Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1876)
- Date
- 1876-03-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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"Allgemeine Zeitung -es Judenlhums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Bonn. Vertag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit 1 Mark öl» Pf. pro Hundert berechnet. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal i» 2 bi» Bogen. Prei» Bierteliährig 3 Mark. Inserate werde» mit 20 Pf. für die Petitzeile ober deren Raum berechnet. Alle BuchhaadUlazen, Postämter und Zeitung» - Exveditione» nehme» Bestellungen an. In redactionelle« Angelegenheiten wende man sich an vr. pqiliuvson in Bonn; binfichtlich des Bezugs und der Jn'eratean SanmySetner'» Lachdandlaug inLeivzig. Inserate, welche bis vonner»- tag eingeden. finde» in der darauffolgende» Nummer Berücksichtigung. 40. Jahrgang. Leipzig, den 21. Mär; 1876. 12. Inhalt. Leitende Artikel: Abermals eine Verleumdung aufgcdeckt! — Der rumänii'cke Handelsvertrag im österreichischen Reicks ratbe. III. — Eine Ickutzschrift für die Juden. — Literarischer Wochenbericht: Gr. Becskerek. — Zeitungsnachrichten: Deuts chland: Frankfurt am Main, Luxemburg, Samter (Posen). — Oesterreich-Ungarn: Brünn. Wien, Aus dem südlichen Böhmen. — Frankreich: Paris. — Feuilleton: lieber das ,,Schächten". — Vermischtes. «£eIUitde (fLrhilef. Bonn, 8. März. Abermals eine Verleumdung aufgedeckt! Unter den Angriffspunkten, auf welche die „Germania" und der ganze Chorus ihrer Schleppträger ein besonderes Gewicht legten, war einer der hauptsächlichsten, daß die Juden ein unverhältnißmäßig geringes Contingent zum Militärdienste lieferten. Sie erklärten dies theils aus körperlicher Verkümmerung der Juden, theils aus ihrer Schlauheit, Wege zu finden, sich der Militärpflicht zu entziehen. Zweck war, dem Volke einzureden, daß es die Juden im Kriege vertheidigen und im Frieden für sie dienen muffe, während diese ihrem Gewerbe oblagen. Die „Germania" stützte sich dabei auf Angaben aus der österreichischen Armee, die sie, wir wiffen nicht mehr woher, geschöpft haben wollte, und nach welchen nicht einmal 3000 Juden in Oesterreich dienten. Auf dieser Unterlage stellte sie statistische Berechnungen an, welche natürlich ein trauriges Resultat für die Juden abgaben. Jetzt ist es nun erwiesen, daß dies Alles pure Verleumdung gewesen. Die „Neue freie Presse" veröffentlicht folgenden Artikel: „Herr vr. G. Wolf schreibt uns: Behufs einer wiffenschaftlichen Arbeit war es mir wünschenswerth, zu erfahren, wie viele Juden im österreichischen Heere dienen. Zu diesem Zwecke wendete ich mich an ven Vorstand der zweiten Abtheilung im Reichs-Kriegsministerium, Herrn Major Stupka. Dieser hatte die Güte, meine diesbezügliche Bitte zur Kenntniß des Herrn Reichs-Kriegsministers zu bringen. Nach kurzer Zeit erhielt ich von Seite des Reichs-Kriegsministeriums, welches stets bereit ist, wiffenschaftliche Zwecke zu fördern, die Mittheilung, daß mir die gewünschten Notizen Ende Februar zur Verfügung stehen werden. Da in jüngster Zeit irrige Zahlen mitgetbeilt wurden, als wären blos 2000 Juden in der österreichischen Armee, welche von gewiffen Journalen sogar in Leitartikeln besprochen wurden, so halte ich es für angemeffen, die authentischen Zahlen schon jetzt zu veröffentlichen. Ende December 1875 befanden sich im österreichischen Heere 16,617 Juden, und zwar: 12,669 Infanteristen, 35 l Jäger, 5.39 Cavalleristen, 1188 Artilleristen, 121 bei der Genielruppe, 34 Pionniere, 1008 bei der Sanitätsttuppe, 331 im Fuhrwesenscorps, 12 in den Militär-Bildungsanstalten, 294 in den Berpflegungsanstalien,- 32 in der Monmrs-Commission und 88 im Artillerie-Zeugswesen." — Diesen Angaben des österreichischen Kriegsministeriums wird Niemand ein Dementi gegenüberzustellen wagen: ebenso wenig riese Quelle bezweifeln, da Herr vn. G. Wolf vor den Augen des Kriegsministeriums selbst die Art und Weise beschreibt, aus welche er zu diesen Zahlen gelangt ist. Da nun in den beiden Reichshälsten zusammen 1,200,000 Juden wohnen, so machen 16,000 aus: 1,33 pCr., zu welcher Höhe sich ver Friedensfuß nicht einmal im deutschen Reiche erhebt. Wir glauben kaum, daß die „Germania" diese Berichtigung, welche alle ihre Berechnungen zu Schanden macht, im einfachen Gerechtigkeitsgefühl wiedergeben werde. Um so mehr wäre es Pflicht anderer Blätter, den Verleumdungen gegenüber, diese Notiz zu verbreiten.