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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-10-31 · Heft 44 (31.10.1876) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 44 (31.10.1876)
Date
1876-10-31
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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"Utlg emeine Zeitung -es Iudenthums. Ein llLpartciischks Organ für alles Wische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Bonn. Verlag von Baumgärtuer'S Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit l Mark 50 P f. pro Hundert berechnet. Diese Zeivma erscheint wSchenllich einmal in 2 bis 2>/a Bogen. Preis Vierteljährig A Mark. Inserate werden mit 2o Pf. fitr die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen» Postämter und ZeitnngS-Expeditione» nehme» Bestellungen an. In rwactiouellen Angelegenheiten «ende man sich cm vr. (. Vtzilippfo» in Bon»; hinsichtlich des Bezug« und der Inserate an saumoHrtner'» «»chdandlnng in Leipzig. Inlerole» welche bis vouurr»- t»> eingeben. finde» in der darauffolg«», de» Nummer Berücksichtig»»-. 4v. Jahrgang. Leipzig, den 31. October 1876. JX? 44. Iahalt. Leitende Artikel: Viscount Amberlev und das Judcnthum. II. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Pleß, Frankfurt am Main» Paderborn» AnS Weftpbalcn, Wonefrowitz. — Ocsterreich-Ungaru: Wien, Von der Donau. — Grvßbritan» nien: London. — Belgien: Lüttich. — Rumänien: Bukarest. — Palästina: Bonn. — Feuilleton: Dr. Abraham Neumann. (Eine Lcbensski;;e.) (Fortsetzung.) — Nachtrag: Pest. (9Lxh$ud. Bonn, 25. October. Discount Amberley und das Indenthum. II. Es war keine geschickle Eintheilung, welche Amberley getroffen, indem er zwischen den Mitteln zur Verbindung von unten nach oben und von oben nach unten unterschied. Denn auf diese Weise mußte er dieselben Gegenstände zweimal behandeln. Auch die zweite Abtheilung spricht sich über „heilige Ereignisse, Platze, Gegenstände, Orden und Personen" aus, also mit dem bloßen Unterschiede, daß sie in der ersten als eonseerateü „geheiligt", in der zweiten als hol)- „heilig" bezeichnet werden. Wir übergehen dehalb vieles Einzelne in diesem Abschnitt, der uns erst in seinem Schlußcapitel interessiren wird. Eines ist dem ehrlichen Forscher entgangen, was für die Beurtheilung des Judenthums im Unterschiede von anderen Religionen betont werden muß, nämlich, daß das Judenthum die Prophetie mit Maleachi für abgeschloffen, die göttliche Inspiration mit den Hagiographen für beendet ansah und daher förmlich allen später erzählten Weissagungen, Wundern, Träumen u. s. w. den unmittelbaren göttlichen Ursprung und die desfallsige Glaubenspflicht absprach; die spätere Ausflucht der brp na ist ohne Bedeutung geblieben. Nach der orthodoxen Anschauung selbst könnte eine unmittelbare göttliche Einwirkung erst mir dem Erscheinen des persönlichen Messias wieder eintreten. Alle Folgerungen, welche Amberley aus einer anderen Ansicht der Dinge zieht, können daher auf das Judenthum nicht angewendet werden. Wir wollen nur e i n Beispiel hervorheben S. 188. schließt der Berfaffer, daß jede, auf schriftlichen Urkunden beruhende Religion consequent zum Unfehlbarkeitsdogma führen muffe. Denn die schriftliche Urkunde bedürfe der Auslegung, welche, wenn sie nicht wie im Protestantismus zu Schismen und Secten führen soll, einer göttlich inspirirten Autorität bedürfe, die in die Kirche hineingelegt werden müsse, welche wiederum eines lebendigen, unfehlbaren Hauptes nicht entbehren könne. Die jüdische Tradition beweist das Gegentheil. Außer für die Satze, welche als „vom Sinai" herrührend bezeichnet werden, nimmt sie eine unmittelbare göttliche Inspiration nicht in Anspruch, wenn sie auch den Beschlüssen des Sanhedrin die vollgültige Autorität beilegt. Die Sammlung der Traditionen in den Talmudim stellt die mannichfaltigsten entgegengesetztesten Auslegungen nebeneinander, und diese Verschiedenheit hat durchaus zu keinen Schismen und Secten geführt. Der Gegensatz zwischen den Auslegungen der Hilleliten und der Schamaiten betraf äußerst wichtige Gegenstände, und lief nicht allein völlig friedlich ab, sondern verwischte sich mit der Zeit gänzlich. Wer diese merkwürdige Erscheinung, z. B. auch die Differenz zwischen den Äerusalemiten und Babyloniern, die in den beiden Talmudim so stark hervortritt, ohne eine dauernde Spaltung hervorgebracht zu haben, sich erklären will, wird den tief sittlichen und wahrhaft religiösen Charakter aller an der Durcharbeitung der jüdischen Tradition thatigen Persönlichkeiten, sowie den Mangel an allen hierarchischen Gelüsten und Tendenzen, der den Frieden überaus

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