Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 52 (26.12.1876)
- Date
- 1876-12-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung -es Iudenlhums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps-« in Bonn. Berlag von Baumgärtaer's BuchhMdluog m Leipzig. Beilagen werden mit 1 Mark SV Pf. pro Hundert berechnet. Diese Zeitooa erscheint wöchentlich einmal in 2 bi« 2>/, Bogeo. Prei« -Bogeo. Prei« 3 'Jtart. Inserate werde» die Petitzeile oder deren rüle Buchbaodlwrge». » Expediüooeo telluogeo au. _,-h an vr. L. - —ja; hinsichtlich des Bezugs und der Jmeratean ««nungirtoer'» «öchhandUl», «■-'—e, welche bis vouuer»- n in der tararrffolgenr Berütkfichtigung. 40. Jahrgang. Leipzig, den 26. December 1876. JV? 52. Inhalt. Leitende Artikel: Rückblick. — Die Folgen des Austrittsgesetzes. VN. — Literarischer Wochenbericht: Brünn. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Leipzrg, Aus dem Elsaß, Bonn. — Oesterreich-Ungarn: Gr. Becskerek. — Frankreich: Paris. — Schweiz: Olten. — Tür lei: Rustschuk, Konstantinopel. — Feuilleton: Zur neueren und neuesten Geschichte der Juden Selteude ÖCttilUf. Bonn, 20. December. Rückblick. Es war ein eigenthümliches, wir mochten sagen, ein sonderbares Jahr, auf dessen Ausgangsschwelle wir stehen, ein Jahr der Conflicte, die theils überkommen waren, theils neu erstanden, Conflicte ohne großen Sturm, aber auch ohne Lösung und deren Tragweite erst noch abgewartet werden muß. Wir sprechen hier selbstverständlich von diesem Jahre im allgemeinen Sinne, in seiner Bedeutung für die ganze civilisirte Welt. Aber sein eben gezeichneter Charakter erwies sich überall, in großen und kleinen Kreisen, als derselbe, sogar im Verlaufe seiner Witterungsverhältnisse. Ein langer, bald strenger, bald milver, immer unangenehmer Winter ward von einem kurzen regnerischen und stürmischen Frühling, einem nicht lange, aber starke Hitze bringenden Sommer und einem wechselreichen Herbst gefolgt, nach welchem bald bedeutender Frost und hierauf wieder äußerst milde Temperatur eintrat. In diesem Augenblicke hat man in Moskau 250 Kälte, am Rheine 8 0 Wärme. Wir müssen es abwarten, wie es weiter geht. Werfen wir einen Blick zurück. In Frankreich wurde mit dem endlichen Ende der Nationalversammlung eine republikanische Mehrheit in die Deputirtenkammer gewählt; man glaubte hiermit das reactionare. besonders klerikale Regiment gestürzt zu haben. Aber sowohl die Regierung als die, wenn auch geringe Majorität im Senate vereitelten dies: der Klerus hatte in der Justiz wie in der Armee den größten Einfluß, den er wohl zu verwenden weiß, behalten. Jetzt ist der, immer wieder vertuschte Conflict ausgebrochen, und die lange Ministerkrisis läßt auf eine Entscheidung warten. — In Spanien ist der Bürgerkrieg vorläufig beendet worden; die Königin Jsabella ist unter dem Schutze ihres Sohnes wieder zurückgekehrt; zugleich har sich aber das Regiment Alphons' als ein klerikales, intolerantes, freiheilfeindliches entpuppt und schon beginnen die republikanischen Verschwörungen von Neuem. — Italien sah das Ministerium der Gemäßigten abtreten und durch eines ver Linken ersetzt. Alsbald fielen auch die Neuwahlen zur Deputirtenkammer in diesem Sinne aus und gaben der Linken eine außergewöhnliche Mehrheit. Bis jetzt hat sich jedoch hieraus keine irgend bedeutende Thatsache entwickelt — Ein sonderbares Schauspiel bietet abermals die nordamerikanische Union, welche in diesem Jahre ihren hundertjährigen Bestand und eine Weltausstellung feierte. Die zweite Präsiventschast Grant's läuft ab. Da zeigen sich die beiden großen Parteien, die demokratische (conservative) und die republikanische (fortschrittliche), von denen bislang die letztere die überwiegende Mehrheit besaß, durch ihre Fehler, insbesondere durch die in ihr herrschende Corruption, in eine solche Gleichzähligkeit versetzt, daß es sich bei der Präsidentenwahl bei 369 Stimmen um eine einzige an der absoluten Majorität handelt, und diese eine Stimme unterliegt wegen vorausgesetzter Fälschung einem gerichtlichen Verfahren! An solchem dünnen Faden hängt die nächste Zukunft des großen Freistaates! — Ernster sind die Conflicte, von denen der österreichische Kaiserstaat in der Verbindung feiner verschiedenen Be-