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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-12-12 · Heft 50 (12.12.1876) · p. Seite 812

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 50 (12.12.1876)
Date
1876-12-12
Page
Seite 812 (sequence 14)
Language
German
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812 In einer jüngst erschienenen Broschüre erzählt der Autor ans eigener Kenntniß folgendes Zeugniß rührender Mutterliebe. Eine arme jüdische Frau, welche, zu stolz um Almosen anzunehmen, sich ihren dürftigen Unterhalt durch Handarbeit erwarb, lag im Sterben. Sie ließ einen angesehenen Mann der Gemeinde kommen, und holte unter ihrem Kopfkiffen ein kleines Beutelchen mir Silber- und Kupfermünzen hervor. Es waren zusammen ungefähr 20 Thaler, die sie sich vom Munde abgespart hatte. Sie übergab sie dem Manne mit dem Ersuchen, dafür — nicht ihr selbst, sondern — ihrem vor Jahren in großem Elende verstorbenen Sohne einen Grabstein setzen zu laffen. Dies war das Ziel, zu welchem sie das Geld sich zusammengesparl hatte. Die jüngsten klerikalen Blätter Frankreichs heben triumphirend hervor, daß 22 Schüler der kathol. Universitäten glücklich durch das Examen gekommen, weil sie vor der Prüfung ihre Federn in Waffer von Lourdes eingetaucht und sich dadurch des Schutzes der Patronin dieser Quelle versichert hätten. Man könnte fragen, ob es im Mittelalter irgend eine dunkele Zeit gegeben, wo eine solche Glaubensmeinung überttoffen worden? Uebrigens machen die kathol. Universitäten in Frankreich günstigere Fortschritte in ihren Gelvsammlungen als in der Zahl ihrer Schüler. Sie haben jetzt solcher alle zusammen 500, während die Staatsuniversität zu Paris allein 8300 Studirende zahlt. Im Uebrigen kann man den Haß der Ultramontanen gegen die Juden sich daraus erklären, daß sie die Juden als ein Ferment der Aufklärung in den meisten Ländern betrachten. % n j e Ueber Spielwerke. Im Jnseratentheile unseres Blattes finden unsere verehrten Leser und schönen Leserinnen wiederum, wie alljährlich, die Empfehlungen der weltberühmten Spielwerke von Herrn Z. H. Heller in Bern. Derselbe liefert diese so allgemein beliebten Werke in einer geradezu stauneuerregenden Vollkommenheit, wir können daher Jedem, der nur ein wenig Freude an Musik hat, nicht warm genug empfehlen, sich ein Spielwerk anzuschaffen, und bietet die bevorstehende Weihnachtszeit die schönste Gelegenheit hierzu, auch kann kein Gegenstand, noch so kostbar ein solches Werk ersetzen. Was kann wohl der Gatte der Gattin, der Bräutigam der Braut, der Freund dem Freunde Schöneres und Willkommeneres schenken? — Dem Leidenden, ccm Kranken gewährt es die größte und angenehmste Zerstreuung, vergegenwärtigt glücklich verlebte Zeiten; dem Einsamen ist es ein treuer Gesellschafter, es erhöht die Gemüthlichkeit der langen Winterabende im häuslichen Kreise u. s. w. Hervorheben möchten wir noch ganz besonders die nur zu lobende Idee vieler der Herren Wirthe, die sich ein solches Werk zur Unterhaltung ihrer Gäste angeschafft. Die gemachte Ausgabe hat dieselben, wie uns von mehreren Seiten bestätigt wird, nicht gereut; es erweist sich somit auch deren praktischer Nutzen auf's Evidenteste und möchten wir allen Herren Wirthen, die es bis dahin unterließen, anrathen, sich ohne Säumen ein Spielwerk anzuschaffen. Wir bemerken noch, daß die Wahl der einzelnen Stücke eine ganz fein durchdachte ist; die neuesten, sowie die beliebtesten älteren Opern, Operetten, Tänze und Lieder heiteren und ernsten Genres finden sich in den Heller'schen Werken auf das Schönste vereinigt. Kurz, wir können keinen aufrichtigern, und wohlmeinenderen Wunsch an die geneigten Leser und Leserinnen unseres Blattes aussprechen, als den, srch recht bald in den Besitz eines solchen Spielwerkes zu setzen; reichhaltige illustrirte Preis- Courante werden Jedermann franco zugesandt. Auch ist direkter Bezug schon deshalb zu empfehlen, da vielerorts Werke für Heller'sche auögegeben werden, die es nicht find. i g e n. €oncur§. Mit Beziehung auf die Concurs-Ausschreibung vom Monat Juli d. Js. in Nr. 29 der Allgemeinen Zeitung für das Judenthum wird die Stelle eines Religionslehrers, der zugleich den Canlordienst zu versehen hat, neuerdings zur Besetzung ausgeschrieben. Bor Allem wird auf die Befähigung: religiöse Borträge (Predigten) in der Synagoge zu halten und Religions-Unterricht an der daigen Israel. 2-klassigen Volksschule zu geben, Rücksicht genommen. Gehalt Gulden 1000 ö. W. per rmuo, ferner die üblichen Nebenemolumente und bei Erlheilung des Hebräisch u. Gesang- Unterrichtes in der Schule noch besonders Remuneration von Gulden 100 ö. W. Gesuche unter Beibringung der Befähigungs-Nachweise wollen bis Ende December d. Js. anher eingereicht werden, wobei ausdrücklich bemerkt wird, daß sich Bewerber einem Probevortrage zu unterziehen haben und daß nur dem Acceptirten die Reisekosten vergütet werden. Hohenems, 22. November 1876. Israelitiselie Cultns - Gemeinde - Vorstellung. Der Bürgermeister: Anton Rosenthal. Die hiesige jüdische (». 22804 a.) Lehrerftelle ist vacant. Gehalt inel. Privatunterricht bis 1200 Mark, wofür Garantie geleistet wird. Bewerber wollen stch schleunigst melden. Pndetcitz, im November 1870. Oie jücl. Schal Vorsteher. Gesuchs Eine jüdische Wirthschafterin, die einen kleinen koscbern Haushalt bei zwei ältlichen Leuten zu führen versteht, wird sofort engagrrt. Offerten werden erbeten bei S. Gimpel, Greifswald i Pommern.

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