den obigen Satz? Um zu behaupten: den Juden, denn hier umfaßt er mit diesem Namen alle Zeiten des Volkes, das er doch dreitheilig annimmt, „fehlte der Muth!" Er sagt: „Mag auch die bis zum Ungeheuerlichen gesteigerte Todesfurcht, welche ein Grundzug des jüd. Wesens ist, erst etwas geschichtlich Gewordenes sein und daher nicht durchwegs als Feigheit angesehen werden, wie Einige wollen, so scheint doch Muth überhaupt kein Merkmal des semitischen Stammes zu sein." „Von jener kühnen Todesverachtung, welche die arische Völkergruppe auszeichnet, lesen wir auch in biblischen Schriften kein Beispiel." Dies ist durch und durch erlogen und nur aus dem Gewissen eines so culturunhistorischen Schreibers erklärlich. Die Geschichte aller jüd. Bolkshelden, wie sie die Bibel uns erzählt, ist voller Beispiele des Muthes und der Todesverachtung, z. B. die Gideons, Simsons, Jonathans, Davids. Gerade daß das Volk seine Helden von solcher Tapferkeit, körperlicher Starke und Gewandheit und todesverachtendem Muthe, wie ihn die Genannten erwiesen, dachte und ausmalte, ist ein