Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-08-01 · Heft 31 (1.8.1876) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 31 (1.8.1876)
Date
1876-08-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227069-3227101--34638-3304530
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Allgemeine Zeitung -es Iudenlhums. Ein ««parteiisches Organ für alles Wische Interesse. Herausgegeben vou Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Bonn. Verlag von Baumgärtuer's Bvchhaadloug mLeipiig. Beilagen werden mit 1 Mark 50 P f. pro Hundert berechnet. 3» «d«»ctiomllor Angelezenheite» wende man sich an Dt. t. K«iU»pso« ln Bonn; binfichtli» des Bezug« und der Inserate an «»»»girlner'» «nchdandina 4 «Leipzig. Inserar», welche di« Vonner,- t»g eingrben. finden Inder raransfolgende» Srunoaer Berückfichtigung. Diese Zeit»»« erscheint wöchentlich einmal in 2 di« i‘/t Bogen. Prei« Bierteliädrig 3 Mark. Inserate werde» mit 2«» Pf. für die Petitzeile oder deren Ran» berechnet. Alle Bnchbandtnngen» Postämter nnd Zeitung« > Expeditionen nehmen Bestellungen an. 40. Jahrgang. Leipzig, den 1. August 1876. J\? 31. Inhalt. Leitende Artikel: Die Wahlen zum preußischen Abgeordnrtenbause- — Die rumänischen Handelsverträge. --- Die Armuch in der Amsterdamer Judenschast und ein Vorschlag zur Abhülfe. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Straßburg. Posen. Wronke lPoiens. — Oesterreich-Ungarn: Lemberg. —Frankreich: Paris. — Serbien: Belgrad. — Rußland: Warschau. — Amerika: Washington. — Feuilleton: Correspondenz: Memel. — Vermischtes. jCeiteiu)& (5Cxhlkc(. Bonn, 25. Juli. Die Wahlen zum preußischen Abgeor-netenhause. Wenn wir in der letzten Zeit in diesem Blatte, welches den Interessen der gesammten Judenheit gewidmet ist, den Vorgängen im preußischen Staate einen ausgedehnten Raum gewährt haben, so wird dies sicherlich unsren Lesern nicht auffällig erschienen sein. In unsrer Epoche ist der Zusammenhang zwischen allen Gliedern der großen menschheitlichen Familie so eng, und in jeder selbst speciellen Frage handelt es sich so sehr um Verwirklichung oder Verletzung eines allgemeinen Princips, daß jedweder Vorgang in einem irgend bedeutenden Staate die allgemeine Theilnahme erweckt. Was an einem Orte geschieht, ist ein Spiegelbild für viele andere, und wirkt selbst schon als Idee auf weitere Kreise. So kann es auch außerhalb der preußischen Marken nicht gleichgültig sein, wenn hier die Neuwahlen zum preußischen Abgeordnetenhause bevorstehen, da bei der noch immer schwankenden Strömung des Volksgeistes und der Staatslenkung, sowie bei dem lebhaften Anstürmen neu sich bildender Parteien die Aussichten sich verwirren. Jedermann weiß, daß, wenn wir an dieser Stelle über einen solchen vorzugsweise politischen Gegenstand sprechen, wir auch nicht im Entferntesten von der Ansicht geleitet werden, daß die Juden eine politische Partei bilden oder bilden sollten. Nichts liegt ferner von uns. Die Juden haben in politischer und socialer Beziehung keine andern Jntereffen, als das gesammte Volk, welchem sie auch in den Verschiedenheiten der Ansichten und Bedürfniffe nach deffen Schichten und Ständen angehören. Dies schließt jedoch nicht aus. daß sie als Mitglieder einer besonderen religiösen Genoffenschaft an gewiffen Knotenpunkten der politischen und socialen Entwickelung und Gesetzgebung besonders betheiligt sind, welche sie deshalb nicht außer Acht lasten dürfen. Um es schon hier einfach und bestimmt auszudrücken: als Juden haben wir die einzige Tendenz vor uns, den Grundsatz vollständiger Parität in allen staatlichen und gesellschaftlichen Verhältnissen überall und ganz durchgeführt zu sehen, und jede Hintenansetzung und Verletzung desselben zu bekämpfen. Wir maßen uns nicht an, den Gang der Gesetzgebung und der Verwaltung nach irgend welcher Seite hin leiten und beeinflussen zu wollen; wir übernehmen ohne Zögern den vollen Antheil an den Fortschritten wie an den Jrrthümern jener, immer jedoch unter der Voraussetzung und Bedingung, daß wir in allen Maßnahmen und Acten in völlig gleicher Weise mir unsren christlichen Mitbürgern behandelt, nicht von Ausnahmebestimmungen betroffen und in eine Ausnahmestellung gedrängt werten. Nicht auf eie Lösung irgend einer Frage an sich suchen wir einzuwirken, orer schwebt uns nur als Idee vor; wohl aber, daß welcher Art die Lösung sei, sie nicht mit alten oder neuen confessionellen Unterscheidungen geschehe. Dies ist die Grundlinie, von der wir niemals abzugehen gedenken, soweit es die Juden als Glaubensgenoffenschaft betrifft, und von dieser gehen wir auch in den folgenden Betrachtungen aus.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.