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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-03-28 · Heft 13 (28.3.1876) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 13 (28.3.1876)
Date
1876-03-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es Judenlhums. Ein mlparteiischcs Orgm für alles Wische Jutereffe. HerauSgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Bonn. Brrlag von Baumgärtaer's Buchhan-lwlg m Leipzig. Beilage» werde» mit t Mark 50 Pf. pro H»»dert berechnet. Ja redaktionellen Angelegenheiten mente man sich as Dr. £. PyUinpson in Bonn; binstchüich des Bezugs und der Inserate an Lanmgirtn«'» ünchdandlaug «Leipzig. 2nser«Ur, welch« drS vonnrr»- l«g eingeben, finden «der darauffolgenden Rununer Berüikfichtigung. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 ni* illx Bogen. Preis BiertSjahrig 3SDtart Inserate werden not 20 Pf. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet, tüle Buchhandlungen. Postämter und ZeitungS-Expeditionen n^men Bestrllrmgen an. 4V. Jahrgang. Leipzig, den 28. Marz 1876. JW 13. Inhalt. Leitende Artikel: Ueber den jüdischen Gebetcultus Don der Neiffe. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Frankfu i. Pr.. Paderborn. Lftcs Westpbalen. Berlin. — Oesterreich-Un Bern. — Türkei. Konstantinopel. — Jemen (Arabien): Paris. - jCeiteiu)e <3Lxh%ud. Bonn, 12. März. Ueber de« jüdischen Gebetcultus und dessen Geist. I. In der Geschichte des jüd. Cultus macht der Gebetcultus die zweite Phase aus. Er tritt an die Stelle des Opfercultns, nachdem dieser durch die Zerstörung des Tempels und Jerusalems unmöglich geworden, weil er nach den altjüdischen Religionsbegriffen nur an diesem einen Orte abgehalten werden konnte. Schon während des babylonischen Exils füllte das regelmäßig abgehaltene Gebet (Dan. 6, II) die Stelle des Opfers aus; es geschah dies officiell und seitdem ununterbrochen seit dem Falle Jerusalems durch die Römer. Die Gebete wurden immer mehr fixirt und zum Pflichtgebet für jeden Juden in der Versammlung der Gemeinde wie im Hause; dann wuchs die Masse dieser Gebete immer mehr an, bis sie. ziemlich fest abgeschlossen, wenn auch mit vielen Verschiedenheiten nach den einzelnen Riten, bis zur Gegenwart überliefert wurden. — In der neueren Zeit sind die jüdischen Gebete bekanntlich vielfach zweien Gesichtspunkten unterzogen worden: der kritischen Untersuchung über die Entstehungszeit derselben nacheinander, und der reformatorischen Prüfung und Sichtung. Eigenthümlicher Weise aber erfuhren sie keine nähere Betrachtung und Erforschung hinsichtlich des Geistes, der in ihrem Inhalt und ihrer Form waltet, hinsichtlich ihres originellen Wesens und Charakters, wozu sie doch so reichhaltigen und dessen Geist. I. — Literarischer Wochenbericht: Bonn, t am Main, Fürtb, München. Birnbaum. Sckippcribeil, Königsberg arn: Pest. — Frankreich: Paris. — Schwei;: St. Gallen. ■ Feuilleton: Dr. S. Neumann. (Eine Lcbcnsskizze). — Vermischtes. Stoff lieferten. Es hängt dies mit der Richtung zusammen, die in den jetzigen jüdischen Gelehrten sich kundthut, vorzugsweise der Geschichte und der Kritik obzuliegen, aber den geistigen Inhalt und Zusammenhang nur oberflächlich zu berühren. Wir werden versuchen, in den folgenden Skizzen diese Lücke auszufüllen, oder wenigstens anzuregen, auch nach dieser Seite hin eine tiefere Auffassung eintreten zu lassen; reformatorische und kritische Rücksichten lassen wir dabei außer Acht, da es an ihnen nicht fehlt. Voran werfen wir einen Blick auf die ganze Institution selbst. Wer die Geschichte des jüdischen Stammes sorgfältig prüft, und zwar besonders um den eigenthümlichen, zu aller Zeit originellen Charakter dieses Volksstammes zu erkennen, dem wird es auffallen, wie sich in ihm Gegensätze vereinigen und verschmelzen, welche einander geradezu aufzuheben scheinen. Es ist ries Thatsache und trug gewiß nicht wenig zur Erhaltung dieses Stammes bei, weil sie ihn davor schützte, in Einseitigkeit zu verfallen und seine Lebenskraft darin aufzubrauchen. Diese Gegensätze bestehen namentlich in einer energischen Tendenz zum Autoritätsglauben, zur Hingabe an die Autorität und darum auch zur strengfixirten Form, zum Gehorsam gegen formulirtes Gesetz. Dies einerseits; aber von der anderen Seite eine wirksame Unabhängigkeit des Geistes, Selbstständigkeit des Individuums, Vertrauen auf das eigene Uriheil, Auflehnen gegen den Willen Anderer, die gleichgestellt und gleichberechtigt erachtet werden. Dem Beobachter brauchen wir das Vorherrschen dieser beiden Richtungen in allen Juden nicht erst zu erweisen. Woher die Vereinbarung zweier so entgegengesetzter Charaktereigenschaften gekommen, sich entwickelt und erhalten hat, wollen wir hier nicht näher untersuchen.

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