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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-10-17 · Heft 42 (17.10.1876) · p. Seite 683

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 42 (17.10.1876)
Date
1876-10-17
Page
Seite 683 (sequence 13)
Language
German
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683 „Nun — wir werden ihn nicht lange mit unserer Sache aufhalten/' antwortete der Freund von N., „bitten Sie Herrn K. uns nur einige Minuten zu schenken." K. erscheint auch in Folge dieser Antwort des Freundes, und in kurzen Worten setzt ihm N. die Gefahr des Aufschubes auseinander und welche Minel allein wirken könnten. „Ich kann dabei Nichts thun," dabei konnte man aber den innern Grimm auf seinem Gesichte lesen. „Was soll ich auch? Warten Sie bis ich zurück bin." So empfing, so entließ Kahan den Rabbiner und seinen Freund, desien Herz blutete über das Treiben des Missionars. — Früh am andern Tage findet der Feund N. zum Ausgehen bereit. „Wohin so eilig?" „Zu Günzburg; die Schule muß geschaffen werden; habe ich so Biele einzeln von dem Uebertritte zurückgehalten, so will ich der Taufe eo masse Vorbeugen." Ohne viele Ueberlegung erklärt Günzburg feine Bereitwilligkeit. — Nicht minder bereit erklärten sich aus die Aufforderung N.'s die emeritirren Soldaten, und schon am n'n hatten der Rabbiner und Günzburg die Freude, daß über 1500 Rbl. von den Soldaten zum Unterhalt der Schule gezeichnet waren. Man war am n'n in der Versammlung so weit schon gekommen, daß man zweien Mitgliedern den Auftrag gab, ein Local zu miethen. Da kehrt nach Ostern Kahan zurück, und in der darauf folgenden Versammlung ist aus der Tagesordnung statt der Schulangelegenheit der Hauptgegenstand der Beralhung die Fleischabgaben. Die Fleischer verweigerten die ihnen auserlegte Zahlung; es erweisen sich Deficite aus Deficite im Haushalte der Gemeinde. — Das schüchtert aber Günzburg nicht ein, er will zum Resultate über die Gründung der Schule kommen. — Aber welche Täuschung! Von den 12 Vorstehern haben 6 Bedenken gegen die sofortige Gründung der Schule. — Dem fehlen noch Mittel, dem Andern die leitenden Kräfte, und dem Dritten gar der Name für die Schule. Bersammlung auf Versammlung wurde resultatlos abgehalten. Der Sommer verging, auch der Herbst — da erscheint eine Ministerialverfügung, die einem Herrn Bermann die Erlaubniß ertheilte, eine jüdische Schule aus freiwilligen Beiträgen zu eröffnen. — So wurde die im Geiste Pyrogof's projectirte nun nrrn, welche als Muster für ganz Rußland dienen sollte, in eine Privatanstalt verwandelt, und somit auch N. von der directen Leitung derselben ausgeschloffen. In wie fern CH. Kahan und die 6 Vorsteher der Erziehung der jüdischen Jugend genützt, indem sie den bewährtesten Pädagogen unter den Juden Rußlands von der Leitung der Schule entfernt haben, muß hier mit Schweigen übergangen werden. Was sie aber 9!. persönlich damit angethan, mögen sie vor Gott verantworten. Jahre vergingen — Größere Kränkung, größern Unbill hat 9!. in Geduld ertragen und vergeffen; aber jenen Abend bei Kahan und das Entreißen des liebsten Theiles seiner Thätigkeil aus seiner Hand konnte er nie verschmerzen. — „Warum haben Sie mir das angethan?" rief N. oft wehmüthig aus, wenn von diesem Gegenstände die Rede war. — (Fortsetzung folgt.» Vermischtes. Tarnopol (Galizien», 14. September. Marcus Stern, ein hübscher Junge von 16 Jahren, aus Trembowla, stand vor den Geschwornen, um sich wegen Todtschlags, verübt an seinem 15-jährigen Schulfreunde Pinkas Masinger, zu verantworten. Im Winkel des gefüllten Verhandlungssaales stand die Mutter des Angeklagten an die Wand gelehnt, das Gesicht in Thränen gebadet und murmelte Gebete mit gefalteten Händen. Am 22. Januar d. I., als die Synagoge in Trembowla zum Morgengebeie von Andächtigen gefüllt war, gefiel es dem Pinkas, seinem Kameraden Marcus scherzeshalber das Sacktuch aus der Rocktasche zu ziehen. In seiner Andacht gestört, am Kopfe stak ihm der „Schelrosch", die Hand war mit dem Gebelriemen umwickelt, versetzt Marcus dem Störenfried einen Stoß in die Seile; dieser replicirte und ergreift einen drei Pfund schweren Leuchter. Der stärkere Marcus entreißt ihm denselben und versetzt ihm damit einen solchen Hieb auf die Hirnschale, daß Pinkas nach einigen Tagen starb. Marcus wurde, nachdem die Schulbfrage wegen TodffchlagS von den Geschwornen bejaht wurde, mir Rücksicht auf seine Jugend zu nur einem Jahre schweren Kerkers, aber verschärft mit zweimaligem Fasten im Monat, verurtheilt. Händeringend verläßt die Mutter den Winkel und den Saal. (Gestörte Andacht.) Aus Anlaß des Bersöhnungsfeiertages versammelten sich in Pest Abends in einem provisorischen Betlocale des Hauses Nr. 689 in der Jsabellagaffe ungefähr 80 Männer und ebensoviel Frauen, um ihre Andacht zu verrichten. In der Frauenabtheilung brannte auf einem Tische eine große Petroleumlampe, welche durch ein Ungefähr zu Boden stürzte, wobei das nach allen Richtungen sich ergießende Petroleum in helle Flammen gerieth. Die Verwirrung war im Momente eine heillose. Die Frauen kreischten entsetzt auf, das Gebet wurde sofort unterbrochen. Alles jagte, von panischem Schrecken ergriffen, wirr durcheinander, die Frauen hinaus, die Männer hinein; viele Frauen sprangen beim Fenster hinaus, wodurch sich mehrere derselben Verletzungen zuzogen, andere mulhigere Frauen versuchten das Feuer mit allerlei Kleidungsstücken zu ersticken; als jedoch auch diese in Brand geriethen, wurde das Entsetzen allgemein. Wie die L.-K. meldet, gelang es erst der herbeigeholten Feuerwehr, den Brand zu löschen.

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