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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-12-12 · Heft 50 (12.12.1876) · p. Seite 805

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 50 (12.12.1876)
Date
1876-12-12
Page
Seite 805 (sequence 7)
Language
German
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805 „Und wir, die wir von dem so viele Jahrhunderte hindurch auf den Juden lastenden Drucke frei geworden und nun als gleichberechtigte Glieder in den Reihen unserer nichljüdischen Mitbürger ausgenommen sind — eine Errungenschaft, die wir wahrlich nicht Männern der religions - gesellschaftlichen Richtung, sondern den s. g. Reformern und Reformrabbinern vorzugsweise zu verdanken haben, die durch ihr Verhalten, wie durch Wort und Schrift den Fluch der Verachtung, der so lange auf Juden und Judenthum lastete, abwälzten und namentlich in den auf der Höhe der fortgeschrittenen Cultur stehenden nichtjüdischen Kreisen einen Umschwung zu unseren Gunsten zu Wege brachten, der uns nach harten Geisteskämpfen allmälig die Pforten des uns verschlossenen Bürgerthums öffnete — wir sollten diese kaum errungene Freiheit dazu anwenden, um im Namen unserer schmählich mißbrauchten Religion Hader und Zwist, gegenseitige Verfolgung und Anschwarzung in unser Gemeinde- und selbst in unser Familienleben zu schleudern; um die bei aller Verschiedenheit der religiösen Anschauungen stets heilig gewahrte Einheit freventlich zu zerreißen und die Nächstenliebe — diese Grundlehre, in welcher, nach dem Ausspruche Hillels, des hochgefeierteu, vor etwa 2000 Jahren lebenden, Lehrers des traditionellen Judenthums, alle übrigen Religionslehren enthalten sind — aus unserer Mitte zu verscheuchen? Und würden, wenn dieser böse Geist des giftigen Sectenhafses wirklich die Oberhand bekommen sollte, unsere Gemeinden dann nicht in einen Zustand der Verwilderung und der Anarchie hinabsinken, die Juden und Judenthum dem gerechten Spot und Hohn unserer Gegner preisgäben?" „Soll ich euch nun noch die Aussprüche des traditionellen Judenlhums vorführen, in welchen jede Spaltung, aus welchem Grunde auch immer, aus das nachdrücklichste verpönt, die gegenseitige Verträglichkeit, auch bei noch so weit auseinandergehenden religiösen Ansichten, auf das Eindringlichste empfohlen und Eintracht und Friede als der Inbegriff aller Segnungen verherrlicht wird? Diese Aussprüche wurden von mir bei einer anderen Gelegenheit im Laufe dieses Jahres wörtlich veröf- und sind wohl von den meisten unter euch, wie ich annehmen darf, gelesen worden." „Zum Schluffe will ich euch nur noch einen Vorgang aus der frühesten Geschichte Israels in das Gedächtniß rufen. In rem 22. Capitel des Buches Josua wird uns berichtet: Die Röubeniten, Gaditen und die Söhne des halben Stammes Manasse, denen durch Moses das Land jenseits des Jordan unter der Bedingung zugesagt war, daß sie ihren Brüdern, den übrigen Stämmen, bei der Eroberung des dieffeits gelegenen Landes Kanaan helfend zur Seite stehen, hatten diese Bedingung treulich erfüllt und wurden darum von Josua in ihre Heimath entlassen. An dem Jorran angekommen, errichteten sie daselbst einen großen Altar. Da aber der Altar in der Regel als das äußere Zeichen einer dem Gottesdienste geweiheten Stäne galt, so ist dadurch bei den Israeliten diesseits des Jordan die Vermuthung entstanden, daß die dritthalb Stämme sich von ihnen absondern und einen eigenen Gottesdienst einrichten wollten. Sie schickten daher Abgesandte an die dritthalb Stämme und ließen ihnen sagen: „So spricht die ganze Gemeinde Gottes: Was ist das für eine Treulosigkeit, die ihr an dem Gotte Israels begeht, daß ihr euch heute von Gott abwendet, indem ihr für euch einen Altar errichtet und euch dadurch wider Gott empört." Die dritthalb Stämmeantworteten hierauf mit der feierlichsten Versicherung, daß der errichtete Altar den vermutheten Zweck einer gottesdienstlichen Absonderung durchaus nicht habe und schloffen mit den Worten: Ferne sei es von uns, uns wider Gott zu empören und uns von ihm dadurch abzuwenden, daß wir außer dem Altar, der vor seiner Wohnung, einen anderen Altar zum Opfern errichten." „Ihr sehet hier, wie die bloße Thatsche der Absonderung von der Gemeinde, ohne alle Rücksicht auf „religiöse Bedenken", in frühester Zeit schon bezeichnet wurde. Mözet ihr euch daher aussprechen, wie die drittehalb Stämme sich einst ausgesprochen haben zur hohen Freude des ganzen Israels!" SEoedmuj ditoxc&tIc&tett. Deutschland. Bonn, l. December. (Privatmitth.) Man meldet aus Paris vom 29. November: „Seitens der „Alliance Israelile“ sind Schritte geschehen, damit der Bevollmächtigte Frankreichs auf der Conferenz in Konstantinopel auch auf eine rechtliche Gleichstellung der Juden in der Türkei hinwirke. Wie es heißt, hätte Herzog Decazes diesbezügliche Weisungen zugesagt." Jedermann wird dieses Vorgehen der Alliance als ein durchaus zeitgemäßes und dankenswerthes anerkennen. Zu gleicher Zeit erhalten wir eine Zuschrift von der Alliance i Paris, 28. Nov.), in welcher mitgetheilt wird, daß auf Antrag der Anglo-Jcwish Association in London am 11. December in Paris eine Versammlung jüdischer Delegirten stattfinden solle, in Angelegenheit der türkischen und rumänischen Juden, um deren bürgerliche Gleichstellung seitens der Mächte zu erwirken. Organifirte jüdische Körperschaften sollen sich durch mehrere Delegirte vertreten lassen i können, und wird über das Reglement und die Abstimmung in

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