Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1876)
- Date
- 1876-11-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Uklg eraeinc Zeitung des Em unparteiisches Organ Judenlhums. für alles jüdische Interesse. Heransgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philipp so« in Bonn. Verlag von Baumgärtuer's Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit 1 Mark SO Pf. pro Hundert berechnet. Ja redactionelle» Saaeleaeuheiten weride mau sich an vr. t. PhUippso» in Bonn; brnfichürch des Bezugs und der Jmeratean S»a»gLrt«er'» Sechdaudlaug iuLeipzig. Äuferatr, wetche bi» voaurr»- tag eiugeheu. finden in der rarauffolgeudcn Nummer Berückfichtiguug. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bi« 2'/, Bogen. Prci» Bierteliährig SPiark. Inserate werden mit 2» Pf. nir die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhaudluuge», Postämter und Zeitung» » Expeditione» nehmen Bestellungen an. 40. Jahrgang. Leipzig, den 28. November 1876. JS? 48. Inhalt. Leitende Artikel: Viscount Amberley und das Judcntbum. III. — Der Erlaß des Ungarischen Cultusministers gegen den Uebertritt zum Judenthum. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus Baden. Karlsruhe, Trier, Neheim a. d. Ruhr. — Oesterreich- Ungarn: Wien. — Frankreich: Paris. — Italien: Reggio. — Großbr itannien: London. — Marokko: Marokko. — Spanien: Cents. — Türkei: Konstantinopel. — Rußland: Warschau. — Feuilleton: vr. Abraham Reumann. (Eine Lebensskizze.) (Fortsetzung.) — Vermischtes. Geltende <3Lx)uhel. Bonn, 22. November. Viscount Amberley und das Zudenthum. III. Nachdem so der Viscount die politischen Verhältnisse der Juden geschildert hat, in welchen jedes Auftreten eines Messias für sie mit den größten Gefahren verbunden war und eine ganze Existenzfrage enthielt, so daß die jüdischen Behörden streng darüber zu wachen verpflichtet und gezwungen waren; nachdem er ferner gründlich gezeigt, wie das Auftreten Jesu als Messias ihren religiösen Vorstellungen und den Begriff eines Messias, wie sie ihn seit Jahrhunderten hatten, gänzlich widersprach, fährt er, zum Einzelnen übergehend, fort. „Aber zugegeben, daß diese Schwierigkeit hätte überwunden werden können, angenommen, daß es ein geistiges Königthum war, ans welches die alten Propheten sich unter unzusammenhängenden Bildern bezogen, so bleibt immer noch die Frage, ob Jesus in anderen Beziehungen die von der Schrift geforderten Bedingungen erfüllte. Zu diesem Zwecke wird es die beste Methode sein, wenn wir uns auf die Untersuchung derjenigen Prophezeiungen beschränken, welche von den Evangelisten angeführt werden und auf welche sich dieselben demgemäß als ihren Fall beweisend berufen. Jndeffen wo sie nur den einen Theil der Prophezeiung citirt haben und der andere der angeführten Stelle eine etwas verschiedene Färbung giebt, erfordert es die Gerechtigkeit gegen ihre Widersacher, daß wir das Ganze in Betracht ziehen." „Man nehme zuerst die Umstände von Christi *) Geburt. Es wurde erwartet, daß der Messias aus Davids Familie entstammen und zu Bethlehem Ephratah geboren werde. Nun erfüllte er nach unseren beiden Autoritäten diese Bedingungen. Aber, ohne den Punkt zu discutiren, ob ihre Angaben richtig seien, so ist es für die Rechtfertigung der Juden mehr als hinreichend zu bemerken, daß sie weder von seiner königlichen Abstammung noch von seiner Geburt zu Bethlehem irgend etwas wußten noch wissen konnten. Denn er selbst stellte nie die Behauptung einer der beiden Thatsachen auf, aus denen Lukas und Matthäus so viel machen, noch scheint es, daß irgend einer seiner Jünger während seiner Lebenszeit darauf anspielte. Man sprach gewöhnlich von ihm, als vom Jesus von Nazareth. Indem Matthäus sich bestrebt, diesen Namen durch falsche Auslegung einer prophetischen Stelle zu rechtfertigen, legt er Zeugniß für die Thatsache ab, daß derselbe eine allgemeine Annahme ausdrückte. Lukas läßt ihn von Nazareth als von seinem Heimathsorte sprechen. Keine Stelle läßt sich finden, an der er die durch seine gewöhnliche Benennung hervorgerufene Folgerung zurückwiese. Noch weniger behauptete er — was seine übereifrigen Biographen 1) Für minder sachkundige Leser sei hier bemerkt, daß „Christus" nichts anderes als die griechische Uebersetzung von rrcra ist, nämlich „Gesalbter" von youo „färben, salben", ganz wie ms73 von nw« „bestreichen, salben". So übersetzen die Septuag. überall rrsj73 mit yotazog, während andererseits schon Homer das Wort im Sinne von „gesalbt" gebraucht. Red.