Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 39 (26.9.1876)
- Date
- 1876-09-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Leitung -es Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Bonn. Vertag von Baumgärtuer'S Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit 1 Mar! 50 Pf. pro Hundert berechnet. I« «dactioueNra gaacttatnfrcittn wende man sich an Dr. f. Philip»so» in Bonn; binfichrlides Bezugs und der Inserate an Lnnmyirlnrr'» -nitzl,oadl»«y inLeipzigeingeben, finden in der raraufsol gende» Rnnnnrr Berücksichtigung. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 diS 2'/. Bogen. Preis BierteliLhrig 2 Mart. Inserate werden mit 2» Pf. kür die Pctitzelle oder deren Raum berechnet. Alle Buchhaudtungen» Postämter und ZeitnngS. Expeditionen nehmen Bestellmtgeo au. 4V. Jahrgang. Leipzig, den 2b. September 1876. JS? 39. Suhalt. Leitende Artikel: Ueber die Einordnung des Israel. Religionsunterrichts in die Volksschule und in die höheren Lehranstalten.— Der Verfall des Islam. — Zeitungsnachrichten '.Deutschland: Berlin, Paicwalk, Bonn, Königsberg i. Pr., Wronkc. — O esterreich- Ungarn: Lin; a. d. Donau, Krakau. — Frankreich: Paris. — Italien: Mailand. — Spanien: Madrid. — Türkei: Konstantinopel.— Feuilleton: Dr. Lewis Jacob Marcus in Schwerin (Mecklenburg.) — Vermischtes. Xeiteitde (9Lxh&el. Bonn, 20. September. lieber die Einordnung des isracl. Religionsunterrichts in die Volksschule und in die höheren Lehranstalten. Wir erhalten folgende Zuschrift, die wir nicht bloß der Unparteilichkeit wegen, sondern auch zur weiteren Erörterung der hochwichtigen Frage geben: Königsberg in Pr., im September 1870. Bereits im Jahre 1869 richtete das geschäftsleitende Comitö des jüdisch-theologischen Vereins zu Breslau an die Borstände und Vertretungen der israelitischen Gemeinden Preußens ein Circularschreiben mit dem Ansuchen, einer vom gedachten Vereine entworfenen Petition an den damaligen Unterrichtsminister j>. v. Mühler beizutreten, deren Antrag dahin ging, daß, wie in den höheren Schulen vieler anderen deutschen Staaten und Oesterreichs, so auch in denen Preußens der jüdische Religionsunterricht unter die Zahl der für die jüdischen Schüler obligatorischen Lehrgegenstande ausgenommen werde. Vorstand und Repräsentanienversammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin haben stch das Verdienst erworben, bereits damals diesem Streben entgegengetreten zu fein, indem sie sich nicht begnügten, dem Anträge nicht beizutreten, sondern wegen feiner Gefährlichkeit für die religiöse Freiheit ausdrücklich gegen denselben protestirten. Die kurze, aber treffende Motivirung dieses Protestes lautete: „Hat wirklich unter dem Mangel des obligatorischen Religionsunterrichts das religiöse Leben unter den Juden gelitten? Bon welcher Zähigkeit mußte es dann sein, daß es überhaupt noch vorhanden ist, obschon in Preußen niemals für die Juden ein solcher obligatorischer Unterricht bestand? Wir möchten glauben, daß der religiöse Sinn stch gerade deshalb unter den Juden kräftig erhalten hat, weil es kein Staatsjudenthum gab. Und die Einführung eines solchen sollten wir im Ernste wünschen? Würde nicht die nothwendige Folge die sein, daß eine bestimmte Partei die Schule beherrschen, und das schätzbarste Gut, das wir haben, unsere religiöse Freiheit, unseren Kindern verkümmern würde? Wir haben von jeher das Recht gehabt, unsere Kinder in der Religion so erziehen zu lasten, wie wir im pflichtmäßigen Ermesten es für gut erachteten, und dieses Recht wollen wir uns bewahren. Haben Andere dieses kostbare Recht noch nicht erlangt, so wollen wir es der äußeren Gleichheit wegen nicht aufgeben, und können es auch nicht, weil wir keine einheitlich organisirte Kirche haben (noch haben wollen.) Wir verstehen übrigens nicht, wie eine Herabwürdigung des jüdischen Religionsunterrichts darin gefunden werden kann, daß er der Fürsorge jedes einzelnen Hausvaters und der zu religiösen Genossenschaften verbun-