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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-08-23 · Heft 101 (23.8.1838) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 101 (23.8.1838)
Date
1838-08-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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II. Zahrgaug. No. ROL.» Zeitung -es Zu-enthuws. Ein unpartheiisches Orgarr für alles jüdische Interesse. (Mit KLm'gl. Sächsischer allergnädigster Coucefsion.) Leipzig, den 23. August 1838. ZeiLungsn scheuchten. Berlin, 11. Aug. Die Preuß. Staatszeitung enthalt einen ausführlichen statistischen Bericht über die Resultate der Zahlung der Preußischen Unterthanen nach ihren Glaubensbekenntnissen, die zu Ende des Jahres 1837, dem Gesetze gemäß, nach welchem alle drei Jahre eine allgemeine Zählung statt finden soll, angestellt worden. Es befanden sich demnach im Preuß. Staate unter 14,008,125- Seelen: Katholiken 5,204,003 Evangelische 8,604,748 Juden mit Staatsbürgerrecht 102,917- - ohne Staatsbürgecrecht S0/662j10' Der Rest kommt der griechischen Kirche und den Mennoniten zu. Wahrend demnach dre Evangelischen etwas über drei Fünftel, die Katholiken etwas über drei Achttheile der ganzen Bevölkerung ausmachen, sind die Bekenner der israelitischen Religion noch nicht ganz T'T derselben. Wir haben im vor. Jahre No. 85. die Zahlung von 1834 mitgetheilt. Aus der Vergleichung Beider ergiebt es sich, daß die Zahl der Katholiken in den drei Jahren 1835, 1836 und 1837 um 226,300 zugenowmen, die der Evangelischen um 400,706, die der Israeliten um 7,565. Dies ist ein Verhältnis, das bei allen drei Konfessionen nur um ein sehr geringes verschieden ist, so daß nemlich die Katholiken um sehr wenig einen geringern Zuwachs als die Israeliten, und diese als die Evangelischen zeigen. — Mailand, 22. Juli (Privatmitth.). Die Regierung Ooeritaliens, die jegliche Besserung der israelitischen Verhältnisse bereitwilligst fördert, hatte auch auf Anstellung eines Rabbinen allhier gedrungen, obschon hier keine eigentlicke Gemeinde exisiirt, und der wirklich Sesshaften kaum 20 Familien sind, deren größere Halste hinwiederum aus Deutschen besteht. Es kam aber nicht 'zu Stande. Die Schuld ist jedoch nicht die des Guberniums, die Stipulation des Gehaltes war die Klippe, an der die freundliche^Absicht der hohen Behörden gescheitert ist. —. Die schon mehre Male Ln diesen Dt. erwähnte Broschüre des Carlo Cattaneo, Ln welcher die Gleichstellung der Israeliten gefordert wird, kommt zwar, den gründlichen Untersuchungen deutscher Autoren in keinem Stücke gleich, da dem Vers, der jetzige Standpunkt der Israeliten, besonders der deutschen, ganz fremd ist, jedoch -ist seine Tendenz eine sehr löbliche, da er von dem absoluten Rechte ausgeht, und die Freistellung der Israeliten daher fordert. Auch ist es schon ein freundliches Zeichen genug, daß überhaupt ein italienischer Autor dies ausspricht, und die Veröffentlichung durchaus ungehindert geschah. Er ist der Erste, der nach dem Verschwinden des Code Napoleon in Italien diesen Gegenstand zur Sprache gebracht, und wünschen wir ihm recht tüchtige Nachfolger. —. Unter die hiesigen Salondichter gehört auch ein Israelit, Herr Giuseppe Reverd, der jedoch ohne reiche Phantasie sich lediglich dem Realismus ergeben, und daher höchstens die Aufmerksamkeit von Literatursreunden aus sich zieht. Von Geburt ein Triestiner, früher ins Geschäft gekommen, hat er sich diesem entzogen, und eine wissenschaftliche Richtung genommen. Der Geist unsrer Religionstehre blieb aber ohne Einfluß auf ihn, und der junge Dichter sieht uns eher mit den Augen Volney's als mit denen eines Consessr'onsverwandten an. Daher fehlt ihm auch ein eigenthümlichec Boden, und seine Stellung unter den Dichtern Italiens wird so lange eine untergeordnete sein, bis er sich einen eigenen Weg gewählt und beharrlich verfolgt haben würde. — In einem weit höheren Grade, wenigstens für einige Zeit, nimmt die Aufmerksamkeit unseres Publij kums eine Israelitin in Anspruch, eine Violin-Virtuosin, die bekannte Eleonore Neu mann aus Petersj bürg. Diese, nachdem sie in Frankreich so reiche Lorbeeren! gesammelt, nimmt jetzt ihren Weg aus der Schwerz durch i Lbecitalien, und glich ihre greise durch Mailand, Brescia, j Verona, Padua, Venedig und Triest einem wahren Trii umphzuge. Was aber dem Herzen dieser neunzehnjährigen Künstlerin am meisten Ehre macht, ist ihre unendliche Sorgfalt für ihre Eltern und Geschwister, von denen sie sich nie trennt, und deren Unterhalt sie allein tragt. V. F. M. Preßburg, 1. Aug. (Privatmitth.). Unter den hiesigen jüdischen Studenten hat sich ein Verein gebildet, dessen Tendenz ist: gegenseitige Belehrung über das Jndenthum! und seinen ganzen Inhalt. Die Mitglieder kommen wöchentlich zusammen, und lesen derartige Aufsätze vor, von i denen die besseren in ein Buch eingetragen werden. Sie können in deutscher, lateinischer oder hebräischer Sprache abgefaßt sein. Welch' wohlthatigen religiösen Einfluß kann dies auf die siudirmde Jugend haben!

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