Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1876)
- Date
- 1876-12-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung -es Zudenlhmns. Em unparteiisches Orgm für alles Wische Interesse. Diese Leitung rrscheiut wöcheutli» einmal iu 2 bi» 2>/, Bogen. Prci» S e il ag e u Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsos in Bonn. Verlag von Baumgllrtner's Buchhandlung iu Leipzig. In rüxrctiouellea Auzelegercheite» I weude man sich an Or. t. l>hiiip,so» in Bonn; biufichUich des Bezugs und der Juseratecm Lamasirta«'» SnchdalldtnaiuLeipzig. Inserate, welch« biS voaarr,- lag eiugebe». finde» in der darauffolge»- den Nummer Berückfichtiguug. werden mit 1 Mark 50 P s. pro Hundert berechnet. 40» Jahrgang. Leipzig, den 5. December 1876. JS? 49. Iuhatt. Leitende Artikel: Discount Amberley und das Judenthum. IV. — Die folgen des Austrittsgesetzes. IV. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Aus Qberichlesien, Main;. — Oesterreicb-Ung arn: Wien. — Schwei;: St. Gallen. — Großbritannien: London. — Turkei: Konstantinopel. — Rumänien: Bukarest. — Feuilleton: Dr. Abraham Reumann. (Eine Ledcnsski;;e.) (Schluß.) — Rabbiner David Oppenheim. (Nekrolog.) Hütende. (Xth&ef. Bonn, 29. November. Viscount Amberley und das Zudenthum. IV. Nach der Erörterung aller dieser wichtigen Momente, welche das Auftreten Jesu für die ganze Existenz der Nation gefährlich, für deren religiöses Bewußtsein im höchsten Grade verletzend machten, am wenigsten aber den Schriftgelehrten und dem Volke den Glauben an Jesus als Messias einflößen konnten, ergeht sich der Viscount in den einzelnen Auslegungen, welche die Evangelien von Jesus berichten und Verletzungen des Gesetzes und der Sitte, die er sich gestattete, welche aber untergeordneter Natur sind und wir deshalb an dieser Stelle übergehen. So läßt der Verfasier sich über die Verletzung der Fasten, über das Esien mit ungewaschenen Händen,l) über den fälschlichen Borwurf der Versuchung, den die Evangelisten betonen, wenn die Pharisäer und Sadduzäer Jesu einige Fragen vorlegen, wie über Ehescheidung, Steuern an den Kaiser, Auferstehung der Todten, wobei der Verfasier die Unzulänglichkeit der Antworten Jesu sowohl 1) Wie tief in der Bolkssitte das Waschen der Hände vor dem Esien wurzelte, zeigt z. B. der Ausspruch im Middrasch rabba: ti't: 712-12 «021 O'-p nb^a: rrb2 nboNio -w-rrii22 ■ns nnNO 1120 „ich hielt Dich für keinen Juden, als ich sah, daß Du aßest, ohne die Hände zu waschen und ohne Segensspruch/' vom gesetzlichen Standpunkt, als von dem des gesunden Menschenverstandes zu erweisen sich bemüht. Dann fährt er fort <S. 408 >: „Hierauf veranlaßte ein Schriftgelehrter oder Gesetzeskundiger Jesus zu der wichtigen Erklärung, daß nach feiner Meinung die beiden obersten Gebote feien, Gott zu lieben von ganzem Herzen, ganzer Seele und mit ganzem Vermögen und seinen Nächsten wie sich selbst. Wie leichtfertig der Vorwurf übler Absicht gegen solche, die Jesus befragen, erhoben wird, zeigt sich ganz besonders bei dieser Gelegenheit. Ein Evangelium, das glaubwürdigste, giebt an, daß die Frage nach dem obersten Gebot von einem Schriftgelehrten gestellt wurde, der der Ansicht war, daß Jesus gut geantwortet habe und der außerdem eine ausdrückliche Zustimmung zu der ihm ertheilten Erwiderung aussprach. So groß war (nach diesem Bericht) seine Sympathie mit Jesus, daß letzterer erklärte, Jener sei nicht fern vom Reiche Gottes. Man beachte nun, welch' eigenthümliche Färbung diesem einfachen Vorgang in einem anderen Evangelium gegeben wird. Es wird uns erzählt, daß die Pharisäer sahen, daß die Sadduzäer zum Schweigen gebracht waren, und sich zusammenthalen. Anscheinend als Resultat ihrer Berathung (obgleich dies nicht angegeben wird) that einer von ihnen, der ein Gesetzeskundiger war. eine Frage, „um ihn zu versuchen", nämlich: „Welches ist das oberste Gebot im Gesetze?" Verschieden wieder von diesen beiden Versionen ist die Erzählung im dritten. An erster Stelle ist jede Verbindung mit den vorangehenden Fragen ausgehoben und ohne irgend welche Vorbereitung erhebt sich ein Gesetzeskundiger und fragt, „um ihn zu versuchen": „Meister, durch welches Betragen werde ich das ewige Leben ererben?" Hierauf erwidert Jesus