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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-09-19 · Heft 38 (19.9.1876) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 38 (19.9.1876)
Date
1876-09-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Leitung -es Judenlhums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Bonn. Verlag von Baumgärtuer'S Buchhandlung m Leipzig. Beilagen werde» mit 1 Marl 5 0 P f. pro Hund ert berechnet. Dicse Zrituug erscheint wöchentlich einmal in 2 bis 2ty2 Bogen. Preis Bierteljährig 3 Mark. Jnseraie werden mit 2» Pf. nir die Petitzelle oder deren Raum berechnet. Alle Bnchhairdlnngen, Postämter und ZeitungS » Expeditione» nehmen Bestellungen an. In redactionelle» Angelegenheiten wende man sich an vr. t. Phili»,so» in Bonn; hinsichtlich des Bezugs und der Inserate an Saumgiirlnrr'i Lachdandlnng inLcivziz. Inserate, welche biS vonuer»- lag eingebe», finden inder darauffolgende» Nummer Berücksichtigung. 40. Jahrgang. Leipzig, den 19. September 1876. JS? 38. Inhalt. Leitende Artikel: WaS uns Noth tfjut. — lieber den jüdischen Gcbctcnltns und dessen Geist- IV. — Literarischer Wo chenbericht: Ems. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Hamburg,Magdeburg, Gelnhausen(Obcrbcssen). — Oesterreich- Ungarn: Prag. — Belgien: Brüssel. — Türlei: Konstantinopel. — Palästina: Jerusalem. — Feuilleton: Ludwig Achim von Arnim und Moritz Jtzrg. — Vermischtes. Stellende Bonn, 13. September. Was uns Noth thut. Wenn dieses Blatt in die Hände der Leser kommt, ist das erhabene Fest wieder bei uns eingekehrt, welches die Gedanken der Selbstprüfung, der göttlichen Vergeltung und Vorsehung ganz besonders zum Ausdruck bringt. Die allergrößte Mehrheit unserer Glaubensgenossen wird an den beiden Festtagen in ihren Gotteshäusern stch versammeln, Gebete hören und sprechen, die Töne des Schofar's und die Worte der Predigt, wo letztere gehalten wird, vernehmen. Aber dann? Zurückgekehrt in ihre Wohnungen und in das Getreibe der Welt, was und wieviel werden sie dahin mitgebracht haben von den Stätten der Anbetung? Einen Gedanken möchten wir ihnen in das Herz schreiben, ein Bedürfniß in ihnen geweckt haben, daß sie dessen Befriedigung mit allen Kräften anstreben. Es betrifft das, was unS vor Allem Noth thut. Hierüber sollte fort und fort, und gerade an diesem hohen Feiertage das belehrende und ergreifende Wort von den jüdischen Kanzeln ertönen. Es ist dies: daß der jüdische Religionsunterricht immer verbreiteter und immer gediegener werde! Soviel auch in den letzten Jahrzehnten hierfür geschehen, gesprochen und gewirkt worden: wir können uns der Erfolge noch nicht erfreuen; in vielen Beziehungen ist noch unzulänglich, was vorhanden ist, ist der jüdische Religionsunterricht noch unvollständig, besonders in seiner Verbreitung. Am ehesten ist für ihn in den meisten mittleren Gemeinden gesorgt, in der Mehrzahl der kleineren liegt er ganz darnieder; in den großen Gemeinden ist er noch in erschreckendem Maße unvollständig. Als im Laufe dieses Jahres in Berlin in einer höheren Töchterschule unter etwa 36 Schülerinnen jüdischer Religion zwölf waren, von 13 bis 15 Jahren, welche die Zehn Worte nicht kannten, von Moses, Joseph, Abraham nichts wußten, vom Sinai nie etwas gehört hatten, zeigte es sich einmal drastisch, wie es in solch' einer großen Gemeinde um den jüdischen Religionsunterricht steht. Ebenso ist es bekannt, daß in Breslau Hunderte von jüdischen Kindern ohne allen Religionsunterricht erwachsen. Und nicht etwa allein in den gesellschaftlich höher gestellten Claffen. In Paris ist es so um ein halbes Tausend Kinder aus den unteren Elasten beschaffen. In London macht jetzt eine edle Dame eifrig Propaganda, um zahlreiche Kinder zum Unterricht überhaupt zu bringen. Bis vor Kurzem blieben fast alle jüdische Schüler der Realschulen und Gymnasien in Preußen ohne Religionsunterricht, und noch jetzt sind die höheren Lehranstalten zu zählen, wo es anders geworden. Und dies zu einer Zeit, wo in zahllosen jüd. Häusern die religiöse Erziehung völlig geschwunden, wo die Eltern ein Morgen-, Tisch- und Abendgebet nicht auf die Lippen ihrer Kinder legen, wo in ihrer gar vielen Sabbath und Festtag kaum eine Erinnerung finden! Da in der That ist das Unterlassen des Religionsunterrichtes der Jugend fast gleichbedeutend mit der Herbeiführung des Abfalls von der väterlichen Religion. Dies

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