Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 49 (30.11.1875)
- Date
- 1875-11-30
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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"Allgemeine Zeitung -es Hudenlhmns. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. HerauSgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Bonn. Verlag von Banmgiirtner's Bllchhanülung in Leipt'L- 39. Jahrgang. Leipzig, den 30. November 1875. J\f 49. _m au ])j,____ ___ Sonn; hinsichtlich de« Bezug« rwd der Sm'erat« an »»«nzärlAer'» «nchhanvinn, luLeipjig. 3*ftrat*, ocUbc bi« Doanert- .—=—<■— finbext in der taranffolgen* Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bi» 2>/, Bogen. Prei» Viertüjährka 3 Mark. Inserate mtt20Pf. fer die Petitzeile oder deren Raum berechnet» Alle Bnchbandlnngen» Postämter und ZeitungS. Expeditionen nehmen Bestellungen an. Inhalt. Leitende Artikel: Moses und Aristoteles. I. II. — Die Statistik der jüdischen Bevölkerung im anßerpreußischen Deutschland und in der Schwei;. II- — Zeitungsnackrichten: Deutschland: Colmar. Berlin. Köln, Aus der Neurnark, Aus dem Poienschen, Nakel. — Öesterreich-Ung arn: Wien. — Frankreich: Paris. — Co r fu: Corfu. — Rumänien: Bukarest. Persien: Wien. — Tunis: Tunis. — Rußland: Sibirien. — Feuilleton: Noch Etwas aus Eduard Horns Leben. — Feine Züge im Herzen des Volkes. — Vermischtes. jCette*u)& ÖCxhUef. Bonn, 24. November. Moses uud Aristoteles. I. Indem wir diese beiden Namen nebeneinanderstellen, wissen wir, daß wir in der Verehrung, die wir vor dem ersteren, und in der Bewunderung, die wir für den anderen empfinden, die Bürgschaft besitzen, nur eine unparteiische Vergleichung, eine objective Forschung anzustellen, von keinem Borurtheil irre geleitet, von keinem Hintergedanken beherrscht. Schon im Jahre 1832 sagten wir an der Spitze einer Abhandlung: „Aristoteles als Naturforscher und hat er Einfluß auf die Medici» gehabt?" *): „An der Grenze des echthellenischen Alterthums steht der große Stagirit') als eine Erscheinung da. der das seltene Glück zu Theil wurde, nicht allein das Resultat einer früheren Zeit zu sein, sondern zugleich auch völlig neue Richtungen genommen zu haben, und so in zwei Welten hineinzuragen." Denn wie er noch genug des hellenischen Geistes besaß und zum Theil von den Verhälmifsen der hellenischen Völkerschaften in seiner Auffassung beschrankt ward, auch in einer bis dahin noch nicht dagewesenen Weise die Ansichten seiner Vorgänger in sich ausgenommen hatte, gehört er der antiken Welt au. Schon aber beherrschte er lange Zeit hindurch, durch Juden den Arabern 1) Podalirius, heranSgegeben von v,-. P. Philippson. (Magdeburg, Crentz, 1832.) Heft I. S. 46-138. 2) Aristoteles war zu Stagira 384 vor der gew. Zeitr. geboren. überliefen, und von diesen in die christliche Welt eingeführt, das Mittelalter, selbst mit speciellen Ansichten und einzelnen Notizen. Durch die Systematik aber, die er für die Wiffenschaften geschaffen, und durch seine ganze Methode wurde er zum Fundamente der modernen Wiffenschast, die sich zum großen Theile in den von ihm gezeichneten Umrissen ausgebaut hat, abgesehen davon, daß einzelne seiner philosophischen Arbeiten, wie seine Logik und Poetik noch immer einen ganz entschiedenen Einfluß üben. Bon Moses dürfen wir denselben Ausdruck, daß er in zwei Wellen hineinrage, nicht aufstellen. Denn sein religiöses, sittliches, politisches und sociales System stand im vollen Gegensatz zur antiken Welt, und da er im großen Ganzen auf diese gar keinen Einfluß übte, sondern hierin auf seine Nation beschränkt war, können wir einen Zusammenhang mit der Welt des Allerthums ihm gar nicht zuerkennen. Um so größer war sein Einfluß vermittelst des Christenthums und des Islam auf Vas Mittelalter. Denn nicht allein von seiner religiösen Weltanschauung ging Vieles in die Glaubens- und Denksphäre der mittelalterlichen Welt über, sondern auch wesentliche Elemente seiner Gesetzgebung wurden theils rein, theils modificirt von der katholischen Kirche und vom Islam angenommen. Dennoch stehen der Kern seiner Anschauung, die wahren Principien seiner Legislation, wie er sie theils formulirt ausgesprochen, und wie sie anderntheils sich in den Specialgesetzen auSprägen, dem Wesen, Charakter und der ganzen Geistes- und Lebensrichtung des Mittelalters so scharf gegenüber, daß selbst au eine entfernte Jdentificirnng nicht zu denken ist. Erst die neuere Zeit hat sich dieser Anschauung und diesen Principien genähert, dieselben theils ver-