Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 101 (23.8.1838)
- Date
- 1838-08-23
- Page
- Seite 410 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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410 Höbe, ohnweit dcS MvritzmonumcntS, und, nachdem noch allerlei bedeutende Schwicngkeitcn zu besiegen waren, die für jetzt noch nicht vor das ioium der Dessenttichlcit gehören, wurde die Aufsicht und Leitung dcö Baues, sowie die Fertigung der erforderlichen Riffe dem berühmten Baukünstler, (welcher jetzt auch mit dem Baue deö neuen Königtt Hof-Theaterö deausrragl ist) Herrn Professor Semper übertragen. Die zu erbauende Synagoge, in dem frequentesten Stadtthcile gelegen, von Garrenanlagen umringt, wird eine Residenz bilden, in orientalischer Gruppirung mit Rotunde u n d K u p p el würdig sich erhebend. Nach erfolgter obrigkeitlicher Genehmigung der Bauriße konnte nun zur G ru ndstei nlegung geschritten werden, welche am 21. Juni 1838 auf die feierlichste Weise statt hatte. — Ich bin in diesem Augenblicke noch zu voll von dem Eindrücke, den diese in der Hauptstadt Sachsens einzige Feier auf mich machte, um" alle die Betrachtungen, die sich mir dabei aufdrangen, mir Worten wiedergeben zu können. n72N innm n?:a Jrrütt. „MoseS und seine heilige Lehre bleiben ewig wahr!" Dieser seit vier Jahrtausenden unaufhörlich wiedethallende Ruf, erklang an diesem Tage von Neuem in tausendstimmigen Echo! ES war so zu sagen eine neue Apotheose deö uralten, ehrwürdigen IsraelitenthumS! — Doch gehen wir zur Schilderung der Feierlichkeit selbst über. Früh nach 8 Uhr versammelten sich die eingeladenen höchsten und hohen Behörden, die Geistlichkeit und sonstige angesehene christliche Mitbürger, sowie die Mitglieder der isr. Gemeinde in dem mit edler Bereitwilligkeit dazu überladenen großen Confcrenzsaale der medizinisch-chirurgischen Akademie im Zeugbofe. — Punkt 9 Uhr setzte sich von da auö der Zug' über den ZeughauSplatz, die AugustuSallee entlang, in folgender Ordnung in Bewegung, als: . 1) die isr. Schuljugend beiderlei Geschlechts, geführt von den isr. und christl. Lehrern; 2) die isr. Chorsänger; 3) zwei Mitglieder' der isr. Gemeinde alö Commiffarien oder Marschave mit weiß und grünen Schleifen, 4) Sr. Excellenz der im Gesammt-Ministerio Vorsitzende Herr Staatsminifter und Ordenö-Canzlcr von Linden au als dermalen fungirende Chef dcö CultuSminifieriumS, begleitet von Sr. Excellenz dem Herrn Staats- und Kncgöminister, Gcnerallicutenant von Zezschwitz und Sr. E.rcellenz dem Herrn Staatsminister des Innern von Nostitz - Iänkendorf; 5) Sr. Excellenz der Wrrkl. Geheimrach und'Kreiödirector von W i eie r S h e i m; 6) Sämmtliche im Cultuöministerio Vortragende Herren Geheimen Kircbenräthe DD. Hänel, Schulze und Hübel, 7) die gcistl. Mitglieder des evangelischen Landes-Consistoriums, Hofprediger Dr. Käuffer, Hosprediger Dr. Franke, Kirchenrath Dr. Wahl, Superintendent Heimann, denen sich fast alle evangelisch-lutherische Geistliche der hiesigen Stadt anschlosien; 8) die reformirten Geistlichen P. Girardot und Kohlschütter; 9) eine Deputation des katholisch-geistl. ConsistonumS; 10) eine Deputation des Stadt-Magistrats, an ihrer Spitze der Bürgermeister Hübler; 11) eine dergl. der Stadr-Verordneten nebst ihrem Vorstande; 12) der Polizei-Direction und Amtshauptmann von Oppeln; 13) eine Deputation deö General-Commando'ö der Armee in _ Parade-Uniform; 14) eine dergl. des Communalgarden-AusschuffeS mit der National-Schärpe; 15) eine Deputation des Stadtgerichts, 16) , eine Anzahl höherer Staatsbeamten aus fast allen Verwaltungs-Departements, Mitglieder beider Kammern, Gelehrte, Künstler, Rechtöanwalde, Aerzte und sonstige angesehene Einwohner der hiesigen Residenz; 17) der Oberrabblne Dr. Frankel im Ornate (Saunrrtbaret und Tatar); 18) die Vorsteher der isr. Gemeinde (jetzt Aeltestenamtö- Verweser genannt); 19) die Mitglieder des Synagogen-Controle-Ausschusses; 20) die vormaligen Aelresren der Gemeinde; 21) die Vorsteher der BcerdigungSgcscllschaft; 22) die Depurirten der Kranken-Verpflegungs-Gesellschaft; 23) die übrigen Mitglieder der israelit. Gemeinde, 21) zwei Commissarien oder Marschälle. Sämmtliche den Zug bildende Herren; insofern sie nicht Ornat od. Uniform angelegt harren, waren in schwarzen Frackö; die Herren Minister mir ihren Orden geziert. — Am Orte der Grundsteinlegung angelangt, allwo bereits besondere Pla-e-für die Frauen eingerichtet wgren, bildeten sämmtliche Mitglieder des Zugö einen Halbkreis, worauf die Schuljugend nebst den Chorsängern Pf. 113. in bebräijcher Sprache, nach einer eigends hierzu componirten Melodie absang. — Da6 fein* gut cvcfurtrte Solo „Rom al kol Gojim Adonai etc.“ („Erhaben über alle Völker ist der Herr!") machte hierbei einen besonders erbebenden Eindruck. Jetzt ward die in den Grundstein zu legende Urkunde, welche mehre distorische Notizen über die den Synagogenbau betreffenden Verhandlungen enthält, in deutscher und hebräischer Sprache von einem der Gemeinde-Vorsteher verlesen, von dem Oberrabbinc, den Gemeinde-Vorstehern *) und den anwesenden Mitgliedern des Synagogen-Controle-A'usschufleö O0) unterzeichnet und sammr einer Abschrift deö Gemeinde-ConventbeschluffeS vom 21. Scpt. v. I. (s. oben), den in dieser Angelegenheit erlapenen gedruckten Aufrufen, einem Eremplar deö Gesetz - und Verordnungsblattes, welches daö Gesetz vom 18. Mai 1837, die Erlaubnis zu Erbauung eines gemeinschaftlichen israelitischen BethauseS betreffend, sowie einem Exemplare der heute angesiimmten Gesänge, ingleichcn einem Königlich-Sächsischen Speeieöthaler von 1838 in ein Kästchen gelegt und dieses von dem Oberrabbinc nach einem kurzen rührenden Gebete dem Grundsteine übergeben. ES folgten nun die üblichen Hammerschläge auf den Grundstein, worauf der Oberrabbinc die mir geschmackvoller Drapperie gezierte, im Schmucke der sächsischen Nationalfarben prangende Kanzel bestieg und eine gediegene Weihrede hielt, welche die Herzen aller Zuhörer innigst ergriff. Da diese Rede, welche einen allgemein rührenden Eindruck hervorbrachte und durch ihren univcrsalckoömopolitischen Inhalt das heutige Fest zu einem wahren GlaubenSeinigungöfeste erhob, die Herzen aller Menschen zum GotteSglauben, zur religiösen Freiheit, Eintracht, allgemeinen Menschenliebe und Vaterckandsliebe erweckend, wahrscheinlich im Druck erscheinen wird °0*), so enthalte ich mich ausführlicher Mittheilung derselben. — Zum Schluffe ward ein von einem jungen israelitischen Arzte verfaßtes deutsches Lied von der Schuljugend gesungen, worauf der ganze Chor in den hebr. Vers: „Diesen Tag hat der Herr gemacht, laßt uns ihn feiern mit Wonnegesang!" jubelnd einficl. Möge diese schöne Feier, welche bei den Einwohnern Dresdens aller Confessionen einer sichtbaren Theilnahme sich zu erfreuen hatte, als Samenkorn zu betrachten sein, welchem Einigkeit und Bruderliebe für die Zukunft entspießen mögen; daS zu erbauende Gotteshaus erhielt dadurch die schönste Weihe und eS bewährt sich sodann der Spruch deö R. Kleazar (Bracliot 33) „Groß ist dasHeiligthum, eS erglänzt zwischen zwei Attributen der Gottheit (Eintracht, Liebe)!" V. B. •) Dr. B. Deer, Levi Wallersteln, W. E. Levi und EllaS Eollin. °°) Zontua Dondi und Ad. Schir. •°°) Gedachte Rede ist so eben erschienen 'und in allen dentlchm Buchhandlungen für 4 Gr. zu haben. Der Ertrag ist der isr. Germindc, Schule zu Dresden bestimmt. — Redakteur: Dr. L. Philipps»«. — Verlag von Baumgärtners Buchhandl««g. — Druck von Z. B. Hirschfeld.