Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-03-14 · Heft 11 (14.3.1876) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 11 (14.3.1876)
Date
1876-03-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3227069-3227081--34288-3304148
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Allgemeine Zeitung des Ju-enthums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöcheutlich eiumal in 2 di» 2>/. Bogen. Preis Vierteljährig 3 Mark." Inserate werde» »nt 2«» Ps. für die Petitzeile oder deren Rau« berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitung» » Ey^vitioue» nehmen Bestellungen au. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Bonn. Verlag von Banwgärtncr's Buch handlang in Leipzig. In redactionellen Angelrgeuheite» wende man sich an vr. t. philidufo» in Bonn; hinsichtlich des Bezug» und der Inserate au SaumgLrturr's Luchhandlaaq inkeivzig. Inserat», welche di» vounerrtay entgehen, finden inderraraufiolgenden Nummer Berücksichtigung. Beilagen werden mit l Mark 50 P f. pro Hundert berechnet. 40. Jahrgang. Leipzig, den 14. Mär; 1876. J\? 11. Ä | Z I 4 -s 1 Zrchalt. Leitende Artikel: Die türkische Frage. — Dcr rumänische Handelsvertrag im österreichischen Rcichsratbe. II. — Zeitungs Nachrichten: Deutschland: Bonn. Ans Sachsen, Leiv'äg, Berlin, Köln. Bad-Ems, Aus dem Yrosiberiogtlium Hessen. — Oesterreich- Ungarn: Wien, Aus Oberungarn. — Frankreich: Paris. — Italien: Turin. — Spanien: Madrid. — Feuilleton: Das Schilfmeer (rpa-a'). (Schluß.) — Vermischtes. «Ceifceudc ÖCvtJlef. Bonn, 8. März. Die türkische Frage. Der rumänische Handelsvertrag, die Andrasty'sche Reformnote und die neuesten türkischen Gesetzesverkündigungen bringen auch uns die sg. orientalische Frage sehr nahe. Wenn in jenem Vertrage Oesterreich die Mißhandlung seiner eigenen Unterthanen, sobald sie jüdischer Religion sind und das Unglück haben, in Rumänien verweilen zu müssen, zugiebt; wenn Andraffy in der vielbesprochenen Reformnote die Verbesserung der Lage lediglich für die christlichen Unterthanen des Sultans fordert: so erweist dies, daß wir für unsre Glaubensgenossen im Osten von dieser Seite her nichts zu erwarten, wohl eher etwas zu befürchten haben. Die Gesetze hingegen, welche die türkische Regierung hat erfließen lasten, gehen wesentlich auf die Gleichstellung aller Confessionen aus und äiber die Unterscheidung des Grafen Andrasty hinweg. UebrigenS bleibt die türkische Regierung nicht beim Worte stehen. Wir wisten, daß sie bei der jetzt erforderlichen Anstellung einer größern Anzahl von Beamten, auch Juden anzustellen bereit ist, sobald sie dazu qualiftcirt sind, was allerdings im Augenblicke nur von einer geringen Anzahl derselben erreicht ist. Diese Vorgänge machen es uns zur Pflicht, diese große, für die menschheitliche Entwickelung so wichtige Angelegenheit auch unsrerseits zu erörtern. Wir dürfen dabei betonen, daß gerade der jüdische Standpunkt hierbei viel mehr ein objecriver, als ein subjectiver ist. Das Princip, von welchem wir ausgehen, ist das der allgemeinen Rechtsgleichheit, wir haben für die Juden nichts Besonderes zu fordern, sondern nur, daß auch ihnen zu Theil werde, waS allen Anderen zugestanden wird. Unsre Jnteresten liegen in denen der Eultur und Civilisation, durch welche allein die tiefen Schäden geheilt werden können, welche unsren orientalischen Glaubensgenosten durch die dortigen allgemeinen und besonderen Berhältniste seit Jahrhunderten geschlagen worden. Sobald es sich um die politischen Verbältniste zwischen den europäischen Mächten und der Türkei handelt, spricht man von der „orientalischen Frage". Sachlich jedoch paßt diese Bezeichnung hierfür nicht. Denn es giebt uoch andere orientalische Fragen. Wenn Rußland die mittelasiatischen Steppen und Hochlande nacheinander unterwirft, England hingegen seine Herrschaft in Indien immer mehr consolidirt, den Erben seiner Krone es bereisen läßt, Indien zu einem englischen Kaiserthume erheben will und den Kanal von Suez ankauft: so schwebt zwischen Rußland und England eine große orientalische Frage. Wenn die europäischen Mächte und mit ihnen die nordamerikanische Union sich den Eingang in China und Japan erkämpfen, letzteres sich bereitwillig der europäischen Eultur zuzuneigen scheint, das erstere hingegen viele Schwierigkeiten erhebt, so daß die paar Küstenpunkte, die geöffnet worden, gegen ein Land von 350 Mill. Menschen noch wenig bedeuten wollen: so ist dies eine andere orientalische Frage. Die Zukunft wird noch mehr dergleichen bringen und z. B. Persien eine schwere orientalische Frage bereiten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.