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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-06-20 · Heft 25 (20.6.1876) · p. Seite 404

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 25 (20.6.1876)
Date
1876-06-20
Page
Seite 404 (sequence 10)
Language
German
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404 Italien. Aus Oberitalieu, 21. Mai. «Privatmitth.) Bei den jüngste« Ernennungen zu Mitgliedern des Senats haben wir diesmal auch zwei unserer Glaubensgenossen zu registriren. Der eine ist Commanveur Isaak Artom von Asti, schon unter Cavour Gesandtschafts-Secretär bei der italienischen Legation zu Paris, später Bevollmächtigter des Königreiches Italien in Kopenhagen, in letztem Jahren General -Secretar beim Ministerium des Aeußern; und zwar wegen vieljähriger ausgezeichneter dem Staate geleisteten Dienste. Der andere ist Tullo Maffarani, früher Mitglied der italienischen Deputirten - Kammer. Dieser neue Senator ist der Sohn eines noch unter der österreichischen Regierung in Mailand hochgeachteten und gesuchten Advocaten, welcher auch in officiellen Kreisen in schwierigen Fallen über die Anwendung und Auslegung gewisser Gesetze consultirt wurde. Tullo Maffarani wurde als hervorragende Intelligenz in den^ italienischen Senat berufen, und ist um die Wohlthätigkeits- und Armen-Justitute der Provinz und der Stadt Mailand bereits hochverdient. Ich hebe es mit vielem Vergnügen hervor, daß alle Tagesblatter die mir bis nun zu Gesichte gekommen, sich über diese Berufungen sehr günstig aussprechen, die Freunde der Linken sowohl, unter deren Regierung wir nun stehen, als die der Rechten; man erzählt sogar, der König habe bei der Unterschrift des Decretes für Artom (23. Marz l. I.) die Worte geäußert: Dieses Decret unterzeichne ich gerne und willig. Ja manche Zeitungen bemerken es ausdrücklich, daß bei Gelegenheit dieser Ernennungen auch die letzten Schranken der Religionsfteiheit in Italien gefallen seien. Wie Sie sich wohl erinnern werden, hat das Turiner- Municipium der Jsraeliten-Gemeinde zur Vollführung des zur Synagoge bestimmten Gebäudes 200,000 ftcs. angeboren. Dieß geschah am 25. Feb. l. I. Am 10. l. M. erließ der Vorstand des Turiner isr. Verwaltungsrathes an die steuernden Mitglieder der Gemeinde eine Einladung zu der auf den 21. l. M. anberaumten General- Versammlung, deren Zweck es sein sollte, über die Annahme oder Verwerfung des von dem isr. Gemeinderath vorläufig mit Vorbehalt der Zustimmung der General-Versammlung dem Syndikus der Stadt Turin am 5. Mai mitgetheilten Beschlusses des isr. Gemeinverathes, das Votum abzunehmen. Es ist nämlich der isr. Gemeinderath (bestehend aus sieben Mitgliedern) mit sechs Stimmen gegen eine darin übereingekommen: Das im Bau begriffene Gebäude dem Municipium abzutreten, welches der italienischen Kunst und der Stadt zur Ehre den Bau beendigen und einer öffentlichen und bürgerlichen Benutzung anheim geben solle, und zwar gegen ein mäßiges Entgelt, welches die Jsraeliten-Gemeinve zur Errichtung einer ihren Bedürfnissen besser entsprechenden Synagoge verwenden würde. Und falls dieser Antrag vom Municipium nicht angenommen werden sollte, das noch nicht fertige Gebäude unter best möglichst theilweiser Beibehaltung des fertigen Bautheiles so zu vollführen, daß er zum Gebrauche für den israelitischen Cultus geeignet werde. Die Motive dieses Beschluffes wurden im Circular kurz und bündig mit Offenheit auseinandergesetzt, um die Stimmung der General-Versammlung vorzubereiten. Gestern nun fand diese Statt. Aber auch bei dieser Assembler machten sich die beiden seit längerer Zeit sich bekämpfenden Willensströmungen geltend. Die Mittelclasse, welche über die Stimmenmehrheit disponirt, will von einer Abtretung des Gebäudes nichts wissen und drängt auf Zuendeführung des Baues als Synagoge. Die Bermöglicheren, ziemlich zahlreich, aber in der Minderzahl, wäre» mit Ausführung des Beschluffes des isr. Gemeinverathes recht zuftieden, können sich aber dem Drange der Gegner, deren Gründe sie im Stillen vielleicht auch gutheiße», nicht entziehen, und so wurde nach längerer lebhafter Discuffion die Fortsetzung und der Schluß derselben auf eine andere General-Versammlung vertagt, welche auf den 4. l. M. festgesetzt wurde. Rußland. Petersburg, im Juni. Auf dem im September d. I. in Petersburg stattfindenden Orientalistencongreß sollen u. a. folgende Fragen zur Verhandlung kommen: 12. Wie erscheint in den egyptischen Inschriften die Bevölkerung Palästinas vor der Invasion der Hykfos? 13. Inwiefern können die Wechselbeziehungen der arabischen Stämme dazu dienen, die politischen Verhältnisse der israelitischen Stämme zur Zeit der Richter zu beleuchten? Amerika. Rew'-Aork, im Mai. (Hebr. Lead.). Das jüdische Alterversorgungsfonds in New-'Iork, das vor gerade sechs Jahren durch die Wohlthätigkeit uud Mühewaltung der Frau Hannah Leo eröffnet wurde und damals mit einer Rente von nur 800 Dollars auch nur wenige Insassen zu unterhalten vermochte, ist am 21. Mai c. nach einem großen Gebäude in der 87. Straße verlegt worden, in dem es gegenwärtig 45 weibliche u. 15 männliche Insassen zählt. Eine glänzende Entwickelung, die dem Wohlthätigkeitssinn der new-yorker Israeliten alle Ehre macht! — Bei vem jüngst stattfindenden Meeting der Vereinigung jüdischer Wohlthätigkeitsvereine in New-^ork wurde constatirt, daß dieser Verein in dem letzten Finanzjahre Mai 1875 bis Mai 1876: im Ganzen 36,030 Dollars 21 Cents an 30,688 Individuen gespendet hat, darunter 140 Kinder.

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