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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-08-08 · Heft 32 (8.8.1876) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 32 (8.8.1876)
Date
1876-08-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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5 >• S f- Allgemeine Zeitung -es Ju-enlhums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps-« in Bonn. Verlag von Baumgärtuer's Bllchhaudlong m Leipzig. Beilagen werden mit I Mark 5« Pf. pro Hundert berechnet. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bis 2*/2 Bogen. Preis BierteliLhrig SÄUock. Jwsrrate werden mir 2>l Pf. für die Petitzeile oder deren Saust bcrctpnct» Wie Postämter und ZeituogS » Exveditionen nehmen Bestellungen au. 3» rebactionellen Angelegenheiten wende «an sich an l>r. t. phili,,so« in Bonn; hinsichtlich de« Bezug« und der Inserate an La»«yrr1»»r'» Lrchhaudlrng inLeipzig. Inserate, welch« diS vonaer,- tng eingchea. finde» inderdarausfolge». den Nummer Berücksichtigung. 40. Jahrgang. Leipzig, den 8. August 1876. JS? 32. Inhalt. Leitende Artikel: Ueber den Pesfimismus.il. — Rumänische Verfolgungen. — Literarischer Wochenbericht: Gr. Becskerek. — Zeitungsnachrichten: Teutscbland: Berlin, Bonn, Deutz bei Köln, Erfurt, Aus Mittelschlesicn, Rostock. — Oesterreich- Ungarn: Lemberg, Aus Galizien. — Maro kko: Paris. — Persien: Bagdad. — Rumänien: Bukarest. — Serbien: Belgrad. — Amerika: New-Iork. — Feuilleton: Michel Zupmich. — Vermischtes. J^eiteade <3LxJbJkei. Bonn, 2. August. Uebtr ben Pessimismus. n-') Geehrter Herr! Ich hatte einen Freund, der in einem seiner Gemächer eine Sammlung von Bildern angelegt hatte, welche die Hochzeitsgebräuche und die dabei stattfindenden Freudenausbrüche und Vergnügungen, wie sie bei den verschiedensten Völkern heimisch sind, varfiellten. In einem anderen Gemache hingegen vereinigte er eine Menge von Bildern, welche die Trauergebräuche bei Bestattung der Todten, die Leichenzüge, die Beerdigung, Mumificirung oder Verbrennung der Tobten und alles, waS darauf Bezug hat, veranschaulichten. Dabei halte er diese beiden Räume in entsprechender Weise ausgerüstet. Hier Alles Trauer, Düsterheit, Schmerz, Klage; die Wände und Vorhänge aus schweren schwarzen Stoffen, an den Plafonds Todtenköpfe und verlöschende Fackeln — dort nur Jubel, Freude, Glanz und Schimmer; Rosen, Myrthen, Orangenblüthen in Fülle auf die hellfarbenen Tapeten gemalt, lächelnde Engelsköpse von allen Seilen, Musik und Reigen in allen möglichen Formen heiterten den Beschauer von der Decke an. Nun, eine solche Grabkammer und cbswbre sräent« ist der Pessimismus, ein Hochzeitssaal der Optimismus — aber beides ist nicht das wirkliche 1) I. s. Nr. 26. Leben. Der Pessimismus bettet Leben und Welt in ein düsteres Todtengewölbe, der Optimismus belleidet sie mit den lichten Gewändern der Lust und des Glückes. Was ist dieses Leben denn? fragen Sie mich. Das wirkliche Leben gleicht jenem großen Künstler, welcher mit wenigen Pinselstrichen ein ttauriges, weinendes Gesicht in ein lustiges, lächelndes umwandelte. Jedes Menschen Leben setzt sich aus glücklichen und unglücklichen, aus freudigen und schmerzlichen, aus behaglichen und unangenehmen Momenten zusammen. Es giebt keine Freude, die dauernd wäre und nicht immer noch Wunsche und Bedürfnisse mit sich brächte, und es giebt keinen Schmerz, der sich in seiner Heftigkeit la'nge erhielte, und in deffen Tiefe nicht irgend eine Befriedigung enthalten wäre. Wir sehen Menschen, die alle Zeit im Strome des Lebens nach den glänzenden sonnenbeschienenen Stellen dringen, und es gelingt ihnen, Heiterkeit und Genuß immer wieder in das Gefäß ihrer Seele zu füllen: andere lieben geradezu die Trauer, und empfinden eine Befriedigung, in ihrem Schmerze zu wühlen. Das Leben des Menschen ist weder ein Paradies, noch eine Hölle; wer es für jenes oder für diese ausgiebt, täuscht sich und Andere. Im Gefolge jedes Menschen Schritt vor Schritt begleiten ihn die Freude und das Leid, und es kommt sehr viel auf einen Jeden selbst an, ob er jener oder diesem leichter und öfter die Hand reicht. Das Leben bietet uns selten.einen Becher Weines, auf deffen Grunde nicht ein Tropfen Wermuth läge; aber niemals einen Becher Wermuth, in welchen es nicht einen Tropfen Honig gemischt hätte. Dabei gleicht die Gewöhnung jedes Uebermaß nach beiden Seiten hin aus und dämpft das Gefühl des Glückes wie des Mißgeschicks. Unter ihrem Stabe L

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