Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1876)
- Date
- 1876-07-18
- Page
- Seite 470 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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470 Jeuilletou. biographische Notizen. Möge es mir gestattet sein, aus vem Leben zweier berühmter jüdischer Philosophen je eine Notiz anzuführeu, die, so weit ich sehe, ihren Biographen entgangen ist. Freilich sind an Richtung und geistiger Bedeutung diese beiden Philosophen recht verschieden. Der erste, der hier zu erwähnen, ist Spinoza. Unter den mancherlei Personen, die mit dem berühmten und vielfach angefochtenen Denker in Berührung kamen, befand sich auch Joseph August du Cros, ein ehemaliger französischer Mönch, der in England zur reformirten Religion übergetreten sein wollte und seitdem im Dienste verschiedener deutscher Fürstenhöfe eine abenteuerliche und wechselnde diplomatische Laufbahn verfolgte. Geistreich und gewandt, aber treulos und geldgierig, erwarb du Cros sich viele Feinde, und diese verfehlten nicht, ihm vorzuwerfen: daß er „ein rechter Atheist sey, der mit dem bekandten Spiuofa, welcher den ätbeismum mit vielen argumeuien behaubtet hatte, wie auch einen Juden, der dergleichen gethan, in guter Freuudschast gestanden." Man sieht, wie übel der Ruf Spinoza's zur Zeit war. Wer der andere „Jude, der dergleichen gethan," gewesen ist, weiß ich nicht. Erfreulicher ist die Notiz, welche sich auf Moses Mendelssohn bezieht und die außerordentliche Hochachtung erweist, in welcher der liebenswürdige Philosoph wahrend feines Lebens in ganz Europa stand. In den letzten Monaten des Jahres 1771 und den ersten des Jahres 1772 befand sich Luise Ulrike, die verwittwete Königin vnn Schweden, die geistvolle und energische, wenn auch leidenschaftliche und starrsinnige Schwester Friedrich's des Großen, in Berlin. Sie schreibt an ihren ältesten Sohn, König Gustav III.: 1 2) „Ich erfreue und unterrichte mich durch die Gelehrten. Sulzer, Merian, Thiobault, Gualtteri sind die liebenswürdigsten. Der berühmte Jude ist drittehalb Stunden lang bei mir gewesen, ohne daß mir die Zeit lang geworden wäre." Luise Ulrike brauchte also nur zu sagen: „Der berühmte Jude", damit ihr Sohn, der Schwedenkönig, sofort wiffe, wen sie meinte. Diese Zusammenkunft Mendelssohn's mit seiner königlichen Bewunderin fand in demselben Jahre statt, wo deren Bruder seine Wahl zum Mitgliede der Berliner Akademie in seinem bekannten Judenhaffe verworfen hatte! M. P. Zur Geschichte der Juden in Ungarn. A. Dux erwähnt in einer Biographie seines verstorbenen Oheims, des sog. „Ungarischen Diogenes", auf Grund der Ur- 1) Proceßschrift des Markgrafen v. Baireuth gegen Du CroS, eingereicht beim Reichskammrrgerichl i. I. 1688; H. Breßlau, Actenstucke zur Gefch. Du Cros (Berlin, Weidmann, 1875), ®. 14. 2) Des Königs Gustav HI. nachgelassene Papiere, bearbeitet von C. G. Geper; deutsche Uebersetzung, Th.U (Hamburg, PercheS, 1843), S. 14. künden-Forschung des ungarischen Historikers Wilhelm Fraknoi, daß der jüdische Familienname „Mendel", als des Vorstehers der gesammten ungarischen Judenheil im Landes-Archiv zum erstenmal 1820 genannt wird. Aus diesem Anlaffe bemerkt ein Leser der ,Metkvpek", daß in den Rechnungen aus den Jahren 1494/95 des Fünfkirchener Bischofs und königlichen Schatzmeisters Sigmund Hamzü (dessen Bater aus Schwaben einwanderte und der ein getaufter Jude und Armeelieferant des Königs Mathias war) der Name des Juden Mendel dreimal vorkomme: zweimal, als er 400, später 800 fl. wahrscheinlich als Toleranztaxe der ungarischen Juden erlegte, und ein drittes Mal, als von diesem Mendel von Ofen nach Leutschau, wo sich Anfangs 1495 die beiden königlichen Brüder Wladislaw und Albert besuchten, Kleiderstoffe für die Hof-Dienerschaft gesendet wurden. Hinsichtlich der einstigen Toleranztaxe der Juden wird bemerkt, daß unter den ungarischen Königen jeder königliche Jobbägye einzelne und in Schaaren gekommene Gäste, z. B. Jazygier, Kumanier, Sachsen, städtische Bürger, demnach auch die Inden in den königlichen Schatz eine Steuer entrichten mußten, obwohl sie in anderen Dingen, namentlich unter B6la IV., beinahe dieselben Privilegien, wie die Adligen besaßen. Ludwig I., der außer den Katholiken keine andere Confessio« dulde» wollte, vertrieb die Juden aus Ungarn. In Polen wurden sie mit den Hunderttausenden zur selben Zeit aus Deuffchland vertriebenen Juden von seinem Schwager Kasimir mit Freuden ausgenommen. Unter dem immer geldbedürftigen Sigismund kehrten die Juden wieder langsam zurück, und in dem Berzeichniffe Ulrich Eizinger's über die Einkünfte Ungarns im Jahre 1453 ist zu lesen, daß die Judensteuer 4000 fl. betrug. Diese Steuer fiel dann, wie alle anderen Steuergaltungen 1494 auf 1200 fl. Die besondere confessiouelle Steuer der Juden wurde bis 1848 gezahlt und betrug damals 120,000 fl. Der Steuertitel „Toleranztaxe" stammte aus Oesterreich. Josef II. befreite die Protestanten von dem Drucke der katholischen Eonfesfion durch sein Toleranz-Edict, obwohl die Religionsfreiheit der Protestanten durch Friedensfchlüffe und Landesgefetze garantirt war. Vermischtes. (Ein HochzeitSgeschenk.) Aus Rom meldet man der „N. fr. Pr.", daß der Papst am Tage Peter und Paul einem Judenmädchen, welches an diesem Festtage, nachdem es sich hatte laufen lassen, einen Christen heirathete, ein HochzeitSgeschenk von 50,000 Francs gespendet habe. (Wenn der Papst einer Jüdin eia so großes Geschenk macht, so müssen wenige Jüdinnen sich taufen lassen — das hielt selbst der Peterspfennig nicht aus!)