Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1876)
- Date
- 1876-09-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Leitung -es Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 vis 2*/2 Bogen. Preis Bierteliährig 3 lliark. Inserate werden! mit 2u Pf. für die Petitzeile oder deren , Äauni berechnet. Alle Buchhandlungen, j Postämter und ZeitungS - Expeditionen : nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps-« in Bonn. Verlag von Banmgärtner's Buchhandlung in Leipzig. 2n redactionelle» Angelegenheiten wende man sich an Dr. £. (Hjilippfon in Bonn; hinsichtlich des Bezugs und der Jnieratean sassgärtner'» Suchhandluny in Leipzig. Inserate, welch« dis voaarr»- t»g eiagehen. finde» inder raranffolgen» den Nummer BerüSstchrigung. Beilagen werden mit 1 Marl 50 Pf. pro Hundert berechnet. 40. Jahrgang Leipzig, den 5. September 1876. JVf 36. Inhalt. Leitende Artikel: Noch ein kurzes Nachwort. — Die Bearbeitung des Talmud, t. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bertiu, Czarnikau» Hamburg, Würzburg. — Oesterreich-Ungarn: Triest, Linz an der Donau, AuS Oberungarn. — Frankreich: Paris. — Türkei: Konstantinopel. — Rumänien: Fokschani. — Feuilleton: Ein Curivsum aus dem Jahre 1677. — Vermischtes. JPeibeude CLxhkcl. Bonn, 30. -August. Noch ein kurzes Nachwort. Sie legen mir, geehrter Herr, noch eine Frage vor, nämlich: wenn die pessimistische Geistesrichiung eine Zeitströrnung ist, wie kann man sie überwinden, wie aus ihr herauskommen, da es bekanntlich schwer ist, gegen den Strom zu schwimmen? Selbst auf dem weiten Ocean, wenn ein Schiff in eine starke Strömung gerath, muß daffelbe tüchtig gezimmert sein, nnd große Anstrengungen machen, um aus jener heraus zu gelangen. Es bedürfte also wohl eindringlicher Belehrung seitens des erfahrenen Steuermanns, um gegen die Elemente der Zeit anzukämpfen, und sich den Gefahren des Schiffsbruchs zu entringen. Obschon ich nun nicht auf den letzteren Ehrentitel Anspruch erheben mochte, theile ich Ihnen doch meine Gedanken hierüber mit. Jean Paul sagt einmal bei ähnlicher Veranlassung: „Bor Allem reformire Dich selbst, dann ist schon Vieles geschehen!" In der Thal ist es, wenn eine allgemeine Zeitrichtung verderblich zu sein scheint, die Sache und Pflicht jedes Einzelnen, sich mit aller Sorgfalt und Mühe davon frei zu halten oder zu befreien. Er sichert sich dadurch selbst und trägt seines Theiles dazu bei, durch Vorbildung und Mahnung zu gleicher Anstrengung aufzufordern. Jn's Große und Allgemeine zu wirken ist Wenigen gegeben, und ein so gewaltiger Organismus, wie die Menschheit oder wie die civilisirte Welt ist, kann sich nur durch sich selbst heilen, ren krankhaften Stoff auSscheiden und das Fieber zur Ruhe bringen. Also an jeden Einzelnen tritt die Forderung heran: reformire Dich selbst, schaffe den pessimistischen Zug aus Deiner Seele heraus, beseitige die sich insiltrirende pessimistische Anschauung aus Deinem Geiste. Auf welche Weise soll aber dies erlangt werden? Zunächst indem er in sich alle die Stimmen wieder weckt, die aus seiner eigenen Vergangenheit zu ihm herübertönen, und sich wieder in die ganze Gedankenwelt versenkt, in welcher er herangewachsen und sich ausgebildet hatte. Wenn er mit klarer Vernunft die Gründe prüft, welche der Pessimismus gegen die uralte religiöse und sittliche Weltanschauung vorbringt, gegen diese vom Judenthume so einfach und bestimmt ausgesprochene, von den ungezählten Geschlechtern der Vergangenheit getragene, von so vielen Denkern entwickelte und vertiefte Lehre von der Weltordnung: so wird er bald die Nichtigkeit jener pessimistischen Argumente erkennen. Mehr noch: Wenn er mit ungetrübtem Auge in die Natur und das Leben schaut, sich von diesem und jenem einzelnen Erlebniß nicht befangen halten läßt, sondern über den ganzen Raum seines eigenen Daseins und der gesammten Existenz prüfend blickt, wenn er der wahren Liebe das Herz öffnet und der Gerechtigkeit sein Ohr leiht, unv überhaupt allen den freundlichen Klängen, die ihn entgegentönen, all' den köstlichen Farben und Düften, die ihm zum Gefühle kommen, sich zuwendet, so wird sein Gemüth sich aufrichten, sich läutern, sich starken und den bewußten und unbewußten Unmuth hinaus - schaffen, der sich seiner bemächtigt hatte. Der Pessimismus ist