Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1876)
- Date
- 1876-11-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3227069-3227115--34880-3304798- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Allgemeine Zeitung -es Zudenthums. Ein mparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitmrg «scheint wöchentlich einmal in 2 bis 2>/, Bogen. Preis Bierteliä-ria 3 Mark. Inserate wert«» mit 2» Pf. für die Petitzeile «Der deren Kaum berechnet. Alle Buchhandlungen. Postämter und ZeitungS - Expeditione» fiffrtflfn fffftrttimflfn an* Heransgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Verlag von Baumgärtuer'S Buchhandlimg in Leipjig. I» redactionellen Angelegenheiten «ende man sich an vr. r. sthilippson in Bonn; hinsichtlich des Bezug- und der Snseratean Lanm-Lrtuer'i Lnchhnndluug in Leid zig. Infrrete, welche biS vonurril»g eingeben, sind«» inder caraufsolgen» de» Nummer Berücksichtigung. Beilagen werden mit 1 Mark 50 P s. pro Hundert berechnet. 40. Jahrgang. Leipzig, den 7. November 1876. JX? 43. Inhalt. Leitende Artikel: Gerhard von Amyntor und Prof. vr. M. Schleiden. — Die Folgen des Austrittsgesetzes. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Äozmin, Posen, Kassel, Coswig (Anhalts. — Oesterreich-Ungarn: Aus Galizien. Prag, Pest. — Frankreich: Paris- -- Großbritannien: London. — Rußland: Ans Polen. — Amerika: Nerv-Zork. — Feuilleton: Wann sind die Juden nach Britannien gekommen? — Ein jüdischer Arzt des dreizehnten Jahrhunderts. — Vermischtes. ÖCx-hitef. Bonn, 1. November. Gerhard von Amyntor nnd Prof. vr. M. Schleiden. I. Als vor zwei Jahren die Ultramontanen und die Agrarier ihren Feldzug gegen die Juden begannen, und sich eine Anzahl unreiner Geister ihnen anschloß, so daß sich bald eine allgemeine Mißstimmung gegen uns kund gab, da erschraken wir, aber fürchteten nichts. Wir erschraken, denn es konnte nicht verkannt werden, daß dadurch die schon langsam vorschreitende Entwickelung in der socialen Stellung der Juden, gestört und getrübt werden und neue Schwierigkeiten in dem allgemeinen Geiste und der öffentlichen Meinung erstehen würden. Aber wir fürchteten nicht; denn das Vertrauen auf die weiter verbreitete und tiefer gewurzelte Gefittung und auf die unzerstörbare Herrschaft der Humanität und Gerechtigkeit flößte uns die Gewißheit ein, daß eine solche, niedrigen Leidenschaften entstammte Action bald wieder eine kräftige Reaction zu Gunsten der Wahrheit und der Billigkeit Hervorrufen werden. Auch glaubten wir nicht, daß ein Fall vorliege, wo Jesaias (26, 20) empfiehlt: „Auf, mein Volk, geh in deine Kammern, schleuß deine Thüren hinter dir, birg dich nur kurzen Augenblick: bis vorübergezogen der Grimm." Denn dies gilt nur einem Geschick gegenüber, das unmittelbar von Gott gesendet ist. Dem Sturme aber, welcher von Menschen angefacht und genährt wird, muffen wir furchtlos entgegentreten und ihm Widerstand leisten mit aller Kraft. Unsere Zuversicht wurde nicht getauscht, und immer lauter und häufiger werden die Stimmen, welche jene Angriffe und Schmähungen blödester Wuth zurückweifen und ein gegentheiliges Zeugniß ablegen. Was uns hierbei am meisten erfreut und auch am günstigsten wirken muß, ist, daß es Stimmen von durchaus unparteiischen und unabhängigen Männern sind, die nur in sich, in ihrer Ueberzeugung, in den lautersten Absichten den Beweggrund ihrer Auslastungen haben. Daß wir an dieser Stelle eine genauere Kunde von diesen Uriheilen und Mahnungen geben, geschieht nicht blos um sie weiter zu verbreiten, sondern auch um spaterer Zeit die Belege darzubieten, daß unser Jahrhundert gegen die Ausbrüche des Parteihasies nachdrücklich protestirt hat. Es liegen uns heute zwei Aufsätze vor, die wir mit herzlicher Freude begrüßen. Der eine, „die Judenfrage", ist in einer eben erschienenen Schrift: „Randgloffen zum Buche des Lebens von Gerhard von Amyntor. Elberfeld, 1876" enthalten. Der pseudonyme Verfasier, welcher vor einiger Zeit ein höchst günstig aufgenommenes Werk „Hypochondrische Plaudereien" herausgab, gehört, wie aus mancherlei Bemerkungen hervorzugehen scheint, wohl dem höhern preußischen Beamtenstande an und ist von Adel und in den höchsten Gesellschaftskreisen heimisch- Von wahrhaftem Adel ist aber seine Gesinnung, seine Ansichten über Menschen und Leben, die er sich mitten im Gewühle der 1) Amyntor heißr: Helfer, Bertheidiger.