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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-02-13 · Heft 7 (13.2.1877) · p. Seite 110

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 7 (13.2.1877)
Date
1877-02-13
Page
Seite 110 (sequence 12)
Language
German
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110 ständniß für „christliche" Knaben, wo es doch offenbar „nicht-' muselmännisch" heißt. Man könnte bald Methode hierin finden, doch wird eine solche keinen besonderen Erfolg haben. Redact.) —. Wie wir bereits mitgetheilt, war Herr Netter beauftragt, das Pariser Memoire der Conferenz der Großmächte zu übergeben. Der Präsident der letzteren nahm das Memoire in Empfang, zugleich aber löste sich die Conferenz, wie bekannt, auf, und Herr Netter ist zu seiner Ackerbaufchule zu Jaffa abgereist. Feuilleton. Lorrespou-ery. Berlin, im Januar 1877. Jubiläum des Herrn Rector Horwitz. Das am 18. Januar c. in unserer Gemeinde stattgehabte Horwitz-Jubiläum, in Anlaß seiner absolvirten fünfundzwanzigjahrigen Rectoratsthätigkeit, giebt neben dem nur knapp zu fassenden Detailbericht vielleicht auch Anlaß zu einigen allgemeinen Bemerkungen. Dieser Detailbericht kann um so eingeschränkter sein, als der Gegenstand der Ovation von jeher geflissentlich die Oeffentlichkeit mehr meidet als aufsucht. Im gegenwärtigen Falle aber hatte ihm die schwer erkrankte Gattin den Wunsch nach Zurückgezogenheit noch näher gelegt. Allein das war bei der Stellung des Mannes zur Gemeinde und in der Gemeinde, bei seinen Beziehungen zu einem beträchtlichen Theil dieser Gemeinde, der unter feinen Augen groß geworden, nur sehr schwer zu ermöglichen. Aus einer tiefen Pietät lebendiger Verehrung und Dankbarkeit hat sich daher ein Tag eingestellt, der für langjährige treue Dienste sich zu einer Hellen und nachdrücklichen Anleitung für Nachstrebende gestaltete, mehr noch als zu einer Belohnung für bereits Geleistetes; besonders wo die Natur des Leistenden im eigenen Bewußtsein sein volles Genüge findet. Die Gemeindeverwaltung — Vorstand, Schulcommission und Repräseutantencollegium — haben ihren durch Deputationen dargebrachten Wünschen noch ein sichtbares Geleit gegeben, in einem hohen, künstlerisch ausgeführten silbernen Tafelauffatz, in dessen reichgeschmückteu Sockel Seminar und Schule eine sinnige symbolische Darstellung finden. Die Lehrercollegieu von Seminar und Schule haben das Sprechzimmer ihres Directors mit den Rauch'schen Coloffalbüsten von Goethe und Lessing decorirt. Die ehemaligen Zöglinge der Lehrerbildungsaustalt, welche jetzt nah und fern amtlich wirken, haben den Tag durch Deputatton und Ueberreichung eines mächtigen, künstlerisch vollendeten Pokals, getragen von Pallas Athene, umsäumt von den neun in Relief ausgeführten Musen und überdacht von Phoebus Apollo, begangen. Die ehemaligen Schüler der von Herrn Rector Horwitz geleiteten Knabenanstalten, denen sich eine große Zahl von Freunden und Verehrern anschloß, haben geglaubt in dem Gefühle der Dankbarkeit für den verehrten Lehrer diesen Tag mit der fernsten Zukunft in unlösliche Verbindung fetzen zu sollen. Zu dem Ende wurde dem Jubilar mit einer vorzüglich ausgeführten Adresse auch zugleich die Urkunde über eine ihm zur freien Verfügung gestellten Horwitz-Sttstung in dem statllich im Betrage von siebentausend Mark von einem sä Koe gewählten Comitö überreicht. Diese in dem Sprechzimmer des Jubilars sich drängenden Vorgänge haben eine lebendig anregende Unterbrechung erfahren, als sich die Reihen öffneten und der alte ehrwürdige Nestor Zuuz hereinschritt. Die Scene kehrte sich plötzlich um; der Jubilar wandelte sich jählings in den ttef ergriffenen dankbaren Schüler, der dem alten Meister und Lehrer das schuldige homagium darbrachte. Und dazu glaubte er um so mehr Anlaß zu haben, als an beiden Stätten feiner Wirksamkeit — Seminar und Schule — ehemals Leopold Zunz gestanden. Der alte Meister wolle von dieser Umkehr Nichts wissen, allein, es kam zu einem Compromiß, und als der wirkliche Jubilar seinem Meister die Sttrn küßte, ward man unwillkührlich au so etwas von Blücher und Gneisenau erinnert. Den Abschluß der officielleu Vorgänge fand der Tag in einem solennen Schulactus, bei dem der Musikvirector Levrndowski den musikalischen Theil leitete und der Schulvorstand, sowie Herr vr. M. Kirschstein seitens der Verwaltung einerseits und der Schule andererseits die Ansprachen hielten. An diesen Detailbericht schließen sich nun die vorauf angemeldeten allgemeineren Bemerkungen, und zwar 1) Rabbi Simon der Gerechte hat es denn doch gut verstanden, Programme zu machen für den Bestand der Welt. Denn daß etwas gelernt wird, ist und bleibt der erste Paragraph dieser Weltconstitution. Es hat sich bei dieser Gelegenheit etwas von der Probe auf dieses Exempel bei dem oben beschriebenen Jubiläumstage in unserer Gemeinde gezeigt. 2) Die jüdische Gemeinde der so confessionslos angehauchten Metropole Berlin hat in diesem Monate ihre »Knabenschulverwaltung mit dem neuen Etat von 1877/79 und mit einem Ausgabeposten von 54,000 Mark pro snuo ruhig begonnen. Leistungen sind stärker als unmotivirte Neigungen und Sttömungen, das ist die Lehre davon. 3) Wenn Alles sonst in Ordnung und in Rechtschaffenheit vor sich geht, dann werden die neuen Gemeinde-Bestimmungsgesetze das Judenthum noch lange nicht aus den Angeln heben. Deß mag sich jeder treu Arbeitende und Sttebende getrösten.

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