Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1876)
- Date
- 1876-11-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Leitung des Judenlhums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bi- 2>/r Bogen. Preis Bierteljährig 3 istart. Inserate «erden mit 2i» Pf. fUr di« Petitzerle oder deren Rau« berechnet. Alle Bnchbandlnngen» Postämter und ZritungS > Expeditione» nehme» Bestellungen an. HerauSgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philipp so« in Bonn. Verlag von Baumgrrtuer^s Buchhimdlung in Leipzig. In redactionellen Anaelegeicheite» weüde man sich an vr. t. JlgUippfon in Bonn; binfichtlich des Bezug« und der Jnierate an Larmgärtner'» Latzdandlang «Leipzig. Inserate, welch« bis vonner»- laz eiugehen. finde» in der car auffolgenden Nnuuaer BerüSfichtignng. Beilagen werden mit 1 Mark L 0 Pf. pro Hundert berechnet. 40. Jahrgang. Leipzig, den 14. November 1876. J\f 46. Inhalt. Leitende Artikel: Die Juden im Orient. — Gerhard von Amyntor und Prof. vr. M. Schleiden. II. — Die Folgen des Austrittsgesetzes. II. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bremen, Berlin, Lobten;. — Oesterreich-Ungarn: Wien. — Frankreich: Paris. — Schwei;: Aus icm Aargau. — Italien: Ferrara. — Spanien: Madrid. — Türkei: Konstantmopel. — Rumänien: Fokschani, Bukarest. — Amerika: New -?)ork. — Feuilleton: Die Statue der Religionsfreiheit für Amerika. — Das Jsraeliten-Badchospital in Teplitz. — Vermischtes. £edeude ÖCxhllef. Bonn, 8. November. Die Juden im Orient. Weithin hat die Thatsache Aufsehen erregt, daß in den reorganisirten türkischen Staatsrath, welcher zu zwei Dritteln aus Muselmännern, zu einem Drittel aus Christen zusammengesetzt, kein einziger Israelit berufen worden, (s. weiter unten Konstantinopel) und dies in einem Augenblicke, wo die Türkei umwälzende Reformen für ihre mannichfaltige Bevölkerung verheißt, während unter den Vorgängern Midhat-Pascha's einige Juden im Staatsrathe saßen, und die jüdische Bevölkerung in Konstantinopel 70,000 Seelen übersteigt. Bei früheren Gelegenheiten haben türkische Staatsmänner die Gleichberechtigung der Juden gerade mit deren ruhigem und staatstreuem Verhalten motivirt, um in ihnen einen Rückhalt mehr den Christen gegenüber zu haben. Gegenwärtig scheint das entgegengesetzte Motiv zu wirken, so daß man die Juden bei Seite liegen läßt, weil sie bis jetzt keinen Lärm verursachten und die Noten der europäischen Cabinette immer nur von Christen sprechen. Wir glauben nun nicht, baß, wenn ernstlich unv thatfächlich die Muselmänner der nicht muselmännischen Bevölkerung staatsbürgerliche Rechte gewähren, die Juden davon ausgeschlosien wurden. Immerhin jedoch ist das obige Factum ein unangenehmes Präjudiz. *) Es veranlaßt uns l) Soeben erfahren wir jedoch, daß ein Israelit Namens Salomon Hakim,;um Secretär des Staatsrathes ernannt worden ist. — Bom 31. October lauft ans Konstantin op el noch folgende Nachricht ein: aber einen allgemeinen Blick auf unsre Glaubensgenoffen im Oriente zu werfen. Als die „A. Z. d. I." in's Leben trat, war man mit den Verhältniffen der Juden im Oriente so gut wie völlig unbekannt, ja diese Unbekanntschaft fing fast an der Weichsel an. Es war daher sofort das Streben der Redaclion, dieses Dunkel nach Osten hin baldmöglichst zu lichten, und schon die ersten Jahrgänge enthalten theils Originalberichte, theils sorgfältige Sammlungen von Notizen aus den Berichten und Schriften der Missionäre, so daß sich nach unv nach ein ziemlich getreues Bild ihrer Lage und Zustände zusammenfügte. Dieses Gemälde ist aber ein trauriges. Tie Stärke der jüdischen Bevölkerung in den mohammedanischen Ländern ist nirgends zu ermitteln; aber sie erstreckt sich von der Donau an bis in das wilde Kurdistan, und Jemen in Arabien, vom rothen Meere bis zur Küste des atlantischen Oceans, und begleitete die Beduinen und die Karawanen bis in die Länder südlich von der Sahara. Ueberall aber nimmt sie die unterste Stufe ein, besteht aus Handwerkern, Händlern und Tagelöhnern, und unterliegt als solche.wie als Race und Religionspartei der Verachtung und Mißhandlung der Der Apcll, welchen die kiesigen Israeliten in der versteckten Form eines in mehreren hiesigen Blättern abgedruckten offenen Briefes an die Re gicrung aus Anlaß der Nichtberücksichtignng ikrer Confession bei Geleenheit der Ernennung des Staatsratbs gerichtet harten, ist nicht ungcört verhallt. Behor Effendi, ein hervorragender hiesiger Jude, ist in diesen Tagen durch kaiserlichen Erlaß zum lebcnslänglicben Mngliede des Staatsratbs ernannt worden. Diese Berücksichtigung ihrer Wünsche bat in den israelitischen Kreisen hohe Befriedigung crregr und die hiesigen Zeitungen veröffentlichen heute wiederum einen offenen Brief, wie der vorige „Un Iuif“ gezeichnet, welcher diesen Gefühlen begeisterten Ausdruck verleiht.