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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-11-23 · Heft 48 (23.11.1875) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 48 (23.11.1875)
Date
1875-11-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es Iudenthums. Ein Mpatteiischcs Organ für alles jüdische Interesse. HerauSgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Verlag von Baumgärtncr's Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 3n redaktionellen Angelegenheiten wenv« »ran sich IN 1>r. L. philirpson in Bonn; dinsichrliib de» Bezug» und der ^nierate an «nnmgLrtner', Suilidandlann inLeivzig. Jnlrrntr, wrlrdc di» vonnrrsl«y cingehen. finden inderrar^ussoigen» den Rummer BerüctsiSkigunz. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 di« 2>/, Bogen. Drei« BierteliLbria 3 Ltark. Inserate werde» mit 2v Pf. für die Petitzeile oder deren Raun, berechnet. Alle Buchhandlungen. Postämter und Leitung». Expeditionen 39. Jahrgang. Leipzig, den 23. November 1875. J\? 4S. 3nbalt. Leitende Artikel: Die Juden nnd die Cutlur. III. — Die Statistik der jüdischen Bevölkerung im anßcrvrcußischen Deutschland und in der Schweiz. I. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Nakel. München, Gumhinncn. Oldenburg. Wolfenbüttcl. Breslau. Leipzig. — Oesterreich Ungarn: Pest, Aus dem südlichen Böhmen. Prcßburg. — Feuilleton. Zwei Leichenbegängnisse in Pest. — Polnische Bettler. — Vermischtes. «£>citcit?e (f^t hf; cf. Bonn, 17. November. Die Zudeir und die Cullnr. III. Das jüdische Volk Hai der Welt die Bibel gegeben, und dies allein ist schon genügend, um es zu einem der bedeutendsten Culturvölker zu erheben, sowohl was die Beschaffenheit des Geistes betrifft, welchem diese Schriften entsprosien sind, als auch der unermeßlichen Wirksamkeit nack, die sie geübt haben und fortdauernd üben. Da wir hier nur vom kulturhistorischen Gesichtspunkte aus sprechen, so lassen wir jede dogmatische Anschauung über den göttlichen Ursprung der Bibel unv die Consequenzen dieses Dogma für die Stellung des jüdischen Volkes selbst bei Seite. Bon dem Augenblicke an, wo Juden die heil. Schriften drei Jahrhunderte vor dem Falle Jerusalems in's Griechische übersetzten, hatten sie dieselben der übrigen Welt übergeben. Durch das katholische Christenthum unv dessen Uebersetzung der Bibel in's Lateinische wurde diese das Buch der Geistlichen unv Gelehrten der ganzen christlichen Welt. Noch weiter ging die Reformation: sie machte die Bibel zum Buche des gesammten Volkes, und sie drang in Folge dessen in alle Schichten der christlichen Völker. Nicht allein in alle Cultursprachen, sondern auch in jede, welche mit der Cultur in irgend eine Berührung trat, wurde sie übersetzt. Auf die islamitische Welt hatte sie nur einem mittelbaren Einstuß, da sie hier vom Koran verdrängt wurde, und der Urheber des Korans seine Kenntniß der Bibel nur auS mündlicher Belehrung kannte, so daß der Islam wohl ein Schößling des Jndenthums, nicht aber unmittelbar der Bibel ist. Kein anderes Schriftwerk, ja keine andere Literatur kann sich dennoch mit der Verbreitung und Wirksamkeit der Bibel vergleichen. Aus ihr bildete sich die ganze Weltanschauung der civilisirten Menschheit heraus. Sie gab ihr auch für die socialen und politischen Verhältnisse und deren Entwickelung die stärksten Impulse, und zwar für die realsten Institutionen; sie beeinflußte zahllose Menschengeister in ihrer Gedanken- und Gefühlswelt, wirkte auf ihre Ansichten und Entschlüsse, war die Mutter man. nichfaltigster Gcistesblüthe. Es gab Perioden, in welchen sich eine andere Anschauung ihr gegenüber zu stellen und sie zu bekämpfen suchte; so die Periode der Humanisten, die jedoch nur eine kurze Dauer hatte, so die unsrige. Aber auch in diesen hat die biblische Denkweise ihre unzählbaren Anhänger und Vorkämpfer, und erlosch niemals selbst in denen, welche gegen sie austraten, da eimal die gesammte Bildung auf den biblischen Boden gestellt ist. So haben die classischen Schriften und Monumente einen sehr hohen Bildungseinfluß geübt, aber immer mehr von formativer Seite, als daß deren Ideenwelt in die Geister, oder gar in die Völker eingedrungen wäre und sich mit dem Genius derselben identificirt hatte. Weder Homer und Sophokles, noch Hora; und Virgil, weder Herodot und Demosthenes, noch Cicero und Tacitus, noch die Classiker der modernen Völker können in ihrer Verbreitung und Wirksamkeit mit der Bibel verglichen werden. Wir gestehen zu, daß die Bibel gerade wegen dieser unbegrenzten Ausdehnung ihres Wirkungsfeldes auch dem

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