Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1877)
- Date
- 1877-01-30
- Page
- Seite 79 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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79 Wagner-Gallerie schon früher bekannt, haben sie jetzt eine würdige Stätte in der neuerbauten National-Gallerie zu Berlin gefunden, die nur der modernen deutschen Gunst gewidmet ist. Erst dort bieten sie sich durch gute Beleuchtung dem eingehenden Genüsse dar. Der Beschauer fühlt sich tief in die Stimmung der lieblichen und erhabenen biblischen Geschichten versenkt; er leidet mit dem vielgeprüften Patriarchen, der den einzigen Sohn zur vermeinten Opferstätte führt, er begrüßt mit ihm das herrliche Land, das verheißene Erbe seiner Enkel, das sich in üppiger Fülle und lockender Schöne vor dem müden Wanderer ausbreitet. Aber tief ergreifend sind vor Allem die der Hagar gewidmeten Bilder. Da liegt dies trauliche Heim, welches ihr bisher Obdach, Sorgenlosigkeit und Liebe geboten, halb versteckt unter südlich prangenden Bäumen und Gehängen; alle Fülle bietet es, allen Schutz, alle wohnliche Schöne — aber sie zieht dahin mit dem vaterlosen Knaben, der öden Wüste entgegen. Und in welchem Gegensatz erscheint nun diese Wüste; diese grelle, ungebrochene Kraft der Farbe, dieses Weite ohne schützenden Schatten, diese Dürre ohne labenden Quell! Wir empfinden in tiefer Sympathie mit diesen Menschen längst entschwundener Jahrtausende! Durch die photographische Vervielfältigung mit Text von Max Jordan sind diese Bilder erst recht in den Kunstbesitz des deutschen Volkes übergegangen, wenn auch zugegeben werden muß, daß die Photographie nicht im Stande ist, den überwältigenden Farbenreiz der Originale wiederzugeben. Dennoch würde das Werk jedem jüdischen Zimmer zur hohen und charakteristischen Zierde gereichen. _ J. C. Verwischtes. Ein seltener Fall. Im Hoftaume des Horsemongerlane-Gefängnisies zu London wurde am Dienstag Früh Isaak Marks, der polnische Jude, der vor einigen Monaten einen Glaubensgen offen, Namens Frederick Barnard, auf offener Straße erschossen hatte, durch den Strang hingerichtet, nachdem ein von der Londoner jüdischen Gemeinde eingereichtes Gnadengesuch, das sich hauptsächlich darauf stützte, daß Marks an Geisteszerrüttung leide, vom Minister des Innern abschlägig beschieden worden. Der Delinquent schritt schlotternd und todtenblaß zum Schaffot, begleitet von zwei Rabbinern im Amtstalar, die hebräische Gebete sprachen. Da Marks von sehr leichter Statur war, brach ihm der jähe Fall nicht das Genick, und der Todeskampf dauerte mehrere Minuten. Kurz vor seinem Ende empfand er tiefe Reue über sein Verbrechen und bat seine geistlichen Beistände, der Familie des Ermordeten mitzutheilen, wie tief es ihn schmerze, sie ihres Ernährers beraubt zu haben. Berichtigung. Der letzte Passus in der Mittheilung in Nr. 2 über den Doctortitel, welchen der israel.Religionslehrer, HerrSeligman Bär in Biebrich, von der Leipziger Universität erhalten hat, bedarf einer Berichtigung, indem Herr Bär in seinem Curriculum Vitae selbst der Universität mittheilte, daß er von seinem 16.—18. Lebensjahre sowohl in der hebräischen und chaldäischen Sprachkunde der heiligen Schriften, sowie in den übrigen für den israel. Schul- und Synagogendienst erforderlichen Kenntnissen unterrichtet wurde, von l)r. Hochstädter, jetzt Bezirksrabbiner zu Bad Ems! (.KT^-a K»-Onb ■’Tl) Anzeigen. Hotel de Saxe in Berlin. Burgstraße 20 neben der Börse. RCStctUrclIlt ä la Carte von Früh bis Abends. — TclblC d’hote um 2 Uhr. Preis 2 Mark im Abonnement 1 Mark 50 Pf. 3t1ttttt£t zu soliden Preisen von 1 Mark 50 Pf. an. — Hötelwagen zu allen Hauptzügen auf den Bahnhöfen. — Es empfiehlt Z. Cohn, (6. 57/1877.) ' Hotelier und Traiteur. Ich suche zum sofortigen Antritt 2 Lehrlinge aus guter Familie-. Meiningen. A Mannheimer, Bankgeschäft. Zum 1. März d. I. suche ich für mein Getreide- und Sämereien-Geschäst einen Lehrling mosaischer Confession. Hermann Bader, Züllichau.