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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-02-15 · Heft 7 (15.2.1876) · p. Seite 109

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 7 (15.2.1876)
Date
1876-02-15
Page
Seite 109 (sequence 13)
Language
German
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109 Mitglied entriß, so ertrugen sie den Unfall in frommer Ergebung. Ich habe einen Mann gekannt, der zwei seiner Sohne, hoffnungsvolle Jünglinge, in einem Zeitraum von zwei Monaten zu Grabe getragen. Die Freunde fanden es nöthig, ihn zu trösten. Der hartgeprüfte Vater zeigte auf seinen Sohn, der einzige, der ihm übrig geblieben und neben ihm auf dem Boden saß, mit den Worten: „Meine Freunde, ich klage nicht. Mir ist noch ein Sohn erhalten. Rabbi Jochanan war viel unglücklicher als ich und ist dennoch nicht verzweifelt. Dieser Rabbi trug in einer Falte seines Gewandes einen kleinen Knochen unv rief: Dies ist alles, was mir von meinen zehn Kindern übrig bleibt." — Vermischtes. Neuenrade. Äm 15. d. Mts. wurde hier ein so seltenes als schönes Familienfest gefeiert: Las goldene Hochzeitsjubiläum des Herrn Simon Lewin und der Frau Gemahlin. Der hiesige Gesangverein brachte dem Jubelpaare am Vorabende ein Ständchen und überreichte ein demselben gewidmetes und vorgetragenes Gedicht. Am Jubeltage erschienen von allen Seiten in der festlich geschmückten Wohnung der Gefeierten Gratulanten, worunter auch Deputationen der beiden Gesellschaften, deren Mitglied Herr Lewin ist. Den 17. fand unter zahlreicher Betheiligung bei dem Gastwirth, Herrn Schröder, eine zu Ehren der Familie des Herrn Jubilars veranstaltete Nachfeier statt und herrschte beim Festmahle, fein praparirt und gewürzt durch Reden und Gesang, bis zur spaten Stunde die heiterste Stimmung. Herr Lewin sowohl als seine Gattin sind noch auffallend rüstig, was zu der guten Hoffnung berechtigt, daß die diamantene Hochzeit seiner Zeit auch gefeiert werden könne. Der von dem greisen Obercantor der hiesigen jüdischen Hauptgemeinde Lichten st ein am Montag gefeierte 7 0 -jährige Geburtstag hatte dem Jubilar von weit und breit Zeichen der allgemeinsten Theilnahme gebracht. Die Gesellschaft „Schomer laboker" (Wächter der Frühe» holte den Jubilar zu Wagen schon um 6'/2 Uhr früh zur Morgenanvachr nach der alten Synagoge, der Statte seiner nun bald dreißigjährigen Amtsthärigkeit ab. Er fand die Synagoge festlich erleuchtet und vor dem Altar bereits seine sämmtlichen Kinder, Schwiegersöhne und Enkel zu seiner Begrüßung versammelt. Der zweite Cantor der Gemeinde, Herr Markussohn, las die Morgenliturgie in ergreifender Weise. Adreffen der Gemeinde, vieler jüdischer wissenschaftlicher und religiöser Vereine, Telegramme u. s. w. liefen in reichster Weise ein. Prachtgeschenke erfreuten das Auge. Eine vom Musikdirector Lewanbowsky, Chordirigent der neuen Synagoge, componirte Cantate wurde von dem Chore derselben unter Leitung des Componisten, die andere Cantate, vom Chordirigenten der alten Synagoge, Herrn Rosenfeld, componirt, von deffen Chor glänzend zum Vortrag gebracht. Die Kinder des Jubilars hatten die Soli übernommen. Lichtenstein ist einer der wenigen Culmsbeamten, der von aller Parteien in der Gemeinde verehrt und geachtet ist. Möge ihm auch fernerhin ein glückliches Alter beschieden sein. Einige Blatter enthalten folgende Mittheilung: Von Neujahr an wird in London ein neues socialdemokratisches Organ in hebräischer Sprache erscheinen, welches hauptsächlich auf die Juden in Polen und Litlhauen im Sinne der Partei einzuwirken bestimmt ist. «Falls diese Nachricht richtig ist, und die Absicht verwirklicht wird, könnten sich die Unternehmer Mühe und Kosten sparen. Schwerlich wird einem solchen Blatte der Eingang in das russische Reich gestaltet, und unsre russischen Glaubensgenoffen halten wir nicht für geneigt, sich solchen hohlen Tiraden und Theorien zuzuwenden, denen bis jetzt überhaupt nur eine kleine Anzahl von Juden, einige Individuen problematischer Art und agitatorischer Gelüste, zum Opfer ge-! fallen sind. Redaction. - Anzeigen. Zum 1. August wird ein Cultusbeamter gesucht, welcher als Religionslehrer, Vorbeter und Schächter zu functioniren har. Einkommen circa 1500 Mark. Meldungen bis 5. April bei Dr. Edel. Der Vorstand des jüd. Religions-Vereins (Hp. 1459.) zu Charlottenburg. Lehrlingsstell e gesucht in einem En - Geschäft für einen Realschüler, der zu Ostern c. mit dem Berechtigungsschein zum einjährigen Dienst entlasten wird. Reflecranren belieben Ihre Berichte unter Litr. 11. E. S. an die Expev. d. Bl. zu adressiren. Commisit. Lchrlingsgcsllch. Für mein 5>Jtamifactur<$efd>äft suche per sofort oder 1 April einen Commis n. Lehrling. CiSleben, den 1. Februar L87V j Gustav «Hirsch. I Ein Mädchen (Israelitin), welches Küche u. Haushalt I versteht, mit guten Zeugniffen versehen ist, wird auf sogleich l oder Ostern gegen hohen Lohn und bei guter Behandlung gesucht, l Offerten unter E. 1. besorgt die Exped. d. Ztg.

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