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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-10-10 · Heft 41 (10.10.1876) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 41 (10.10.1876)
Date
1876-10-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es Iudenlhums. Em unparteiisches Organ für alles indische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Bonn. Vertag von Bauwgärtuer's Buchhandlung iuLeipjig. Beilagen werdeu mit l Mark 50 Pf. pro Haudert berechnet. 3n tcbactioneHcB Äugele««heilen ttenbe man sich an Dr. £. ptzUiP»s»n in Bonn; biupchtlich des BrzngS unb der Inserate au L«ungLrln«r'»Lnitzdaudl»»y inLeidzig. Inserate, «eich« bis voumr»- ta, eingeb«!, finden inderdnranfsolgen» den Runoner Berückfichrignng. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in2M 2»/, Bogen. Preis Lirrteliäbrrg 2 Mark. Inserate werten nett 2<» Pf. fibc die Petitzeile oder deren Lama berechnet. SUle Bnchbandlnnze», Postämter und ZeitnngS» Expeditione» nehme» Bestellungen an. 40. Jahrgang. Leipzig, den 10. October 1876. JV? 41. Inhalt. Leitende Artikel: Der Verfall des Islam. Hl. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Köln, Karlsruhe, Bremen, Gießen. — Oesterreich-Ungarn: Pest, Wien. — Türkei: Äustschnü. — Italien: Aus Oberitalien. — Amerika: Baltimore, Washington. — Feuilleton: Ein Mahl bei einem eingeborenen Juden in Tlemccn. — Ein freundliches Andenken. — Vermischtes. J3eitetu)e (SLxJbi^l. Bonn, 6. October. Der Verfall des Islam. HL Das Gemälde, welches Dr. Dillmann von dem Verlauf der äußeren und inneren Geschichte des Islam entwirft, ist gelungen und sachgemäß. Sind dies aber auch die Schlüsse, die er zieht? Dies können wir ihm nicht zugestehen. Er hält den Islam im Verfall begriffen, weil er von einer verknöcherten Tradition und Kasuistik völlig beherrscht und geknechtet, und seit Jahrhunderten jede Resormbewegung unterdrückt sei. Dahingegen glaubt er, daß das Christenthum wie früher durch die Reformation, so jetzt durch die wiffenschaftliche Bibelkritik zu einem „aufgeklärten" Christenthume geläutert und als solches den Islam überwinden und beseitigen werde. Wir bezweifeln, daß er auch hierin auf wirklich geschichtlichem Boden stehe. Für ihn ist das Christenthum aufgeklärt, wenn es seine sämmtlichen Dogmen beseitigt, insbesondere die Dreieinigkeit, die Göttlichkeit Jesu, die Erbsünde, die Erlösung der Menschheit durch den Tod Jesu. Ein solches Christenthum hat aber noch niemals bestanden, selbst nicht bei den Aposteln nach den neutestamentlichen Schriften. Es bleibt eben dann vom wirklichen Christenthume nichts übrig, als die Lehre vom einzigen Gotte, dem Weltschöpfer und Welt-I regierer, und dies ist der Lehrinhalt des Judenthums, es ist die einfache und strenggehaltene monotheistische Gotteslehre, welche das Judenthum zu allen Zeiten bedingungslos bekannt, und welche auch der Islam nur mit der heidnischen Modification des Fatalismus, den er aus dem altarabischen Sabäismus übernommen, modificirt hat. Secten, die sich im ersten Zeitalter des Christenthums mit diesem Bekenntniß gebildet hatten, wurden sehr bald unterdrückt und die Unitarier unsrer Zeit machen ein völlig geringfügiges Bruchtheil aus, und werden gar nicht mehr als Christen angesehen, wie sich z. B. erst jüngst Gladstone darüber äußerte. Die nächsten Resultate der modernen Bibelkrittk, wie wir sie vor unsren Augen zu beobachten haben, sind auch der Hypothese des Dr. Dillmann nicht sehr günstig. Jene zerstört vielmehr jeden Glauben an die Bibel und stiftet im großen Haufen eine Feincseligkeit gegen alle positiven Religionen an, die durch andere Motive gefördert und gesteigert wird. Man weiß, wie deshalb die Wortführer der antireligiösen Partei, z. B. Strauß und v. Hartmann, vom „Zerbröckeln des Protestantismus" und vom „Verfall des Christenthums" sprechen. Auch wir halten uns überzeugt, daß die Bibelforschung sich mit der Zeit aus diesem Wirrwarr erheben. Wesentliches vom Unwesentlichen zu unterscheiden lernen wird. Daß sich aber hieraus für das Christenthum als solches eine so positive Gestaltung ergeben werde, um über alle bestehenden Kirchen und Seelen und dann auch über den Islam den Sieg zu erringen, sie zu überwinden und zu beseitigen, das ist es, wovon wir uns nicht zu überzeugen vermögen. Jndeß ist dies für unsre eigenlliche Frage nur nebensächlich.

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