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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-08-15 · Heft 33 (15.8.1876) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 33 (15.8.1876)
Date
1876-08-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Juteresse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipp soll in Bonn. Verlag von Baumgärtuer's Buchhaudluug iu Leipzig. Beilagen werden mit 1 Mark »0 Pf. pro Hundert ber 40. Jahrgang. Leipzig, den 15. August 1876. 33. 2» tetxictiOBfgcB Lugelearrcheiteu wende mcm sich au vr. {. phUippso» in Sonn; hiustchüich des Bezugs und der Juierateau Sluusgilrdur'» Lüchduudlurg «Leipzig. Zuserutr, welch« diS vonuer»- tftg erugebeu. find» «der darLuffolz«»-- deu Nuuirner Berückfichtigrmg. echnet. Diese Zeitung erftheiut wöchentlich einmal in 2 di» 2>/a Bogen. Preis Biertcliährig 3 Mart. 3nferatr werden mit 20 Pf. kür die Petitzeile «der deren Saum berechnet. Alle Buchhaudlnuge». Postämter und AeiluuzS. Expeditionen nehmen Bestellungen an. Inhalt. Leitende Artikel: lieber den Pessimismus, lll. — Principiis obsta! Dem Anfang schon widersetze Dich'. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Aus Württemberg, Stuttgart, Düsseldorf, Posen, Colberg. — Oesterreich-Ungarn: Bon der Donau, Pest, Wien, Aus Mähren, Lin; an der Donau, Brüx. — Frankreich: Paris. — Holland: Amsterdam. — S erbien: Semlin. — Feuilleton: Michel Znpmich. lSchlußl. — Vermischtes. JPeib&ude t3Lxh^iA. Bonn, 9. August. lieber den Pessimismus. in. Sie schreiben mir, werther Herr, daß die Schilderung, die ich in meinem vorigen Briefe vom wirklichen Leben entworfen, daß es nämlich aus Freud' und Schmerz, aus Leiv und Lust, aus behaglichen und widerwärtigen Momenten sich zusarnmensetze, der gewöhnlichen Ansicht vom Judenthuine widerspreche, welches als optimistische Weltanschauung betrachtet werde, und fordern mich auf, zu zeigen, wie jene mit dieser in Einklang stehe. Da ich von vornherein keine streng methodisch angelegte Besprechung des Pessimismus beabsichtigte, so gehe ich auf Ihr Verlangen ein. Ueberhaupt will ich ja den Pessimismus nicht in pessimistischer Art und Weise beuriheilen. Ich kann ihn nur mit der Erscheinung der Homöopathie vergleichen, welche auch aus einer allgemeinen Unzufriedenheit mit der Beschaffenheit und den Ergebniffen der medicinischen Kunst entsprang. Die Homöopathie widersprach allen Grundsätzen der Vernunft und der Forschung, aller Beobachtung und Erfahrung der Vergangenheit; dennoch fand sie eifrige Anhänger und bei dem Publikum vielfachen Anklang. Sie hat das Verdienst, die allgemeine Medicin, sagen wir die Alloopathie, genölhigt zu haben, ihre Medicamenre und deren Wirkungen strenger Prüfung und immerwährender Beobachtung zu unterziehen, die übertrieben zusammengesetzten Heilmittel zu beseitigen und der diätetischen Behandlung die volle Aufmerksamkeit zuzuwenden. Zch habe ihren Ursprung gesehen, ihre Verbreitung erlebt und jetzt — ist sie von der Schaubühne ziemlich verschwunden. M Aus demselben Gesichtspunkte betrachte ich den Pessimismus als eine historische Erscheinung und ein Stimmungsphilosvphem, das jedoch ernstlich bekämpft werden muß, weil es in vielen Individuen zerstörend zu wirken vermag, bis es durch die Veränderung der allgemeinen Stimmung feines Einflußes wieder verlustig gehen wird. Das Judenthum ist optimistisch in Allem, was Gott, deffen Schöpfung und Vorsehung betrifft, indem es Gott als das vollkommenste Wesen begreift, von welchem daher nur Vollkommenes, „in seiner Art Gutes", d. h. seiner nach weisester Absicht getroffenen Bestimmung Entsprechendes ausgehen kann. Gleiches findet auch hinsichtlich des Menschen vom objectiven Gesichtspunkte aus stall, nicht aber in deffen subjectiven Beziehungen als Individuum. Das Judenchum gleicht nicht der Stoa, welche den Schmerz und das Leid leugnete. Das Judenthum, welches auf einer der ersten Seiten seiner ältesten Urkunde ausspricht: „Das Bilden 1) Ich darf mir wohl obige Aussprüche gestatten. Im Sommer 1833, bei dem ersten Andrängen der Homöopathie veröffentlichte ich (Rengersche Buchhandlung in Magdeburgs die llebersetzung zweier lateinischer scharfkritischer Abhandlungen Sprengel's gegen die Homöopathie mit einer ausführlichen Einleitung, sowie in einer in Hamburg von Doctor Simön herausgegebenen antihomöopathischen Zeitschrift eine Satyre gegen die Homöopathie, die gut ausgenommen wurde.

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