Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 104 (30.8.1838)
- Date
- 1838-08-30
- Page
- Seite 422 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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422 daß brr unbillige Haß sich seit der Zeit gelegt hat, schwerlich glauben, daß die öffentliche Meinung sich Ln dem Grade verändert habe, daß man sogar jetzt wünschen sollte, daß die Juden an jenem eminentesten Staatsbürgerrechte Theil nehmen sollten. Es wird natürlich ein nicht geringer Beweis einer solchen Veränderung sein, wenn die Stande wirklich den Wunsch nach Theilnahme der Juden an jenem Rechte vortragen sollten. In Bezug auf das Angeführte mußte Commissarius es der Versammlung überlaffen, wieweit sie hinreichenden Grund finden dürste, die Proposition in nähere Erwägung zu ziehen, und er wolle blos wiederholen, was er bei einer andern Gelegenheit bemerkt hatte, daß eine Veränderung in der einmal und seit so wenigen Jahren getroffenen Einrichtung durch stärkere Gründe unterstützt werden müffe, als die sind, die man für nothwendig ansähe, die Bestimmung zu motiviren, welche durch diese Veränderung eingeführt werden soll. (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen, Auszüge, Repliken. In No. 124. -c6 Telegraphen für Deutschland, bei Gelegenheit des Gedichtes Ahasver von Julius Mosen, zieht der £crr Dr. Gutzkow neben der Versicherung seiner beständigen Theilnahme an den jüdischen Jntereffen (nach dem alten Sprichwort: zu Leide will ich Dir gar nichts thun; ich will Dir blos einen bösen Namen machen), mit aller Macht aus die Juden los, nämlich auf alles was an ihnen wand - niet- und nagelfest ist, und nicht mitHautundHaar auf dcmStrom der socialen Evolutionen mit fortschwimmen will. Man siebt, auch bei dem jungen Deutschland lauft die Toleranz auf das leidige: wer nicht für mich ist, der ist wider mich, und wider den bin ich, hinaus. Diese Zerren batten geglaubt in den jüngeren Juden gerade die nöthigen Pierrots und Harleguins zu finden, die den beabsichtigten großen Maskenzug mit Burzelbäumen und Kapriolen eröffnen sollten, und da nun das Material sich etwas spröde'zeigt, und seine innere Konsistenz nicht beim ersten Anhauch verliert.-anatliema sit! Nur zu, ihr Herren, uns ist dergleichen nichts Neues! So sehen wir denn zum Tausend und Einten Mal, wie ein System, das damit anfing, alles Menschliche vom höchsten Gesichtspunkt aus zu umfaffen, nun schon auf den ärmlichen Maaßstab eines alten Leipziger Magisters reducirt ist, und z. B. von der Juden-Emanciparion, die in dem größten Theil des GlobuS nicht allein vollzogen, sondern schon längst vergessen ist, als von etwas ganz Neuem, im ersten Entstehen Begriffenem reder, und von den Juden selbst wie von einem Corps von Millionären. — — Wir aber — um einem Passus jenes Aufsatzes zu begegnen — wir acceptiren mit vollem Herzen nur eine sulche Emanzipation, in der implieite daS Gestandniß liegt, man habe, Rücksicht auf frühere allgemeine sociale Einrichtungen Vorbehalten, — unseren Vorältern Unrecht gelhan, obgleich wir sonst gar nicht mit unseren falschen Freunden glauben, unserer bürgerlichen Besserstellung förderlich zu sein, wenn wir aus derselben eine so überschwengliche L>ache machen, daß erst die ganze moralische, politische und literarische Welt aus ihren Angeln gehoben werden müßte, damit uns unser ganz einfaches Anrecht an die Beneficien der bürgerlichen Gesellschaft nicht länger entzogen oder verkümmert werde. Dem Herrn Dr. Gutzkow sind wir übrigens bereit, sobald er geruht sich auf Gründe einzulapen, Punkt für Punkt zu antworten, da er ohne Zweifel, auf dem betretenen Wege fortschreiten wird; denn allen sonstigen literarischen Ruhm' in Ebren: wir alle, die wir mit größerer und geringerer Aufopferung unser Leben und Streben an die politische, moralische und seienlisische Verbesserung der ttvenn auch nicht zahlreichsten, doch in vieler Hinsicht) ärmsten Klane, nämlich der Juden in eonereto, nicht solcher Phantasiegebilde wie sie Herr G. eine Zeitlang hätschelte, setzen: wir alle halten unser Thun, jedem andern auf dem Gebiete der Humanitätvbeförderung, ohne Ausnahme, ebenbürtig; und das Ungemach, über das Herr G. und seine Freunde seit einigen Jahren zu klagen haben: nicht reden zu dürfen, hat Israel, im Ganzen wie im Einzelnen schon viele Jahrhunderte hindurch getragen. Möge Herr G. diese Aeußerung nun auf Rechnung jüdischer Witzelei oder jüdischer Unbescheidenheit setzen, wir werden darum nicht zurückrreren. Wozu aber das Judenthum in der Weltgeschichte nutz gewesen ist, das wollen wir ihm noch ganz kurz andeuten: es har gezeigt, daß es gewisse Ideen giebt, die, wenn möglichst unverfälscht erhalten, die Kraft besitzen, eine große Mcnschenklasse, die ihnen zum Träger dient, selbst in zweitausendjähriger Gefangenschaft, vor Verknechtung des Geistes und des Charakters zu bewahren; und das ist mehr, glauben wir, als irgend ein religiöses oder philosophisches System von sich rühmen kann. H. Bemerkungen. Herrn II. R. in Wr. diene zur gefäll. Berücksichtigung, daß alle seine Sendungen richtig angekommen, daß dicselben aber, nicht von momentaner Tendenz, noch zurückstehen muffen. Herrn E. in H. in T. Vorschlag ist durchaus nicht angemessen, doch bitten wir, seine Corcesp. fortzusetzen. Dem Herrn B. B. aus G. danken wir für seine schönen Bemühungen heczlichst, und bitten, sie fortzusetzen, wenn auch sein Vorschlag nicht annehmbar ist, wie er selbst urtheilen würde, wenn er die Verhältnisse kennte. Zu unserm Leidwesen müssen wir Herrn 8. W. v—r berichten, daß seine Sendung uns gar nicht zugekommen ist, so wie sein Brief vom 18. Juli erst den 18. Aug. an uns gelangt ist. Er schreibe per Post. . Herr G. A. in P. wird um Fortsetzung seiner Correspondenz ersucht. Rcdacttur: Dr. L. Philippson. — Verlag von Baumgartner- Buchhandlung. — Druck von I. B. Girfchfeld.