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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-02-13 · Heft 7 (13.2.1877) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 7 (13.2.1877)
Date
1877-02-13
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Leitung -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipp sou in Bonn. Verlag von Baumgärtuer'S Bnchhandluug in Leipzig. Beilagen werden mit 1 Marl 50 P s. pro Hundert berechnet. 3a redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Dr. %. $l»ilippf<m in Bonn; hinsichtlich deS Bezug» und der Inserate an SaamgLrtner's SachdanLlnug inLeirzig. Inserate, welche biS vonnerstag eingehen, finden inderrarauffolgeu» den Nummer Berücksichtigung. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bis 2>/, Bogen. Preis 41. Jahrgang. Leipzig, den 13. Februar 1877. JS? 7. Inhalt. Leitende Artikel: F. v. Hellwald'S Culturgefchichte und die Juden. II. — Die neuesten Verfolgungen der Juden in Rumänien. IV. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Breslau, Bonn. Brandenburg an der Havel, Leipzig, Darmstadt, Mainz, Hamburg. — Oesterreich-Ungarn: Aus dem südlichen Böhmen. — Frankreich: Paris. — Großbrrtannren: London. — Italien: Ferrara. — Holland: Haag. — Türkei: Konstantinopcl. — Feuilleton: Correspondenz: «Celteitde- (SLxhlkel. Bonn, den 7. Februar. t>. Hellwald'S Caltargeschichte und die Jude«. II') Die Culturgeschichte ist so recht und eigentlich „die Weltgeschichte, welche das Weltgericht ist." Hat sie doch ihre Urtheile aus der Gesammtheit der Menschengeschichte und aus der Ganzheit des Volks- und des Bölkerlebens abzugeben. Aber wenn sich auf ihren Richterfiuhl eine geschminkte Dirne drängt und setzt, die Unwiffenheit und die Gewiffenslosigkeit, die alle Rechtsprincipien leugnet, also nach solchen nicht urtheilt, die nur an der oberflächlichen Erscheinung haftet und den Kern des menschlichen Daseins nicht zu erfassen vermochte, welche beim Wort genommen, gar keine Cultur anerkennt, die sie nur in der Art und Weise ansieht, in welcher der Hunger, 'der Durst und der Geschlechtstrieb befriedigt werden, obschon sie freilich eine, ihr selbst unverständliche „Entwickelung" annehmen muß, die den Menschen aus dem Affen werden und zum Affen zurückkehren läßt, wenn eine solche Culturgeschichtsfratze sich auf dem Nichterstuhle breit machen und ihren schamlosen Spuk treiben will, so ist sie weder Geschichte noch Gericht, und muß von dem angemaßten Platze weggestäupt werden. Wir haben im ersten Artikel das Hellwald'sche Machwerk durch zwei Capacitaten vom philosophischen und sittlichen Standpunkte einerseits und andererseits von dem der geschichtlichen Wissenschaft und des historischen Wissens als das schlechteste Buch bezeichnen sehen, das seit mehreren Jahrzehnten verfaßt worden ist. Wir widerstehen daher dem Gelüste, dem Verfasser auf den hohlen und vergilbten philosophischen Zahn zu fühlen, den er in seiner Einleitung uns entgegenweist, obschon jeder einzelne Satz derselben zeigt, wie unverstanden ihm das sg. Philosophem ist, das er zu bekennen vorgiebt. Dagegen werden wir im Laufe unsrer Besprechung Gelegenheit genug haben, auch in dem engeren Kreise, den wir in Betracht ziehen wollen, die gründliche Unwissenheit des Verfassers, seinen Mangel an jedwedem Quellenstudium, die Oberflächlichkeit, mir welcher er lediglich aus der Tagespresse, Broschüren, populären Vorträgen und einigen einseitigen Büchern der letzten vier, fünf Jahre die schiefsten Urtheile und grundlosesten Anschwärzungen zusammenträgt, erkennen zu lassen. Wir haben schon bemerkt, daß Hellwald die Juden schon seitdem er die Redaction des „Auslandes" übernommen hat, mit consequentem Haffe behandelt, (was ihn freilich nicht hindert, seine Urtheile unbefangen zu nennen), und jene in jeder Beziehung verächtlich zu machen sucht. Er scheut hierbei weder die unwahrsten Behauptungen, noch die grellsten Widersprüche. Wenn er dem jüdischen Stamme den möglich geringsten Culturwerth und Cultureinfluß zuschreibt, so trösten wir uns darüber. Denn ein Autor, der in gleicher Weise die Griechen und Römer behandelt und dem gesammten Menschengeschlechte jeglichen Werth abspricht, und jedes Ideale als Dunst und Nebel, jede Erkenntniß als Irrlicht verspottet, von dem können wir auch für die Juden t) S. Nr. 1 d. I. Wir bitten in diesem ersten Artikel S. 5, Sp. 1, Z. 21 v. u. zu lesen: „Compilation" (nicht „Complication").

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