Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1876)
- Date
- 1876-09-05
- Page
- Seite 587 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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587 Dies kümmert uns wenig. Wir hielten eS für Pflicht, sie auszusprechen, und halten unS überzeugt, daß auch sie sich Bahn brechen wird. Bei dem ersten Cyclus des Bayreuther Festspiels thaten sich zwei Juden hervor: ein gewisser Pringsheim aus Berlin, der als rabiater Wagnerianer einem Manne, der einige Widerreden wagte, ein Bierseidel in's Gesicht schleuderte und ihn schwer verletzte — und ein Redacteur, Davidfon aus Berlin, der nach dem Schluß des letzten Stückes sich anmaßte, das Publikum aufzufordern, Wagner ein Hoch! auszubringen. Ob Wagner durch diese Anhänglichkeit von Juden bewogen wird, seine Gehässigkeiten gegen alle Juden zu widerrufen? Ein Wagner widerruft nicht! — Uebrigens zeigte es sich denn auch in vollem Maße, daß derselbe Componist. der Meyerbeer maßlos wegen seiner Effecthascherei geschmäht hat, hinterdrein aus der ganzen Kunst nichts als eine Jagd nach erkünstelten Effecten macht! In dem gegenwärtigen Kriege zwischen der Türkei und Serbien nimmt die „N. fr. Pr." aufs Entschiedenste Partei für die erstere. Zu diesem Ende enthält sie in ihrem Morgenblatte vom 12. August einen lesenswerthen Artikel: „Der Islam und die Civilisation". Sie tritt der weitverbreiteten Ansicht, daß der Islam sich mit civilisatorischen Fortschritten nicht vereinbare, nachdrücklich entgegen. Sie beweist aus der Geschichte der arabischen Cultur, daß die Wissenschaft und die Philosophie unter der Herrschaft des Islam nicht allein sehr bedeutend vorangeschritten, sondern daß die Araber der modernen Entwickelung Wurzel und Unterlage gegeben haben. Er zeigt, daß der Islam noch heute lebenskräftig sei, indem er der Glaube eines Drittels des ganzen Menschengeschlechtes ist, und sich noch heute viel stärker verbreitet als das Christenthum. Er hat den Vortheil, bei Weitem nicht in so viele sich bekämpfende Secten zerfallen zu sein, so viele Religionskriege und Religionsverfolgungen hervorgerufen zu haben wie das Christenthum. Daß er durch das Schwert sich ausgebreitet habe, muffe auch von diesem gesagt werden. — Allerdings ist eine unparteiische Würdigung des Islam noch überaus selten. Sie kann auch vorzugsweise nur vom Standpunkte des Judenthums gegeben werden, dem der Islam ebenso wie das Christenthum entsprungen ist, und zwar unmittelbar dem traditionellen Judenthum. In den Gesichtskreis der Gegner der positiven Religionen drängt sich allzusehr die Antipathie gegen diese hinein, wie dies auch in dem angeführten Artikel der Fall ist. Wir, unsrerseits, haben eine solche objective Betrachtung bereits in der achten Vorlesung über „Die Entwickelung der religiösen Idee im Judenthume, Christenthume und Islam", dann in Leitartikeln dieser Zeitung, in unsren „Weltbewegenden Fragen" B. I, S. 291 :c. zu geben versucht. Was aber der Islam selbst nicht verschuldet, das scheint doch durch die gegenwärtigen herrschenden mohammedanischen Völker, in welchen der Islam verknöchert ist, bewirkt zu sein. Die Türken müssen, nicht wegen ihrer Religion, sondern als herrschender Bolksstamm erst thatsächlich erweisen, ob sie der höheren > Civilisation fähig sind. Anzeigen. Pensionat Sobemheim, Bingen a. Rhein. Nähere Auskunft über die Leistungsfähigkeit unserer Erziehungsanstalt geben die Herren: Dr. Leop. Stein in Frankfurt a/M. — Dr. Philippson in Bonn. — Dr. Rothschild in Alzey. — Dr. Süsskind in Wiesbaden. — Dr. Landsberger in Darmstadt. — Ben Israel in Cobleuz. — M. Lebrecht in Bingen am Rhein. Beginn des Wintersemesters am 15. October. — Prospecte auf Verlangen. (H. 62120.) Geschv. Sobernheim, Bingen a. Rh. Prediger-Vacanz. Die jüdische Gemeinde in Williamsbnrg sucht einen Prediger und Rabbiner zu engagireu; einen jungen Mann, welcher gediegenes Wiffen mit malerischer Begabung verbindet, der Schule der gemäßigten Reform angehörend. Vorläufiger Gehalt s 2000. Anmeldungen, begleitet von einschlagenden Zeugniffen, sind zu richten an Sigismund Kaufmann, 39 Nassau Street, N. 4). Zn den bevorstehenden hohen Festtagen wird ein Borbeter gesucht. Anmeldungen nebst Qualistcationsatteste nimmt der Unterzeichnete entgegen. Ntenstettin, im August 1876. Der Vorstand:!_IF. Löwe. __; Ich suche zum sofortigen Eintritt in mein Bankgeschäft , einen Lehrling. Mülheim a. d. Ruhr. HZust. Hnnnu