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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-05-09 · Heft 19 (9.5.1876) · p. Seite 309

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 19 (9.5.1876)
Date
1876-05-09
Page
Seite 309 (sequence 13)
Language
German
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309 Rabbi Ascher, dessen Schriften noch etwas Seltenes in den Rheingegenven waren «Zunz, zur Gesch. u. Lit. Seite 211). — Der Verfasser der Betrachtung über den Messias kann spätestens, da er die Ankunst desielben noch vor Ablaus des 5ten Jahrtausends nach Ersch. v. Welt erwartete, im Ansange des 13ten Jahrhunderts gelebt habrn. Wann der Verfasser des Berichts über die Berfolgungen gelebt hat, läßt sich nicht genau bestimmen. — Die Schrift dieser 3 verschiedenen Geisteserzeugnisse kann nur, da sie sicher vor einer und derselben Hand herrührt, entweder vom Verfasser der Decisionen oder, was mir wahrscheinlicher ist, von einem Abschreiber (Copisten) geschrieben worden sein. 5) Hier ist wieder ein Beispiel, daß im Mittelalter öfters nach der Aera der Tempelzerslörung gezählt wurde. Die Vermulhung res Herrn 0r. Grätz (Gesch. v. Jsr. B. VI-, daß das räthselhaste 2. Dalum an der Synagoge zu Worms, welches die Erbauung derselben in das Jahr 946 verlegt, von der Zerstörung des Tempels an gerechnet wäre, ist demnach wohlbegründet. 6) Im Hebräischen ist dies ein bildlicher Ausdruck in der Bedeutung von Alles. In der That aber schonten die Unmenschen auch die Säuglinge nicht. In Schlosier's Weltgeschichte B. V wird von den Kreuzfahrern, welche am 15. Juli 1099 Jerusalem eroberten, berichtet: „Die ganze Nacht hindurch wurden die Moslemen gewürgt. Man metzelte alle Ungläubigen nieder und schonte nicht einmal der Säuglinge". 7) 2*121 'rrd habe ich mit Kreuz übersetzt. Wörtlich heißt -rra Auszug Zettel) und 2-1?. heißt Durchschlag. Das Bild ist vom Gewebe hergenommen ünv bezeichnet etwas, das sich kreuzt. Talm. Chullin 109 Ir. 2*3:73 "rrd ir-iip „Er zerreißt es (das Herz) in die Länge und Breite. 8) Seit Anfang des elften Jahrhunderts wurde Mainz als der Sitz talmudischer Gelehrsamkeit angesehen. Diesen Ruf hatte es wesentlich den ausgezeichneten Leistungen des eine lange Reihe von Jahren daselbst in Wort und Schrift lehrenden Rabbi Gerschom b. Jehuda zu verdanken, den man die Leuchte des Exils nannte, um anzudeuten, wie viel man ihm zu verdanken habe. Die von ihm gegründete Talmudschule wurde auch van Raschi besucht. Bon seinen Anorcnungen, die zu allgemeiner Annahme gelangten, waren 3 besonders wichtig: 1) die gänzliche Abschaffung der Polygamie, eine Verordnung, welche auch die mosaische Levirats-Ehe berührte; 2» daß einer Frau ohne ihre Einwilligung der Scheivebries nicht behändigt werden dürfe, und 3) das Briefgeheimniß, welches zu brechen bei Strafe des Bannes verboten war. Dies ist um so nolhwendiger gewesen, als damals die Briefe durch Boten vermittelt wurden. — 9) Dieser den Ereignissen vorangegangene und den damaligen Verhältnissen angemessene Briefwechsel zwischen Mainz und den bedrohten Gemeinden ist, meines Wissens, noch in keinem andern Berichte erwähnt worden. 10) 2^21271 Die Irrenden. So pflegten die Juden des Mittelalters die Kreuzfahrer zu nennen. Zunz, zur Gesch. u. Lit. S. 182, übersetzt „die Herumirrenden", wahrscheinlich von ihrem unstäten Umherziehen. Mir scheint es aber, daß man dabei auch an ihre irrigen Ansichten und Neigungen dachte, daher übersetze ich „die Irrenden". 11) Damals begriff man unter dem Lande Lothringen auch noch die Gegenden des linken Rheinufers, und die Gelehrten in Speyer, Worms und Mainz nannte man die Gelehrten Lothringens. 12) Die Stelle lautet: i*»rii ^2 nt« 1-122. Sie ist schwierig, scheint aber folgenden Sinn zu haben: Im damaligen heftigen Streit zwischen dem Pabst Urban II. u. König Heinrich IV. von Deutschland, haben solche gewiß das Kreuz nicht genommen, welche Letzterem treu gesinnt waren. Lag doch dem Pabste bei seiner an die Völker ergangenen Aufforderung, einen Kreuzzug gegen die Saracenen zu unternehmen, die offenbare Absicht am Herzen, die Völker unter päbstlicher Hierarchie zu vereinigen und dadurch die Macht des Königthums zu schwächen! — So finden wir denn auch, daß die im Jahre 1091 der jüdischen Gemeinde zu Speyer vom König Heinrich IV. ausgestellte, den Juden höchst günstige Urkunde von der kreuzzüglerischen Schaar verhöhnt und mißachtet wurde. — Unsre Stelle will demnach sagen, sie konnten den König mißachten, ohne das Leben zu verwirken. — 13) 2-di-i"2 Stadtbewohner, Städter. Der Verfasser hat von 1-2 ein Denominativum gebildet, wie von 'ir-ch , — Doch hat sich nur ein Theil der Städter mir den Kreuzzüglern verbunden, das räuberische Gesindel; die Andern blieben gleichgültig oder standen öfters den Juden noch bei. Woher hätte denn der Bischof Johannsen die Mannschaft erhalten können, mit welcher er gegen die Angreisenden einschritt, als aus der Milte der Städter? 14) nris heißt eigentlich Statthalter, der Verfasser scheint aber Ritter, Grafen rc. so benannt zu haben, wei sie meistens ihre Besitzungen zu Lehen hatten, demnach als Statthalter angesehen werden konnten. 15) Die Geschichte der Kreuzzüge erzählt nichts von einem Dilhmar, demungeachlet kann derselbe doch existirr und das gelhan haben, was hier berichtet wird. Einen Adhemar von Puy gab es, der zuerst auf der Versammlung zu Clermont das Gelübde des Kreuzes ablegte, und könnte hier ein Schreibfehler eingestossen sein. — Es ist merkwürdig, daß sowohl in diesem wie m manchem andern jüdischen Berichte nichts von Peter von Amiens erwähnt wird. Sollte dies nicht, wenn auch nur eine secundäre, Bestätigung der Behauptung des Herrn Heinrich von Sybel in seiner Geschichte des ersten Kreuzzuges sein, daß nämlich die Erzählung, Peter von Amiens habe zuerst den Pabst Urban II. und dann die Völker zur Unternehmung des Kreuzzuges aufgerufen, nur erne Sage fei, die rer geschichtlichen Wahrheit entbehrte? Man wollte Die Askese verherrlichen und an dem Eremiten Peter zeigen, wessen sie gewürdigt werde und welche Thaten sie zu vollbringen im Stande sei. — In Wahrheit aber sei es der Pabst gewesen, der den Impuls zu dieser großen Völkerbewegung gegeben habe. — Herr Dr. Grätz hat in seiner Geschichte der Juden (B. VI S. 98) die gewöhnliche Meinung über Peter von Amiens beibehalten. 16) Hier steht 22*271 si-2 tin '2*1712 'n 21-2, während nach Grätz im Berichte des R. Elieser ’n" 3 n steht. Möglich, daß hier ein Schreibfehler vorhanden ist. 17) Nach Grätz waren es Wallbrüder, nach unsrem Berichte aber Städter, die Bischof Johann bestrafen ließ. Die Angabe unsres Berichts ist wahrscheinlicher, indem über die Wallbrüder der Bischof schwerlich eine Jurisdiction besessen hat. 18) 22'irr 11212712. kann ebensogut bedeuten: „sie zu tödten", als durch Verlassen ihrer Religion sie aus der Gemeinde „zu tilgen". 19) Dieser Emmichen oder Emigo, Graf von Leiningen, war ein gewissenloser, blutdürstiger Wülherich. (Fortsetzung folgt.)

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